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Digitale Öffentlichkeitsarbeit

Ist Facebook noch angesagt? Müssen wir jetzt zu TikTok? Liest überhaupt jemand unseren Newsletter? Im Bereich der digitalen Öffentlichkeitsarbeit ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Klar ist auch: Gute Kommunikation nach außen ist für Freiwilligenagenturen enorm wichtig – schließlich haben sie viel zu erzählen, möchten für das Thema bürgerschaftliches Engagement werben und natürlich ganz konkret Menschen ermuntern, sich zu engagieren.

Inhalt

Zielgruppen und Storytelling

Communication is key

Aber der Schlüssel zu was eigentlich? Das Ziel von Freiwilligenagenturen ist es, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, mit allen vorstellbaren Hintergründen und in diversen Lebensphasen zu erreichen und für Engagement zu begeistern – möglichst inklusiv also.

Aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit ist das eine gar nicht so unproblematische Ausgangslage – denn wie kann man Kommunikationsmaßnahmen passgenau gestalten, wenn die Zielgruppe “alle” lautet? Sehr schwierig. Deshalb lohnt es, sich ganz genau mit den eigenen Zielgruppen auseinanderzusetzen. Meist richten sich Angebote, Projekte und Formate von Freiwilligenagenturen letztlich doch an konkreter eingrenzbare Gruppen, sodass die externe Kommunikation an dieser ausgerichtet werden kann.

Kommunikation ist also der Schlüssel, mit dem wir das Tor unserer Organisation für unsere Zielgruppen aufschließen. Wie viele Menschen dann tatsächlich durch das Tor gehen, also auf die Kommunikation reagieren, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab. Einer ist sicherlich die Art und Weise, wie Inhalte und Geschichten transportiert und erzählt werden (Stichwort Storytelling – siehe unten).

Übrigens: Die meisten Dinge, die für die allgemeine Kommunikation gelten, gelten auch für die Kommunikation über digitale Kanäle!

Warum kommunizieren wir überhaupt nach außen?

  • Zielgruppe(n) besser erreichen
  • Freiwillige und Mitstreiter:innen gewinnen
  • Fundraising & Reporting an Fördermittelgeber:innen
  • Austausch mit Zielgruppe(n) und anderen Akteuren/Netzwerken

Was sind Vorteile digitaler Kommunikation?

  • Erreichen neuer, diverser Zielgruppen
  • Schnellere Reaktionsfähigkeit & bessere Erreichbarkeit
  • Direkter Austausch mit relevanten Akteuren, niedrigschwelliges Networking
  • Bessere Wirkungsmessung und Evaluation

Was sind die Besonderheiten in der Kommunikation von Freiwilligenagenturen?

  • Wir können gute und positive Nachrichten kommunizieren.
  • Wir können Geschichten von Menschen erzählen.
  • Wir haben ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen.
  • Wir wirken lokal.
  • Wir haben verschiedene Zielgruppen.
  • Wir haben ein diverses Themenspektrum.

Zielgruppen

An erster Stelle steht immer die Frage: Was ist das Kommunikationsziel? Je nachdem wie diese Frage beantwortet wird, wird sich der Charakter der Kommunikation verändern.

Wollen Sie mehr Aufmerksamkeit von den Zielgruppen? Mit einer bestimmten Gruppe in Austausch und Dialog treten? Fördermittelgeber oder potentielle Spender:innen überzeugen? Legen Sie ganz konkret fest, was Sie mit der Kommunikation erreichen möchten!  

Die genaue Auseinandersetzung mit den Zielgruppen sollte ebenfalls am Anfang jeder externen Kommunikation stehen. Bevor Sie eine bestimmte Maßnahme umsetzen, sollten Sie sich genau fragen, wen Sie damit erreichen möchten und über welche Kanäle dies überhaupt möglich ist.

  • Wen wollen wir erreichen?
  • Wo ist diese Zielgruppe unterwegs? Falls Online – auf welchen Kanälen?
  • Ist die Kommunikation dazu geeignet, die gewünschte Zielgruppe zu erreichen?

