Öffentlichkeitsarbeit

Foto: Andi Weiland, Gesellschaftsbilder

Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Freiwilligenagenturen: Sie organisieren Veranstaltungen zum Start neuer Projekte, pflegen Webseiten und Social-Media-Kanäle, gestalten Flyer und andere Drucksachen, drehen Videos und einiges mehr. Wie Sie ihre Materialien gestalten, welche (Bild-)Sprache Sie wählen und in welcher Form Sie Dokumente veröffentlichen nimmt Einfluss darauf, wen Sie damit erreichen. Auf dieser Seite finden Sie Informationen, Arbeitshilfen und Beispiele aus der Praxis, die Aspekte einer vielfaltsbewussten, inklusiven Öffentlichkeitsarbeit in den Blick nehmen.

Vielfalt in Sprache und Bildern

Freiwilligenagenturen sind es gewohnt, Öffentlichkeitsarbeit für verschiedene Zielgruppen zu machen. Wenn Sie überlegen, wie Sie eine neue Zielgruppe gut erreichen können, machen Sie sich u.a. Gedanken darüber welche Wortwahl, welche Bildsprache und welche Medien besonders geeignet sind. Wir haben Vorschläge und Beispiele gesammelt, worauf Sie für eine vielfaltsbewusste Sprache und Bildsprache in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit achten können.

Teilhabe durch Sprache

Sprache ist ein Schlüssel für Teilhabe. Man kann sagen: Je einfacher Sie Texte für Ihre Webseiten, Flyer und Co. formulieren, desto mehr Menschen können Ihre Informationen nutzen und verarbeiten. Das Prinzip der Einfachen Sprache hat sich in den vergangenen Jahren für die Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen bewährt. Auch für behinderte Menschen kann Sprache ein wichtiger Faktor für Teilhabe sein: Menschen mit Lernschwierigkeiten können Informationen in Leichter Sprache gut aufnehmen und verarbeiten; gehörlose Menschen nutzen für die Kommunikation in der Regel Gebärdensprachen. Wenn Sie mit Ihrer Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit neue Zielgruppen erreichen möchten, sollten sie den Faktor Sprache also nicht außer Acht lassen.

Weiterführende Informationen zu Gebärdensprache, Einfacher Sprache und Leichter Sprache finden Sie im Themenbereich Beratung und Vermittlung. Dort können Sie außerdem Materialien wie Info-Texte zu freiwilligem Engagement und der Arbeit von Freiwilligenagenturen in Leichter Sprache direkt herunterladen.

(Bild-)Sprache ohne Klischees und Stereotype

Teilhabebarrieren entstehen auch durch einseitige Sprachbilder, diskriminierende Floskeln und Klischees in der Darstellung von Menschen mit Behinderung. Immer noch finden sich in Medienberichten regelmäßig Formulierungen wie „Person XY meistert das Leben trotz Behinderung“ oder „ist an den Rollstuhl gefesselt“. Sind Sie darüber schon einmal beim Lesen gestolpert? Überprüfen Sie Ihre Sprachbilder am besten einmal selbst. Und wenn Sie schon dabei sind, dann gucken Sie sich auch gleich Ihre Bildauswahl für Ihre Flyer, Webseiten, Broschüren etc. an. Bilden Sie die Vielfalt im Engagement ab, die Sie sich wünschen?

Das Projekt Leidmedien.de und die Fotodatenbank Gesellschaftsbilder.de des Berliner Vereins Sozialhelden e.V. klären auf, wie diskriminierungsfreie Sprache und Bildberichterstattung über Menschen mit Behinderung geht. Der Leitfaden Behinderung in den Medien. Tipps von Leimedien.de enthält knapp zusammengefasste Infos zu den Projekten und zeigt konkrete Beispiele auf.

Beispiele aus Freiwilligenagenturen

Anhand einer Auswahl möchten wir Ihnen zeigen, auf welche Weise Kolleg:innen aus Freiwilligenagenturen im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit verschiedene Aspekte inklusiver Sprache und Bildsprache in ihrer Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt haben.

Die Freiwilligenagentur Anpacken mit Herz hat auf Ihrer Webseite eine Unterseite „Leichte Sprache“ eingerichtet. Darauf sind unter anderem aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Terminen sowie eine Erklärung zum freiwilligen Engagement und zur Arbeit der Freiwilligenagentur in Leichter Sprache veröffentlicht. Die Unterseite ist von der Hauptseite aus gut zu finden, dank der Einbettung des allgemeingültigen Symbols für Leichte Sprache. Die auf der Webseite integrierten Bilder zeigen Vielfalt im Engagement und unter den Engagierten.

