Beratung und Vermittlung
In der Beratung und Vermittlung von Freiwilligen sind Sie Expert:innen. Selbstverständlich ist, dass der Umgang mit Freiwilligen stets respektvoll sein sollte und die persönlichen Stärken und Wünsche im Vordergrund stehen. Abgesehen davon gibt es einige Erfahrungswerte und Materialien, die Sie dabei unterstützen können, sich auf unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen in der Engagementberatung vorzubereiten. Auf dieser Seite bündeln wir die Vorschläge, Tipps und Materialien von Kolleg:innen aus Freiwilligenagenturen und sozialen Einrichtungen, die Erfahrungen mit der Beratung von Menschen mit Behinderung gesammelt haben. Wir nehmen außerdem auch die Einsatzstellen in den Blick. Denn sie sind unverzichtbare Partnerinnen für inklusives Engagement.
Inhalt
Die Beratungssituation gestalten
Beratungsgespräche gelingen am besten in einer einladenden und geschützten Umgebung. Damit möglichst unbefangene Gesprächssituationen entstehen können, müssen auch Unsicherheiten und Fragen in Hinblick auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung thematisiert werden. Sprechen Sie in Ihrem Berater:innen-Team offen darüber und informieren Sie sich gemeinsam über do´s und dont´s für einen respektvollen Umgang.
Ein empfehlenswerter Ratgeber für den schnellen Überblick sind die Knigge-Tipps zum respektvollen Umgang mit Menschen mit Behinderungen des Paritätischen Hessen.
Im bagfa-Inklusionsprojekt haben wir Empfehlungen für eine vielfaltsbewusste und inklusive Beratungssituation gesammelt. Sie berücksichtigen verschiedene Aspekte wie z.B. die Kommunikation über Unterstützungsbedarf den zeitlichen Rahmen der Beratung und Vermittlung oder die Suche nach Einsatzfeldern. Die Empfehlungen wurden im Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ veröffentlicht.
- Betrachten Sie den Beratungsort mithilfe des „Barrieren-Check für Freiwilligenagenturen“ einmal neu und gestalten Sie ihn möglichst barrierefrei und einladend. Dabei können vermeintliche Kleinigkeiten schon einen Beitrag zur Willkommenskultur leisten. Ein Beispiel: Lassen Sie einen Platz am Beratungstisch frei. Damit signalisieren Sie: Menschen, die im Rollstuhl unterwegs sind, werden mitgedacht.
- Planen Sie eine längere Zeit für Beratungs- und Vermittlungsprozesse ein.
- Arbeiten Sie mit ganz konkreten Beispielen von Menschen mit Behinderung, die sich bereits engagieren. Schaffen Sie starke Bilder – und Vorbilder. Videos und eine Broschüre, in denen Menschen ihr Engagement vorstellen, finden Sie u.a. weiter unten auf dieser Seite.
- Nutzen Sie für die Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten eine einfache und verständliche Sprache. Materialien wie Infoblätter oder einen Fragebogen für das Erstgespräch finden Sie weiter unten auf dieser Seite.
- Beachten Sie, dass Krankheitsgeschichten und Diagnosen im Detail keine Rolle bei der Vermittlung spielen.
- Orientieren Sie sich an den Ressourcen der Menschen und sprechen Sie gleichzeitig Unterstützungsbedarf und ggf. Einschränkungen (Lesen, Schreiben, Orientierung, etc.) offen, aber sensibel an. Fragen könnten hier beispielsweise sein:
- Was bedeutet die Einschränkung im Alltag konkret?
- Kann eine unterstützende Person diese Einschränkung entlasten?
- Welche Tätigkeit kann ausgeführt werden?
- Wie kann die gewünschte Tätigkeit ggf. verändert werden, sodass sie ausgeführt werden kann?
- Finden Sie passende Einsatzfelder, indem Sie gegebenenfalls neue erschließen und große Tätigkeitsfelder in kleinere aufteilen (Stichwort: Talentorientierung). Anregungen finden Sie im Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf den Seiten 18/19.