Eine hilfreiche Methode, sich die eigene(n) Zielgruppe(n) genauer vor Augen zu führen, ist das Erstellen von Personas. Dabei erstellt man ein Personenprofil (mit konkreten Eigenschaften), die dann stellvertretend für die jeweilige Zielgruppe steht. Die Persona kann dann immer wieder zur Reflexion herangezogen werden, ob eine Kommunikation zu der entsprechenden Zielgruppe passt. Zeichnen Sie sich die Persona ruhig auf und geben Sie ihr unbedingt einen Namen – so wird sie präsenter!

Fragen, die Sie sich stellen sollten, wenn Sie eine Persona erstellen:

Grafik: youvo e.V.

Zielgruppen

Wie bereits betont, bieten die Aktivitäten von Freiwilligenagenturen viele gute und positive Anlässe für externe Kommunikation. Besonders in der digitalen Welt erleben wir jedoch tagtäglich einen Überfluss an Meldungen und Inhalten verschiedener Formate (Nachrichten, Tweets, Posts, Videos, Stories etc. pp.). Da ist es natürlich nicht leicht, die eigenen Geschichten so zu platzieren, dass sie auch bei denjenigen hängen bleiben, die erreicht werden sollen. Damit das gelingt, kann das so genannte Storytelling hilfreich sein.

Definition Storytelling

Storytelling (dt. Geschichten erzählen) beschreibt eine Kommunikationsmethode zur Vermittlung von Informationen, Wissen, Werten, Meinungen etc. Dies kann über Sprache, Text, Bild oder Videos erfolgen. Dabei werden nicht emotionale Inhalte in Geschichten verpackt, um über die Geschichte Emotionen und Interesse bei Zuhörern, Lesern oder Betrachtern zu wecken. Storytelling wird immer stärker in der Zielgruppenansprache genutzt, um Informationen so interessant aufzubereiten, dass sie bei der Zielgruppe ankommen und im Gedächtnis bleiben. Quelle: Onlinemarketing Praxis

Storytelling dient demnach dazu, Empathie und Emotionen bei den Empfänger:innen zu wecken. Dafür ist es wichtig, die jeweilige Geschichte möglichst niedrigschwellig zu erzählen und Komplexität zu reduzieren. Hinter der Idee des Storytelling steht die Erkenntnis (und diese ist für die Zivilgesellschaft natürlich besonders wichtig), dass Menschen lieber andere Menschen unterstützen als große Organisationen oder Verbände.

Tipps für gutes Storytelling:

  • Spannenden Einstieg wählen, der neugierig macht (Frage, Zitat, etc.).
  • In kurzen, prägnanten Sätzen formulieren.
  • Stimmungen transportieren.
  • Beteiligte zu Wort kommen lassen.
  • Zeitgeist und Trends beachten.
  • Übersichtliche Absätze, Zwischenüberschriften.
  • Abkürzungen erklären.

Checkliste für gutes Storytelling:

  • Welche Öffentlichkeit möchten wir ansprechen? (Jugendliche, Eltern, Sponsoren etc.)
  • Welche Geschichten wollen wir erzählen?
  • Was muss bekannt sein, um die Geschichte zu verstehen?
  • Können wir (Lern-)prozesse sichtbar machen?
  • Kommunizieren wir emotional (Zitate, Fotos)?
  • Beziehen wir unsere Zielgruppe mit ein?
  • Gibt es einen Call-to-Action (eine Option direkt zu reagieren/zu handeln)?

Hilfreiche Regeln und Tipps zum Thema „(Kern)-Botschaften formulieren“ finden Sie auch im bagfa-Leitfaden “Bekannter werden. Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligenagenturen” auf den Seiten 4 und 5.

Hier finden Sie außerdem eine hilfreiche Anleitung, wie Sie speziell als Freiwilligenagentur passende Geschichten “erkennen, ausgraben und nutzen” können. (Das Dokument ist ein Auszug aus der Dokumentation zum bagfa Innovationspreis 2015).