Die Freiwilligenagentur Sternenfischer hat im September 2020 das Alpha-Siegel erhalten, ein Qualitätssiegel des Grund-Bildungs-Zentrums Berlin. Es besiegelt, dass Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten die Angebote von Sternenfischer nutzen können. Auf der Webseite gibt es z.B. Texte in Einfacher Sprache. Zudem haben die Kolleg:innen der Frühjahrsausgabe 2019 ihres Magazins STERNENZEIT den Fokus „Engagierte Menschen – mit und ohne Behinderung“ gegeben. Die Ausgabe zeigt in Portraits und Interviews die Vielfalt der engagierten Menschen im Bezirk.

Die Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V. hat in ihrem Projekt „Überall dabei – Ehrenamt barrierefrei“ unterschiedliche Flyer für und mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen entwickelt: Einen Projektflyer in Einfacher Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten, einen für Menschen mit Hörbehinderung und einen für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Jeder Flyer orientiert sich in Sprache und Bildern an individuellen Bedürfnissen der Zielgruppen. Informationen über die weiteren Angebote und Materialien des Projekts können Sie im Leitfaden Überall dabei – Ehrenamt barrierefrei nachlesen.

Webseiten und digitale Medien

Die Pflege einer eigenen Website gehört für Freiwilligenagenturen zum Standard. Insbesondere die redaktionelle Pflege von Webseiten zählt oftmals zu den regelmäßigen Aufgaben hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter:innen. Beim Einstellen einer neuen Veranstaltung, dem Hochladen einer Pressemitteilung mit Fotos vom letzten Freiwilligentag oder des brandneuen Jahresberichts im PDF-Format können Sie dafür Sorge tragen, dass die Inhalte Ihrer Website für möglichst viele Menschen wahrnehmbar und nutzbar sind. Informationen und Anleitungen für die barrierefreie Gestaltung und Veröffentlichung von Textdokumenten, Bildern und Videos haben wir hier für Sie gesammelt.

Auch wenn wir uns hier eigentlich auf den Content konzentrieren wollen: Wenn Sie einmal checken möchten, wie es um die Barrierefreiheit Ihrer Webseite bestellt ist, dann klicken Sie hier für den Schnelltest für Ihre Webseite der Aktion Mensch.

In puncto Barrierefreiheit von Texten, Bildern und Videos empfehlen wir für den Einstieg das Webinar „Barrierefreies Internet – Texte, Bilder, Videos“ und die Checkliste “Kurzeinstieg: Barrierefreiheit für Webredakteure”. Beide Angebote wurden vom Team des BIK für alle erstellt und veröffentlicht. Wer etwas tiefer einstiegen möchte, findet im online-Leitfaden „Barrierefreiheit umsetzen“ mehr Infos.

Barrierefreie Dokumente

PDF-Dokumente gehören zur Routine in der Online-Kommunikation. Einladungen zu Veranstaltungen werden mit dem Programm als PDF-Datei im Anhang versendet, das Leitbild der Organisation als PDF auf der Website veröffentlicht, etc. Für blinde Menschen, die diese Dokumente mit einem Screenreader lesen, müssen sie beispielweise eine festgelegte Struktur haben, damit das Lesen problemlos klappt. Gleiches gilt übrigens für Webseiten. Auf der Website www.einfach-fuer-alle.de stellt Aktion Mensch e.V.  eine Anleitung für die Gestaltung barrierefreier PDF-Dokumente zur Verfügung.


Barrierefreie Videos

Videos sind nicht erst seit dem Smartphone beliebte Formate um z.B. Projekte vorzustellen, Statements zu veröffentlichen oder besondere Aktionen zu dokumentieren. Untertitel, Gebärdensprache und Audiodeskription machen Videos für eine breite Öffentlichkeit nutzbar. Auf der Website des Projekts BIK für alle ist ein online-Leitfaden für das Erstellen barrierefreier Videos eingestellt. Die Anleitung enthält Informationen und Tipps für den gesamten Prozess von der Konzeption des Videos bis zur nachträglichen Audiodeskription und der Untertitelung mit Youtube.

Eine kompakte Anleitung stellt die Aktion Mensch im Beitrag 4 Tipps für dein barrierefreies Video zur Verfügung – inklusive eines kostenfreien barrierefreien Videoplayers.