- Machen Sie, wenn dies gewünscht wird und Sie es auch ermöglichen können, Begleitangebote wie z.B. eine Begleitung zum Erstgespräch oder das gemeinsame Üben der Wege zum Einsatzort. Wenn es Ihnen selbst nicht möglich ist, eine Begleitung anzubieten, überlegen Sie auch, ob sie ggf. über Kooperationspartner organisiert werden kann.
- Nehmen Sie Menschen mit Behinderung als Expert:innen für ihren eigenen Unterstützungsbedarf ernst! Sie sind als Freiwilligenagentur Expert:innen für Engagement und nicht für Unterstützungsleistungen. Wer zu Ihnen kommt ist es gewohnt, mit ihrer oder seiner Behinderung zu leben und kennt den entsprechenden Unterstützungsbedarf.
- Binden Sie Menschen mit Behinderung im Rahmen von Peer-Beratungs-Ansätzen (Beratung durch Menschen in ähnlichen Lebenssituationen) in Ihr Team ein.
- Bieten Sie „Schnupperengagements“ an, z.B. im Rahmen des Freiwilligentages oder anderen Aktionen.
Eine gemeinsame Sprache finden
Die Kommunikation zwischen Beratenden und Interessierten ist für das Gelingen der Beratung und Vermittlung Freiwilliger sehr wichtig. Um ein passendes Engagement und einen geeigneten Einsatzort zu finden, braucht es eine gute Verständigung über die Interessen, Wünsche und Stärken der Person. Aber auch die Informationen zu Einsatzorten und Engagementangeboten sollten so weitergegeben werden, dass die oder der Freiwillige eine gute Entscheidungsgrundlage bekommt. Die Beratungssituation sollte also auch sprachlich so gestaltet werden, dass eine bestmögliche Verständigung auf beiden Seiten erreicht werden kann. Dafür kann es hilfreich sein, sich über alternative Sprachkonzepte zur Alltagssprache zu informieren. Hier finden Sie Anregungen und Materialien für die Anwendung Deutscher Gebärdensprache sowie Einfacher und Leichter Sprache in Ihrer Beratung.
- Betrachten Sie den Beratungsort mithilfe des „Barrieren-Check für Freiwilligenagenturen“ einmal neu und gestalten Sie ihn möglichst barrierefrei und einladend. Dabei können vermeintliche Kleinigkeiten schon einen Beitrag zur Willkommenskultur leisten. Ein Beispiel: Lassen Sie einen Platz am Beratungstisch frei. Damit signalisieren Sie: Menschen, die im Rollstuhl unterwegs sind, werden mitgedacht.
- Planen Sie eine längere Zeit für Beratungs- und Vermittlungsprozesse ein.
- Arbeiten Sie mit ganz konkreten Beispielen von Menschen mit Behinderung, die sich bereits engagieren. Schaffen Sie starke Bilder – und Vorbilder. Videos und eine Broschüre, in denen Menschen ihr Engagement vorstellen, finden Sie u.a. weiter unten auf dieser Seite.
- Nutzen Sie für die Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten eine einfache und verständliche Sprache. Materialien wie Infoblätter oder einen Fragebogen für das Erstgespräch finden Sie weiter unten auf dieser Seite.
- Beachten Sie, dass Krankheitsgeschichten und Diagnosen im Detail keine Rolle bei der Vermittlung spielen.
- Orientieren Sie sich an den Ressourcen der Menschen und sprechen Sie gleichzeitig Unterstützungsbedarf und ggf. Einschränkungen (Lesen, Schreiben, Orientierung, etc.) offen, aber sensibel an. Fragen könnten hier beispielsweise sein:
- Was bedeutet die Einschränkung im Alltag konkret?
- Kann eine unterstützende Person diese Einschränkung entlasten?
- Welche Tätigkeit kann ausgeführt werden?
- Wie kann die gewünschte Tätigkeit ggf. verändert werden, sodass sie ausgeführt werden kann?
- Finden Sie passende Einsatzfelder, indem Sie gegebenenfalls neue erschließen und große Tätigkeitsfelder in kleinere aufteilen (Stichwort: Talentorientierung). Anregungen finden Sie im Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf den Seiten 18/19.