  1. Eine:n Haupt-Verantwortliche:n im Team für die externe Kommunikation festlegen (dennoch können und sollten konkrete Aufgaben natürlich auf mehrere Schultern verteilt werden). 
  2. Grundwerte der Kommunikation festlegen (z.B. Inklusion, Diversität) und Art der Ansprache je nach Medium und Zielgruppe definieren (Du/Sie?).
  3. Die Öffentlichkeitsarbeit bereits früh in der Projektplanung mitdenken. Externe Kommunikation sollte nicht bloß nebenbei laufen, sondern mit konkreten Zeitbudgets und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.
  4. (Digitale) Kommunikation organisch in den Alltag einbinden, passende Anlässe nutzen.
  5. Visuelle Kontinuität wahren (möglichst die gleichen Farben, Schriften etc. in allen Medien verwenden, Stichwort Corporate Identity).

Die Website als digitales Aushängeschild

Eine Website ist das digitale Aushängeschild jeder Freiwilligenagentur und gehört weiterhin zum Mindeststandard in der externen Kommunikation.

Die zentralen Funktionen einer Website sind:

  • Informationen und Neuigkeiten vermitteln
  • Kontaktmöglichkeiten bieten
  • Interaktionsraum schaffen
  • Transparenz und Vertrauen herstellen

 

Die Websites von Freiwilligenagenturen sind oft ähnlich aufgebaut – die übergeordneten Menüpunkte richten sich meist nach den Hauptzielgruppen und Aktivitäten: zum Beispiel “Für Freiwillige”, “Für Organisationen” und “Für Unternehmen” sowie “Projekte”, “Aktuelles” und/oder “Termine”.

Je nach Trägerkonstellation gibt es jedoch auch große Unterschiede. Das beginnt, schon damit, wo die Website der Freiwilligenagentur überhaupt zu finden ist. Ist eine Freiwilligenagentur beispielsweise in kommunaler Trägerschaft, hat sie meist einen untergeordneten Bereich auf der Website der Stadt/Kommune etc. zur Verfügung und muss sich entsprechend an deren gestalterische Vorgaben halten.

Je nach Ausgangslage ergeben sich demnach sehr unterschiedlich große (oder eben kleine) Spielräume, was die Ausgestaltung einer Website betrifft. Freiwilligenagenturen in freier Trägerschaft haben hier oft den Vorteil, sich individueller und kreativer ausleben zu können und den Gestaltungsrahmen für ihre Website selbst zu bestimmen.

Was schon im Allgemeinen für die Öffentlichkeitsarbeit gilt, ist natürlich auch für die Erstellung und Pflege einer guten Website zentral: Planen Sie genug Ressourcen ein und und holen Sie sich ggf. professionelle Unterstützung an Bord. Obwohl WordPress und Co mittlerweile auch für Laien ohne Programmierkenntnisse gute Möglichkeiten bieten, eigene Website zu erstellen und zu betreuen, ist vor allem bei größeren Vorhaben professioneller Support unerlässlich. Fehlt ein:e eigene:r Programmierer:in und oder eine:n Designer:in im Team, sollten diese von außen herangezogen werden, bei Neugestaltung oder Relaunch einer gesamten Website ist natürlich auch die Zusammenarbeit mit einer Agentur sinnvoll. Um die Inhalte auf der Website immer aktuell zu halten, sollte es mindestens eine Person im Team geben, die neue Inhalte selbst und möglichst ohne große Umstände einpflegen kann (Anbieter wie zum Beispiel WordPress machen genau das möglich und mit ein wenig Übung findet man sich hier tatsächlich schnell zurecht).

Was macht eine gute Website aus?