Unser Tipp: Lassen Sie sich zur Simultanübersetzung in Deutsche Gebärdensprache in Ihren Videos beraten, z.B. von Berufsverbänden der Gebärdensprachdolmetscher:innen.

Beispiele aus der Praxis: Videos von Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen

Die folgenden Videos wurden zu verschiedenen Anlässen und in unterschiedlichen Projekten von Kolleg:innen aus Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen produziert. Sie zeigen, wie Audideskription, Untertitelung und Simultanübersetzung in Deutsche Gebärdensprache in Videos umgesetzt werden können.

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Barrierefreiheit und Diversität bei Veranstaltungen

Freiwilligenagenturen führen regelmäßig Veranstaltungen durch. Freiwilligentage, lokale Engagementbörsen, Fortbildungen, Netzwerktreffen, Anerkennungsformate und viele mehr. Mit Ihren Veranstaltungen stellen Sie Bewusstsein für die eigenen Themen, Positionen und Projekte her und machen ihre Arbeit für die Öffentlichkeit sichtbar. Denken Sie auch bei Ihren Veranstaltungen Barrierefreiheit und Diversität von Beginn an bei der Planung mit. Am besten planen Sie direkt mit den Menschen gemeinsam, die Sie gerne als Beteiligte erreichen und dabeihaben möchten. Stichwort: Nichts über uns, ohne uns!

Kurzformel für Barrierefreiheit: Hinkommen, Reinkommen, Klarkommen

Die Kurzformel „Hinkommen, Reinkommen, Klarkommen“ hat sich in der Praxis als nützliche Orientierung für die inklusive Veranstaltungsplanung erwiesen. Sie beschreibt, dass die Barrierefreiheit in allen Phasen von Veranstaltungen mitgedacht und geplant werden sollte: von der Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld über die Anreise und Nutzbarkeit der Räume, die Kommunikation vor Ort bis zur Dokumentation zum Anschluss. Folgende Checklisten und Anleitungen zeigen Ihnen, woran Sie bei der inklusiven Veranstaltungsplanung denken sollten.   

Unser Tipp: Kurzchecks für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei Veranstaltungen für verschiedene Zielgruppen finden Sie im Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf Seite 38 und 39.

Checklisten und Anleitungen für barrierefreie Veranstaltungen

Wer spricht mit? Vielfaltsbewusste Programmplanung

Menschen mit Behinderung sind auf Bühnen, Podien und als Referent:innen in Workshops bisher kaum präsent. Und wenn doch, dann werden Sie meist als Expert:innen für die Themenblase „Behinderung und Inklusion“ angefragt und eingeladen. Fragen sie sich also bei der Planung Ihrer nächsten Veranstaltungen auch, wie vielfältig die aktiven Rollen besetzt sind. Auf der Seite www.ramp-up.me haben Ruby Berlin e.V. und der Sozialhelden e.V.  im Bereich Programm Tipps für die Recherche von Referent:innen nach verschiedenen Diversitätsmerkmalen veröffentlicht. Wir möchten ergänzend noch folgende Seiten empfehlen:

Barrierefreiheit bei Online-Veranstaltungen

2020 ist für viele zum Jahr der Zoom-Konferenzen und online-Veranstaltungen geworden. Von der kleinen lokalen Netzwerkrunde bis zum großen Fachkongress – viele Veranstaltungsformate wurden ins Digitale übertragen. Hier tut sich auch für Freiwilligenagenturen ein großes Lernfeld auf. Zur Barrierefreiheit von Online-Veranstaltungen gibt es bisher keinen deutschsprachigen Leitfaden. Domingos di Oliveira spricht in seinem Video Barrierefreiheit bei online-Veranstaltungen – das können Sie tun über Teilhabebarrieren und mögliche Lösungen. Auf seiner Webseite netz-barrierefrei.de hat er einen ersten Leitfaden veröffentlicht, den er nach neuen Erkenntnissen stetig aktualisiert: Barrierefreiheit bei online-Veranstaltungen – das können Sie tun!

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Anleitungen für Videokonferenz-Tools in Leichter Sprache:

Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg hat zudem zwei Anleitungen in Leichter Sprache zum Thema Videokonferenzen mit Jitsi erstellt und veröffentlicht, die Sie hier als PDFs herunterladen können:

Hier finden Sie außerdem eine Anleitung zur Benutzung von Zoom am Handy, ebenfalls in Leichter Sprache:

Anleitung: Wie benutzt man das Programm Zoom am Handy?