- Machen Sie, wenn dies gewünscht wird und Sie es auch ermöglichen können, Begleitangebote wie z.B. eine Begleitung zum Erstgespräch oder das gemeinsame Üben der Wege zum Einsatzort. Wenn es Ihnen selbst nicht möglich ist, eine Begleitung anzubieten, überlegen Sie auch, ob sie ggf. über Kooperationspartner organisiert werden kann.
- Nehmen Sie Menschen mit Behinderung als Expert:innen für ihren eigenen Unterstützungsbedarf ernst! Sie sind als Freiwilligenagentur Expert:innen für Engagement und nicht für Unterstützungsleistungen. Wer zu Ihnen kommt ist es gewohnt, mit ihrer oder seiner Behinderung zu leben und kennt den entsprechenden Unterstützungsbedarf.
- Binden Sie Menschen mit Behinderung im Rahmen von Peer-Beratungs-Ansätzen (Beratung durch Menschen in ähnlichen Lebenssituationen) in Ihr Team ein.
- Bieten Sie „Schnupperengagements“ an, z.B. im Rahmen des Freiwilligentages oder anderen Aktionen.
Gebärdensprache in der Beratung
Beraten Sie gehörlose Menschen, dann findet die Kommunikation in der Regel in Gebärdensprache statt. Eine Einführung in Deutsche Gebärdensprache hat der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. veröffentlicht. Auch wenn bisher niemand aus Ihrem Berater:innen-Team gebärden kann – Sie können ein paar Wege ausprobieren, um die Kommunikation im Bedarfsfall zu ermöglichen.
- Der Deutsche Gehörlosenbund e.V. hat auf seiner Webseite eine Übersicht seiner Landesverbände veröffentlicht. Prüfen Sie doch einmal ob es eine Geschäftsstelle oder angeschlossene Vereine in Ihrer Nähe gibt. Nehmen Sie Kontakt auf und schildern Sie Ihren Bedarf. Vielleicht ergibt sich daraus eine fruchtbare Kooperation.
- Ein weiterer interessanter Ansprechpartner können Hochschulen sein, die Deutsche Gebärdensprache oder auch den neuen Studiengang Barrierefreie Kommunikation anbieten. Die Engagementberatung in Gebärden könnte für Studierende ein interessantes Engagement sein. Auf www.studis-online.de finden Sie eine Übersicht der Hochschulen, die entsprechende Studiengänge anbieten.
- SignDict ist ein offenes Wörterbuch für Gebärdensprache. Jede:r kann daran mitarbeiten das Wörterbuch mit Gebärden zu füllen. Bisher wurden schon über 5500 Gebärden hinzugefügt – darunter auch die Gebärde für „Ehrenamt“. Einige Gebärden, z.B. zur Begrüßung zu lernen, setzt ein starkes Zeichen im Sinne der Willkommenskultur.
- Wie sieht es mit der Kommunikation aus, wenn ein Engagement gefunden ist? Diese Frage liegt nahe. Denn eine erfolgreiche Vermittlung endet nicht mit dem Beratungsgespräch. Mit den Reformen des Bundesteilhabegesetzes hat sich der Anspruch auf Kommunikationsassistenz im privaten Bereich – und dazu wird freiwilliges Engagement gezählt – verändert. Ein Beitrag der Sendung „Sehen statt hören“ klärt über die aktuelle Gesetzeslage auf. Zum Beitrag Teilhabe im privaten Bereich vom Bayrischen Rundfunk.
Einfache Sprache und Leichte Sprache in der Beratung
Etwa 95 Prozent der Bevölkerung können Einfache Sprache lesen und verstehen. Zu den Personengruppen, die davon ganz konkret profitieren, zählen funktionale Analphabeten, Personen mit Lese-Rechtschreibschwäche oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Hier kann Einfache Sprache Teilhabe ermöglichen. Und in Leichter Sprache gelingt die Kommunikation mit Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das sind starke Argumente dafür, diese beide Sprachkonzepte kennenzulernen und in der Beratungsarbeit anzuwenden.