Eine gute Website ist zunächst einmal übersichtlich und klar strukturiert. Die Besucher:innen sollten möglichst direkt und ohne Umwege zu den für sie relevanten Inhalten gelangen können. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ein gut durchdachter Aufbau und eine nachvollziehbare Navigation sind aber tatsächlich das A und O von Websites, auf denen man sich gerne bewegt. Auch die Barrierefreiheit der Website profitiert davon. Einen Einstieg in das Thema mit konkreten Tipps

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für gute Websites ist die Aktualität. Mit regelmäßigen Meldungen oder Blogeinträgen zu Veranstaltungen oder Projekten macht die Freiwilligenagentur ihre Tätigkeiten nicht nur für die Öffentlichkeit transparent, sondern zeigt auch dass sie wirklich aktiv ist (nichts ist irritierender als eine Website, auf der der letzte Eintrag schon sechs Monate zurückliegt,… Gibt es die überhaupt noch?). Hierbei ist es sinnvoll, Neuigkeiten auf der Website auch über andere Kanäle zu verbreiten, denn es ist unwahrscheinlich, dass Ihre Zielgruppen ganz von selbst regelmäßig auf ihre Seite kommen. Über entsprechende Social Media Posts oder Hinweise in Ihrem Newsletter können Sie dafür sorgen, dass Ihre Meldungen auch gesehen werden und Nutzer:innen Ihre Website besuchen (“Traffic”).

Auch Kontaktmöglichkeiten (Telefonnummer, Mailadresse, Kontaktformular, Chat) sollten zentral und ohne langes Suchen auf einer jeder Website auffindbar sein und den Besucher:innen Lust machen, mit der Freiwilligenagentur in Kontakt zu treten.

Mobile first !(?)

Eine Frage der man im Rahmen des Digitalisierungs-Diskurses in der Zivilgesellschaft in den letzten Jahren immer wieder begegnet ist: Brauchen wir eine eigene App? Die Antwort lautet in den allermeisten Fällen: Nein. Denn der Programmier- und Wartungsaufwand ist hier sehr hoch und man sollte sich bewusst machen, wie groß (oder eben klein) die Community oder der Personenkreis letztlich wäre, der die Applikation tatsächlich regelmäßig nutzen und den Aufwand rechtfertigen würde. Wenn eine bestehende Community regelmäßig direkt erreichbar sein soll, kann sich eine im Baukasten-Prinzip entwickelte Engagement-App wie in der Freiwilligenagentur Magdeburg lohnen.

Sehr wichtig ist hingegen die Responsivität von Websites geworden. Hinter dem Begriff responsiv steht die Anpassung der Website-Darstellung auf verschiedenen (mobilen) Endgeräten. Eine gute Website ist responsiv gestaltet, sprich für mobile Geräte wie Smartphone und Tablet optimiert und kann auch dort problemlos angesehen und genutzt werden. Denn eine immer größere Zahl an Internetnutzer:innen surft ausschließlich auf dem eigenen Smartphone statt klassisch am PC oder Laptop. Daher sollten Inhalte stets auch oder gar vorrangig Mobil gedacht werden.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für gute Websites ist die Aktualität. Mit regelmäßigen Meldungen oder Blogeinträgen zu Veranstaltungen oder Projekten macht die Freiwilligenagentur ihre Tätigkeiten nicht nur für die Öffentlichkeit transparent, sondern zeigt auch dass sie wirklich aktiv ist (nichts ist irritierender als eine Website, auf der der letzte Eintrag schon drei Monate zurückliegt,… Gibt es die überhaupt noch?). Hierbei ist es sinnvoll, Neuigkeiten auf der Website auch über andere Kanäle zu verbreiten, denn es ist unwahrscheinlich, dass Ihre Zielgruppen ganz von selbst regelmäßig auf ihre Seite kommen. Über entsprechende Social Media Posts oder Hinweise in Ihrem Newsletter können Sie dafür sorgen, dass Ihre Meldungen auch gesehen werden und Nutzer:innen Ihre Website besuchen (“Traffic”).

Auch Kontaktmöglichkeiten (Telefonnummer, Mailadresse, Kontaktformular, Chat) sollten zentral und ohne langes Suchen auf einer jeder Website auffindbar sein und den Besucher:innen Lust machen, mit der Freiwilligenagentur in Kontakt zu treten.

Website Check

Deckt Ihre Website alle folgenden Aspekte ab?

