Foto: EhrenamtsAgentur Weimar

Freiwilligenagenturen als Gesellschafts­gestalterinnen

Wie fühle ich mich als Mitglied einer Gesellschaft? Indem ich sie (mit)gestalte! Und hier kommen Freiwilligenagenturen in’s Spiel: Durch sie können sich Menschen mit Fluchterfahrung engagieren und aktiv als Mitredende, Mitplanende und Impulsgebende eine vielfältige Gesellschaft gestalten.

Mögliche Aufgaben einer Freiwilligenagentur

Auseinandersetzung mit der Zielgruppe der (potenziell) Engagierten

Erste Zielgruppe von Freiwilligenagenturen sind Menschen, die sich in der ehrenamtlichen Geflüchtetenarbeit engagieren (wollen). Es gibt diverse Studien, die die Motive und Motivationen von Engagierten untersucht haben und wertvolle Hilfe bei der Ansprache und Begleitung sein können:

Auseinandersetzung mit der Zielgruppe „Menschen mit Fluchterfahrung“

Was eint eine aus Afghanistan geflüchtete Ärztin und einen aus dem Kongo geflüchteten Landwirt? Vermutlich wenig bis nichts, außer der Erfahrung einer Flucht und des Ankommens in Deutschland. D.h., die Zielgruppe „Menschen mit Fluchterfahrung“ ist ebenso divers wie die Zielgruppe „Menschen ohne Fluchterfahrung“. Freiwilligenagenturen sollten dementsprechend ihre Zielgruppe genauer bestimmen und sich Basiswissen über die Motive, Zugangswege und Bedarfe ihrer neuen Zielgruppe verschaffen.

Lesetipps:

Engagement ist zudem eine wunderbare Gelegenheit, Menschen zusammen zu bringen, so dass die Frage des Fluchthintergrundes Nebensache wird. Ein Beispiel ist das PulsCAMP Bremen, zu dem die Freiwilligen-Agentur Bremen dreimal jährlich Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung zum gemeinsamen Engagement einlädt.

Beschäftigung mit dem Prozess der Vielfaltsorientierten Organisationsentwicklung

Hilfreich können Materialien der bagfa sein, die extra für Freiwilligenagenturen konzipiert wurden:

 

Sowie weitere Materialien für gemeinnützige Organisationen:

Dolmetscher:innen-Projekte – beste Beispiele für Engagementprojekte entlang der Kompetenzen und Interessen von Menschen mit Fluchterfahrung

Menschen mit Fluchthintergrund sind mehrsprachig, selber einmal in Deutschland eingereist und kennen das Leben in unterschiedlichen Ländern – die besten Voraussetzungen für ehrenamtliches Dolmetschen. Zeitgleich ist der Bedarf nach ehrenamtlichen Sprachmittler:innen sehr groß, da es keinen rechtlichen Anspruch auf Dolmetscher:innen beim Arzt, im Krankenhaus, auf dem Amt und in ähnlichen Alltagssituationen gibt.

Mehrere Freiwilligenagenturen haben aus diesem Bedarf und dem zeitgleich hohen Engagementinteresse heraus ehrenamtliche Sprachmittler:innenpools aufgebaut. So z.B. die Kölner Freiwilligen Agentur e.V. mit „Babellos“, einem Projekt, über das sich größtenteils Menschen mit Fluchterfahrung engagieren.

Freinet, eine von vielen Freiwilligenagenturen genutzte Online-Datenbank, hat eine spezielle Matching-Datenbank für ehrenamtliche Dolmetscherdienste entwickelt, die den Prozess der Vermittlung stark vereinfacht. Bei der Stadt Regensburg und in Köln sind diese schon in Gebrauch.

Da Dolmetschen sehr herausfordernd ist – es geht so gut wie immer um wichtige Themen – und sehr verantwortungsvoll – die engagierte Person ist die einzige in einer Dreierkonstellation, die alle Seiten versteht, empfehlen sich Qualifizierungen und eine gute Begleitung der Freiwilligen.

Eine gute Basis bieten dafür folgende kostenlose Veröffentlichungen:

 

Das Engagement kann durch die Teilnahme der sprachmittelnden Person über Video erleichtert werden. Tipps dazu gibt die Handreichung “Videodolmetschen in Beratungsstellen” von pro familia Bundesverband (PDF, 2019).

Eine fundierte Übersicht über verschiedene Veröffentlichungen mit Handlungsempfehlungen und Standards bietet die Broschüre “Zusammenarbeit mit Sprachmittler*innen in der psychosozialen Beratung” – pro familia Bundesverband, (PDF, 2019).

Die Kölner Freiwilligen Agentur hat zudem eine Übersicht angelegt zum Ehrenamtlichem Sprachmitteln in der Geflüchtetenarbeit

Reflektion der deutschen (Alltags-)kultur:

Dazu eignen sich unter anderem:

Vernetzung mit Organisationen und Initiativen von Menschen mit Fluchterfahrung

Zum Beispiel Organisationen, die Menschen mit Fluchterfahrung selbst aufgebaut haben, in den sie aktiv sind oder die sie als Zielgruppe ansprechen.

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Mehr Informationen

Lesetipp: Praxishandbuch “Vielfalt fördern. Teilhabe durch bürgerschaftliches Engagement” von der lagfa bayern

„Wir setzen uns dafür ein, dass jede:r ein Recht auf soziale Teilhabe im Engagement haben soll“, sagt die lagfa bayern e.V. In ihrem Praxishandbuch „Vielfalt fördern“ zeigt sie, wie dieses Recht auch umgesetzt werden kann. Das Buch zeigt Wege zur engagierten Teilhabe und enthält „Inspirationen und Tipps für Freiwilligenprojekte von, für und mit Migrant:innen“.

Das Handbuch ist online hier zugänglich, die lagfa bayern e.V. verschickt auf Anfrage aber auch Printexemplare.