Eine kurze Einführung: Einfache Sprache vs. Leichte Sprache
Für Einfache Sprache wurde bisher kein einheitliches Regelwerk veröffentlicht. Es gibt aber allgemein anerkannte Empfehlungen für eine Vereinfachung des Satzbaus und der Wortwahl im Vergleich zur Alltagssprache. Die Empfehlungen fasst das Übersetzungsbüro Leichte Sprache Bonn in ihren Regeln für Einfache Sprache kurz und knackig zusammen. In einem kostenfreien Online-Kurs „Einfache Sprache lernen“ bietet die Aktion Mensch eine Einführung in die Einfache Sprache.
Leichte Sprache ist ein Sprachkonzept, das die deutsche Sprache stark vereinfacht. Sie ermöglicht insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten selbstbestimmt Informationen über Texte aufzunehmen. Hilfreich kann Leichte Sprache aber für weit mehr Menschen sein, beispielsweise für Menschen die an Demenz erkrankt sind. Für Texte in Leichter Sprache gibt es ein festes Regelwerk. Daran haben Menschen mit Lernschwierigkeiten mitgearbeitet. Es wurde von den Mitgliedern des Netzwerks Leichte Sprache herausgegeben. Zwei wichtige Kriterien für Texte in Leichter Sprache sind die Bebilderung der Inhalte und die Prüfung durch Expert:innen, also Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das vollständige Regelwerk können Sie hier ansehen und herunterladen.
Texte und Materialien in Leichter Sprache müssen also immer zusammen mit Expert:innen erarbeitet werden. Mittlerweile haben sich einige Übersetzungsbüros für Leichte Sprache gegründet oder sich auf Übersetzungen in die Leichte Sprache als Dienstleistungen spezialisiert. Auch die Nutzung von KI ermöglicht inzwischen Übersetzungen, hier ein kostenpflichtiges Beispiel.
Materialien für die Beratungsarbeit in Einfacher und Leichter Sprache
In den vergangenen Jahren haben Kolleg:innen aus Freiwilligenagenturen und Einrichtungen der Behindertenhilfe im Rahmen von Projekten zur Förderung inklusiven Engagements Einfache Sprache und Leichte Sprache in der Beratung von Freiwilligen angewendet. Die Projekte sind heute längst abgeschlossen. Aber die erarbeiteten Materialien sind weiterhin gute Beispiele und häufig verwendete Vorlagen, die auch Sie für Ihre eigene Beratungsarbeit nutzen können. Sie müssen also das Rad nicht neu erfinden, wenn Sie zum Beispiel eine Erklärung zu freiwilligem Engagement oder der Arbeit einer Freiwilligenagentur in Leichter Sprache für Ihre Beratungsarbeit suchen. Vielleicht möchten Sie sich und die Möglichkeiten für freiwilliges Engagement an Ihrem Standort auch in einem Info-Workshop einem Werkstattrat vorstellen. Auch dafür finden Sie Konzepte in unserer Materialbox.
- Tipps für Einfache Sprache in der Beratung
- Was ist freiwilliges Engagement?
- Wie finde ich ein freiwilliges Engagement?
- Fragebogen für Freiwillige in Leichter Sprache
- Vortrag Freiwilliges Arbeiten und Freiwilligen-Agenturen – Was ist das?
- Ehren-Amt in Bielefeld. Alle können mitmachen
- Fotobuch: Ehrenamt ist für alle
Die Materialien stammen aus folgenden Projekten:
- „Selbstverständlich freiwillig“ des Diakonischen Werks Hamburg
- „Gemeinsam engagiert“ des Freizeit- und Kulturzentrums Neue Schmiede
- „Menschen mit Behinderungen in einem Ehrenamt“ der Freiwilligenagentur Schweinfurt in Kooperation mit der Lebenshilfe Schweinfurt
- bagfa-Projekt „Sensibilisieren, Qualifizieren und Begleiten – Freiwilligenagenturen als inklusive Anlauf- und Netzwerkstellen weiterentwickeln“
Lesen Sie sich die beiden folgenden Sätze einmal genau durch – wie könnte man es noch sagen? Die Auflösung finden Sie unter dem jeweiligen Bild.