  • Die Website ist gut über die gängigen Suchmaschinen auffindbar. (SEO – Suchmaschinenoptimierung)
  • Nutzen Sie eine eingängige URL (“Internetadresse”), die leicht zu Ihnen führt?
  • Das Design der Website passt zum Charakter der Freiwilligenagentur.
  • Kontaktmöglichkeiten sind schnell auffindbar.
  • Besucher:innen können sich leicht über aktuelle Neuigkeiten informieren.
  • Die Website hat eine übersichtliche Menüführung.
  • Die Website ist responsiv gestaltet.
  • Entspricht Ihre Website allgemeinen Vorgaben (z. B. Impressum vorhanden, Barrierefreiheit etc.)?

 

Es kann auch sehr hilfreich und aufschlussreich sein, die eigene Website von externen Personen anschauen und einschätzen zu lassen. Zur Anregung können folgende Fragen dienen: 

  • Welches Gefühl vermittelt die Startseite?
  • Versteht man mit wenigen Klicks, was wir anbieten und wie wir arbeiten?
  • Wie schnell findet man Kontaktmöglichkeiten zur Freiwilligenagentur?
  • Wie kann man sich über Neuigkeiten informieren?

Zum Weiterlesen:

 

Social Media richtig nutzen

Dient die klassische Website vor allem der Information, geht es bei Social Media explizit um wechselseitige Kommunikation mit Ihren Zielgruppen und um den Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen.

Ganz neue Menschen über Social Media zu erreichen ist zwar vergleichsweise schwierig, aber um für eine engere Bindung oder zur Aktivierung bestimmter Personenkreise zu sorgen, sind sie gut geeignet.

Vorteile von Social Media für Freiwilligenagenturen sind zum Beispiel:

  • Informations- und Inspirationsquelle
  • Legitimation der eigenen Aktivitäten durch Transparenz
  • Vernetzung und Austausch
  • Spielerisches Ausprobieren neuer Kommunikationsansätze
  • Persönliche Bindung zu Follower:innen
  • Unterhaltung
  • Möglichkeit, durch geteilte Inhalte neue Zielgruppen zu erreichen

Für Ihre Freiwilligenagentur ist die Nutzung von Social-Media sinnvoll, wenn Sie …

  • die Reichweite Ihrer Botschaften erhöhen wollen.
  • Transparenz schaffen wollen.
  • Geschichten zu erzählen haben.
  • junge Zielgruppen an sich binden wollen.
  • Netzwerkpflege betreiben möchten.
  • aktuelle gesellschaftliche Diskurse mitgestalten wollen.
  • potentielle Spender:innen und Förder:innen finden, binden und darstellen möchten.

Quelle: bagfa-Leitfaden “Bekannter werden. Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligenagenturen” Seite 24.

Die Besonderheiten sozialer Netzwerke:

Die Welt der sozialen Netzwerke verändert sich rasant. War es vor ein paar Jahren noch Snapchat, ist es aktuell die Plattform TikTok, auf der viele junge Menschen ihre Zeit verbringen.

Beim Thema Social Media ist es entscheidend zu wissen, auf welchen Kanälen die eigene Zielgruppe unterwegs ist und wen man auf diesem Wege überhaupt erreichen kann und möchte. Meist ergibt sich dann relativ schnell die Einsicht, dass Snapchat oder TikTok aktuell nicht unbedingt die Kanäle sind, über die Freiwillige und soziale Organisationen zu erreichen sind. Auch geht es hier erneut um die Ressourcenfrage – der Aufbau und die Bespielung von Social Media Kanälen ist zeitaufwändig und erfordert kontinuierlich Arbeitszeit. Daher lautet die Empfehlung: Weniger ist mehr! Da in den meisten Freiwilligenagenturen eher zu wenig als zu viele Ressourcen für externe Kommunikation und Social Media vorhanden sind, sollte unbedingt eine Auswahl der passenden Kanäle getroffen werden. Anstatt viele Kanäle nur unregelmäßig und oberflächlich zu bespielen, also lieber nur einen auswählen und dort auf Kontinuität und Qualität setzen.

