Kooperationen

Foto: Uwe Zucchi

In den Bereichen Flucht und Migration ist ein breites Spektrum an Organisationen und Initiativen tätig – Beratungseinrichtungen, selbstorganisierte Nachbarschaftsinitiativen, Unternehmensstiftungen, Flüchtlingsräte, Wohlfahrtsverbände, religiöse Gemeinden, Migrantenselbstorganisationen, kommunale Verwaltungen u.v.m.

Jede Organisation verfügt über Know-how, Erfahrungen, Netzwerke, Ressourcen und Ideen, die eine Zusammenarbeit sinnvoll machen können. Wie bei jeder Kooperation sollte am Anfang Zeit investiert werden, um zu überprüfen, wie die oft sehr unterschiedlichen Werte, Ziele und Arbeitsweisen zusammengebracht und die Kooperationen gestaltet werden können. Dass sich die Investition lohnt, zeigt eine Umfrage der bagfa aus dem September 2015. Rund 70 Prozent der Freiwilligenagenturen gaben an, dass die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und auch mit der Kommune gut bis sehr gut sei.

Wie startet man eine Kooperation?

Zunächst sollte man sich mit den wichtigsten Akteuren vor Ort vertraut machen. Freiwilligenagenturen sind alleine durch ihr Vermittlungstätigkeit oft sehr gut mit anderen gemeinnützigen Trägern vor Ort vernetzt, hier können sich schon mögliche Kooperationen empfehlen.

Die Wahl der Kooperationspartner sollte strategisch angegangen werden. Also: Mit wem, mit welchem Ziel und mit welchem Nutzen kooperiert die Freiwilligenagentur? Interessant könnte es sein, zu versuchen, eine neue, ungewohnte Mischung an Kooperationspartner:innen zu gewinnen, um so neben dem Lerneffekt auch neue Netzwerke und Ressourcen zu erschließen. So können etablierte und junge Akteure, migrantische und nicht migrantische Organisationen, Einrichtungen mit möglichst unterschiedlichen Netzwerken und Erfahrungen wie z.B. eine Freiwilligenagentur und ein Flüchtlingsrat oder Gemeinden unterschiedlicher Religionen kooperieren. Gerade die Geflüchtetenarbeit bietet die gute Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Ein wichtiger Akteur: Die Kommune

Die Kommunen gestalten in der Regel die wichtigsten Rahmenbedingungen für Geflüchtete vor Ort und sind daher wichtige Kooperationspartner:innen in der Flüchtlingsarbeit. Dies betrifft sowohl die politische Vertretung als auch die Verwaltungsebene. Wie man in der Kommune „zum Thema wird“, zeigt der bagfa-Leitfaden „Thema werden: Politische Netzwerkarbeit und Interessenvertretung von Freiwilligenagenturen.“ (PDF) auf.

Die Untersuchung „Zivilgesellschaftliche Akteure und die Betreuung geflüchteter Menschen in deutschen Kommunen“ im Jahr 2016 hob die Kooperation als grundlegende Basis der Flüchtlingshilfe hervor: „Entscheidend… ist die Zusammenarbeit aller Akteure. Dabei gibt es markante Unterschiede zwischen einer ‘anonymen’ Großstadt und einem Landkreis, in dem vieles über direkte Kontakte geregelt wird. Der Wille und die Bereitschaft zur Kooperation ist dennoch ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor.“

Die Studie „Lokale Flüchtlingshilfe, nachhaltige Integrationsmaßnahmen vor Ort und Identität stiftendes Quartiersmanagement“ (PDF) der Konrad-Adenauer-Stiftung listet viele lokale Beispiele auf.

Informationen zur Situation vor Ort

Vor Ort kann sich die Situation sehr unterschiedlich gestalten, zum Beispiel bezüglich der Zahl der Geflüchteten, ihrer Unterbringung oder den haupt- und ehrenamtlichen Unterstützungsstrukturen. Viele Kommunen veröffentlichen auf ihren Internetauftritten die aktuellen Zahlen und Fakten zur Flüchtlingssituation vor Ort, zum Beispiel in Bonn oder Köln. Ebenso können lokale Flüchtlingsräte und Asyl-Beratungsstellen gute Recherchequellen sein.

In einigen Städten haben sich Netzwerke gebildet, die Informationen zur Struktur und den Anlaufstellen der haupt- und ehrenamtlichen Geflüchtetenhilfe veröffentlichen. Ein Beispiel ist die Seite wiku-koeln.de, die – gefördert von der Stadt Köln – eine gute lokale Übersicht bietet.