Quelle: Postkarten, AWO, Büro Leichte Sprache
Engagement-Plattform der Aktion Mensch
Die Engagement-Plattform ist mit mehr als 26.000 Einträgen die größte nicht-kommerzielle und inklusive Plattform für Engagement und Ehrenamt in Deutschland. Rund 140 Freiwilligenagenturen bilden als Netzwerkpartner dort ihre vielfältigen Engagementmöglichkeiten ab. Die Aktion Mensch und die Freiwilligenagenturen stehen für das inklusive Miteinander im demokratischen Gemeinwesen und für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Menschen mit und ohne Behinderungen können mit ihren Talenten die Engagement-Plattform nutzen, dort ihr passendes Engagement finden und gemeinsam aktiv werden. Egal ob lokal in der eigenen Region, digital von zu Hause aus, langfristig und regelmäßig oder zeitlich flexibel – all diese Filtermöglichkeiten vereinfachen die Suche nach dem passenden Engagement.
Beratung und Unterstützung von Einsatzstellen
Inklusives Engagement kann nur gemeinsam mit Einsatzstellen gelingen. Und es ist leider noch nicht selbstverständlich. Also haben auch Einsatzstellen oft noch keine Erfahrungen in der Arbeit mit Freiwilligen mit Behinderung. Genauso wie in Ihrem Team möglicherweise erstmal Unsicherheiten bestanden, können auch bei Kolleg:innen in den Einsatzstellen erstmal Hemmschwellen bestehen. Tipps, wie Sie sich auf Gespräche vorbereiten und lokale Einsatzstellen mit ins Boot holen können, haben wir hier für Sie zusammengefasst.
- Beginnen Sie mit Einsatzstellen, die Freiwillige sowieso schon gut begleiten und ein gutes Freiwilligenmanagement haben.
- Arbeiten Sie an einer gemeinsamen Haltung: Verdeutlichen Sie „Win-Win-Situationen“ – Beteiligung von Menschen mit Behinderung ist keine soziale Wohltat. Tipps zum Thema „Haltung entwickeln“ finden Sie auf der Seite „Wissen und Haltung“
- Nehmen Sie Berührungsängste und Befürchtungen seitens der Einsatzstellen wahr und thematisieren Sie diese.
- Ermutigen Sie dazu, auch einfach mal auszuprobieren und dabei Barrieren zu erkennen (und diese dann gemeinsam zu beseitigen!).
- Sammeln Sie positive Beispiele – entweder lokale oder thematisch ähnliche.
- Stellen Sie hilfreiche Materialien (z.B. Checklisten) zur Verfügung.
- Bereiten Sie die Einrichtungen auf den Einsatz vor, indem Sie z.B. eine Fortbildung organisieren oder selbst anbieten.
- Nutzen Sie „Gruppenengagement“ für Menschen mit Lernschwierigkeiten als Türöffner und Einstieg, zum Beispiel in Kooperation mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
- Erschließen Sie zusammen mit den Einsatzstellen neue Tätigkeitsfelder („den Blick weiten“), setzen Sie dabei den Fokus auch auf kleinere Aufgaben.
- Nutzen Sie Freiwilligentage oder auch andere kurzfristige Engagements, um Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abzubauen. Gemeinsames Engagement zu solchen Anlässen schafft häufig die Grundlage für den Perspektivwechsel.
- Fragen Sie verschiedene Aspekte der Barrierefreiheit ab und geben Sie Hilfestellung bei der Beseitigung. Materialien wie Checklisten und Anleitungen finden Sie auf den Seiten „Barrierefreiheit“ und „Öffentlichkeitsarbeit“.
- Vermeiden Sie allgemeine Fragen an Einsatzstellen wie: „Sind Sie grundsätzlich bereit, mit Menschen mit Behinderung zusammenzuarbeiten?“. Das ist nicht hilfreich, da unklar ist: welche Behinderungen gemeint sind, wie eine Zusammenarbeit im Konkreten aussehen könnte und welche Barrieren bestehen. Gehen Sie lieber direkt auf Einsatzstellen zu: Hier interessiert sich jemand für ein Engagement bei Ihnen, könnte diese Person mal vorbei kommen…“?