Laut einer Kurzumfrage der bagfa (Oktober 2020) war die Mehrheit der Freiwilligenagenturen übrigens auf mindestens einem Social Media Kanal vertreten. Davon sind 98% bei Facebook, 48% bei Instagram und 33% bei YouTube (n=116). (Mehr zu den Ergebnissen der Kurzumfrage finden Sie hier).

Mittlerweile sind die meisten Freiwilligenagenturen auch auf Instagram aktiv. Die Foto- und Video-zentrierte Plattform hat in Deutschland im Jahr 2023 die Nutzer:innenzahlen von Facebook überholt. Doch Facebook bleibt vor allem durch seine Gruppenfunktion relevant für Freiwilligenagenturen und ist deshalb sicherlich auch ein guter Startpunkt für diejenigen, die mit dem Aufbau einer Social Media Präsenz starten wollen.

Auch LinkedIn erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Freiwilligenagenturen und verknüpft berufliche Netzwerke mit privaten – das kann besonders im Engagementkontext fruchtbar sein!

Ein wichtiger Tipp für alle Social-Media-Einsteiger:innen: Nutzen Sie die Plattform erst eine Weile mit einem eigenen Profil, bevor Sie ein professionelles Profil bespielen, um ein Gefühl für die Plattform zu bekommen.

Mehr Zahlen zur Social Media Nutzung in Deutschland finden sich in dieser Online-Studie.

Nebenstehend einige gute Beispiele für Facebook- und Instagram-Seiten von Freiwilligenagenturen, die regelmäßig bespielt werden und viele Anregungen enthalten, wie diese Kanäle genutzt werden können.

Freiwilligenagenturen auf Social Media:

Das Wichtigste auf einen Blick –  Facebook

  • viele andere Freiwilligenagenturen und Organisationen aus dem Bereich bürgerschaftliches Engagement vertreten
  • mittlerweile vor allem von älterer Zielgruppe genutzt
  • Erstellung von Facebook Gruppen und Veranstaltungen
  • Kommunikation in lokalen Gruppen erreicht zielgerichtet potentiell Interessierte
  • Verlinkung zu externen Inhalten einfach möglich
  • Möglichkeit, zielgenau kostenpflichtige Werbeanzeigen (“Ads”) zu schalten

Das Wichtigste auf einen Blick – Instagram

  • in erster Linie für die Nutzung über das Smartphone ausgelegt
  • multimedialer Content im Vordergrund (Fotos und Videos)
  • Instagram Stories (kurze Video-Sequenzen, die nach 24h automatisch gelöscht werden) erlauben auch weniger professionelles Bildmaterial
  • niedrigschwellige direkte Interaktionen mit Follower:innen durch Stories
  • jüngere Zielgruppe
  • direkte Verlinkungen zu externen Seiten möglich
  • Möglichkeit, zielgenau kostenpflichtige Werbeanzeigen (“Ads”) zu schalten

Foto: Gorgia de Lotz via Unsplash

Natürlich gibt es noch weitere Social Media Kanäle, die ebenfalls von sehr vielen Menschen genutzt werden, wie beispielsweise LinkedIn, YouTube, TikTok oder X und BlueSky.

Die erstmalige Erstellung eines Social Media-Profils ist meist schnell und leicht gemacht. Doch erst im nächsten Schritt wartet die eigentliche Arbeit: die gewünschte Zielgruppe zu erreichen und zu einer Interaktion zu bewegen. Fragen die Sie sich beim Aufbau eines neuen Social Media-Kanals unter anderem stellen sollten: Wie machen wir auf unser Profil aufmerksam und wie gewinnen wir Follower? Brauchen wir bezahlte Werbung?

Hier finden sich Tipps für einen Social Media Leitfaden für die eigene Organisation.

In jedem Fall sollten Sie hier bei Ihrem bisherigen Netzwerk beginnen und dieses auf Ihren neuen Kanal aufmerksam machen. Dies kann über die jeweilige Social Media Plattform selbst (z. B. in dem Sie zunächst selbst die wichtigen Akteure aus Ihrem Netzwerk abonnieren) geschehen und unbedingt auch über die Verlinkung des neuen Kanals auf Ihrer eigenen Website und in Ihrer E-Mail Signatur. Geben Sie die URL auch auf gedruckten Flyern und Postern an, posten Sie regelmäßig und verlinken Sie beteiligte Akteure.

Wenn Sie einen neuen Social Media Auftritt für Ihre Freiwilligenagentur planen oder noch mehr zum Thema erfahren möchten, empfehlen wir den Online-Kurs “Social Media für Vereine und soziale Initiativen” von erzähl davon. Dort gibt es neben Tipps zur Auswahl des richtigen Kanals auch praktische Hinweise & Tricks für gute Posts.

Konkrete Schritte zum Aufbau einer Facebook-Seite samt Checkliste finden Sie im bagfa Leitfaden “Bekannter werden. Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligenagenturen” ab Seite 23.

Eine übersichtliche Vorlage (“Canvas”) zum Ausdrucken finden Sie hier bei pluralog zum Download. Dort sind alle wichtigen Fragen rund um die Planung von Social Media Aktivitäten enthalten, die Sie vorab klären und beantworten sollten.

Social Media in der Praxis

Egal ob sie gerade einen neuen Social Media Kanal aufbauen oder schon länger dabei sind – hier einige Aspekte, Anregungen und Erinnerungen für den Alltag in der Öffentlichkeitsarbeit.

#1 Klare Ziele setzen und diese immer wieder reflektieren: Was möchten wir mit dem jeweiligen Social Media Kanal erreichen? Wer ist unsere Zielgruppe und was interessiert sie? Welche Art von Inhalten wollen und können wir transportieren? Erreichen wir diese Ziele?

#2 Verantwortlichkeiten klären und Regelmäßigkeiten festlegen: Wie oft und wann soll etwas gepostet werden? Wer übernimmt in Urlaubszeiten? Kann der:die Verantwortliche selbstständig entscheiden, was online gehen kann (Stichwort: Vier-Augen Prinzip)? Dabei sollten Sie sich auch bewusst sein, dass Social Media Plattformen keinen Feierabend machen bzw. Nutzer:innen auch abends oder nachts kommentieren, liken und Nachrichten schreiben. Wichtig ist, dass Sie intern Zeiten festlegen, an denen Sie redaktionell tätig werden. Eigenverantwortlicher Umgang mit der Ressource Zeit ist hier teamintern auch eine Form des ethischen Marketings.

#3 Redaktionsplan erstellen und Anlässe sammeln: In einem Jahresplan können feststehende Termine (Spendenübergabe, Jubiläum, Aktionsstart, Preisverleihung usw.) bereits vorab gesammelt und Posts vorbereitet werden. Wenn es nicht genug eigene Anlässe gibt, schauen Sie doch mal hier oder hier vorbei und erstellen einen Post zu einem der vielen kuriosen Feiertage. Auch kann es hilfreich sein, wiederkehrende Kategorien für Postings festzulegen (Foto der Woche, Freiwillige:r des Monats etc.).

#4 Interaktionsmöglichkeiten bieten: Formulieren Sie jeden Post möglichst so, dass er Anreize bietet, direkt darauf zu reagieren – zum Beispiel in dem Sie eine Frage stellen oder explizit zum Teilen auffordern. (Mehr zu guten Posts finden Sie im Abschnitt “Storytelling” weiter oben auf dieser Seite.)

#5 Schmunzeln erlaubt: Social Media wird von den meisten Menschen zur Unterhaltung und eher in Momenten der Freizeit genutzt. Posts mit Einblicken in den Arbeitsalltag einer Freiwilligenagentur oder auch mal ein lustiges Fundstück kommen daher besonders gut an und können zudem für mehr persönliche Bindung sorgen.