- Weitere Infos: Leitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“, Seite 20-22.
Rechtsfragen im inklusiven Engagement
Manche Unsicherheiten und Vorbehalte sitzen tief und wiegen schwer. Vielleicht erleben Sie das auch in der ein oder anderen Situation mit Ihrem Team oder mit Einsatzstellen. Dem Team des bagfa-Inklusionsprojekts sind im Projektverlauf einige Fragen und Schilderungen von Alltagssituationen immer wieder begegnet, die Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen in Bezug auf ihre eigene Verantwortung sowie die Rechte von Freiwilligen mit Behinderungen bewegt haben. Die Handreichung „Obacht oder einfach machen? Rechtsfragen im inklusiven Engagement“ (Stand 2019) kann dabei helfen, bestehende Informationslücken zu füllen und damit die Handlungssicherheit im inklusiven Engagement für allen Beteiligten zu verbessern.
Engagement sichtbar machen – Vorbilder zeigen!
Persönliche Erfahrungsberichte von Engagierten, aber auch Berichte, Bilder oder Videos, die Menschen in ihrem Engagement zeigen, machen die vielen Möglichkeiten freiwilligen Engagements für Einsatzstellen sichtbar und zeigen: Inklusives Engagement gelingt und findet schon statt! Engagieren sich bei Ihnen vor Ort schon Menschen mit Behinderung und Sie wissen davon? Dann fragen Sie doch einmal an, ob sie oder er Lust hat, bei der nächsten Netzwerkrunde mit Ihren Einsatzstellen davon zu erzählen. Oder recherchieren Sie Beispiele für Engagements verschiedener Menschen in unterschiedlichen Einsatzfeldern und machen Sie diese sichtbar – zum Beispiel im Rahmen einer Info-Veranstaltung für Einsatzstellen zum inklusiven Engagement oder auch in persönlichen Gesprächen mit Freiwilligenkoordinator:innen. Wir haben ein paar Beispiele für Sie:
DEIN Engagement: MÜLL sammeln mit JAN KLEEN
LEGO RAMPEN bauen mit CARO
Ungehindert engagiert
Überall dabei Ehrenamt barrierefrei
Weitere Hinweise
Beratungsangebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB®)
Die Angebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB®) werden seit 2018 auf Grundlage des § 32 im neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Der Auftrag der EUTB® ist gemäß §32 SGB IX „die Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen…“. Das Beratungsangebot ist von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängig und ergänzt die bestehenden Beratungs- und Informationsangebote der Rehabilitationsträger sowie sonstiger Beratungsangebote. EUTB®-Angebote fungieren dabei als Lotsen im System. Im Beratungsatlas können Ratsuchende das für sie passende Angebot finden, zum Beispiel nach ihren örtlichen Präferenzen und auch nach besonderen Erfahrungen mit spezifischen Teilhabebeeinträchtigungen.
Bundesweit gibt es rund 500 EUTB®-Angebote, die zu allen Fragen der Rehabilitation und Teilhabe kostenlos beraten und informieren. Es handelt sich um ein niedrigschwelliges und kostenloses Angebot. Mit der Beratung soll die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen gestärkt werden (Empowerment), insbesondere durch die besondere Berücksichtigung der Beratungsmethode des Peer Counseling, der Beratung von Betroffenen für Betroffene. Ebenfalls ist die Beratung offen für Angehörige und ihnen nahestehende Menschen.
Dabei sind die Berater:innen in den EUTB®-Angeboten ausschließlich den ratsuchenden Personen verpflichtet und beraten „auf Augenhöhe“. Die EUTB® steht unter dem Leitprinzip „Eine für alle“. Dies bedeutet, dass Menschen unabhängig von der Art ihrer Teilhabeeinschränkung in jedem EUTB®-Angebot beraten werden können. Es gibt keine örtliche festgelegte Zuständigkeit der EUTB®-Angebote; die ratsuchenden Personen bestimmen und wählen selbst aus, an welches EUTB®-Angebot sie sich wenden.
Nähere Informationen finden Sie hier.