#6 Tonalität festlegen: Wie möchten Sie Ihre Zielgruppe(n) ansprechen? (Du oder Sie?) Meist ist in den sozialen Medien eine eher informelle Ansprache üblich.

#7 Multimedial kommunizieren: Auf den meisten gängigen Plattformen gehen Posts unter, die nur aus Text bestehen (X einmal ausgenommen, wobei auch hier das Teilen von Fotos und Videos mittlerweile dazu gehört). Trauen Sie sich auch ruhig selbst an die Smartphone-Kamera, egal ob Foto oder Video – kleine Wackler oder Versprecher werden bei kurzweiligen Formaten wie Instagram Stories definitiv verziehen.  

#8 Netiquette und Umgang mit Hasskommentaren: Wie gehen Sie mit Kritik oder (im schlimmeren Fall) mit Hate Speech oder einem Shitstorm um? Auch wenn Sie damit bislang selbst noch keine Erfahrungen machen mussten, sollten Sie sich für solche Fälle wappnen und eine Strategie oder explizite Guidelines entwickeln. Konkrete Tipps dazu finden Sie im Artikel “Erste Hilfe gegen Hass im Netz” von D3 so geht digital.  

#9 Selbst im Netzwerk interagieren: Wenn Sie sich mehr Reaktionen von anderen Akteuren wünschen, sollten Sie wiederum selbst aktiv werden und regelmäßig deren Posts kommentieren, liken oder teilen. So bleiben Sie aktiv und präsent.

#10 Authentizität gewünscht, Professionalität gefordert: Beiträge sind schnell mit dem eigenen Smartphone erstellt und geteilt. Dank besserer Handykameras, ChatGPT und freien Bildbearbeitungsprogrammen ist aber auch sukzessive das Niveau gestiegen bzw. sind hochwertige Inhalte nicht zwingend mehr eine Frage des Budgets. Daher wird man Sie auch mit anderen Profilen vergleichen und es empfiehlt sich, von Anderen zu lernen und eigene Routinen zu entwickeln.

Newsletter clever gestalten

Ein weiterer digitaler Weg, mit dem Freiwilligenagenturen ihr Netzwerk erreichen und dieses über ihre Tätigkeiten und Neuigkeiten informieren können, sind regelmäßige E-Mail Newsletter.

Wie bei allen anderen Kommunikationsmaßnahmen steht auch hier zu Beginn die Frage nach der primären Zielgruppe und den Inhalten, die über einen Newsletter sinnvoll transportiert werden können.

Ein Vorteil von Newslettern ist sicherlich, dass diese verglichen mit den sozialen Medien unabhängig von Algorithmen sind, die dort bestimmen, wem welche Inhalte überhaupt angezeigt werden. Ein Newsletter landet im Normalfall direkt im Postfach der Empfängerin und diese muss ihn nur noch öffnen. Was uns direkt zum nächsten Punkt führt… Sie sollten sich bewusst sein, dass die meisten Menschen täglich eine Vielzahl an Mails und Newslettern erhalten und nicht wenige deshalb ungeöffnet im digitalen Papierkorb landen. Doch das sollte nicht zu sehr abschrecken – wenn Sie ein paar Dinge beachten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr Newsletter auch tatsächlich gelesen wird:

  • Legen Sie einen sinnvollen Turnus fest, in dem der Newsletter erscheinen soll. Ob wöchentlich, monats- oder quartalsweise hängt natürlich stark vom jeweiligen Empfängerkreis ab.
  • Wählen Sie Ihre Betreffzeile mit Bedacht: Sie sollte das Interesse der Empfänger:innen wecken – allerdings sollten Sie dann auch halten, was Sie dort versprechen…
  • Fassen Sie sich kurz. Newsletter sind vor allem für kürzere Ankündigungen, Hinweise oder Empfehlungen sinnvoll – oftmals in übersichtlichen Blöcken angeordnet. Längere inhaltliche Abhandlungen eignen sich eher für andere Formate, wie Blogartikel, auf die Sie im Newsletter natürlich verlinken können.
  • Die grafische Darstellung sollte ansprechend und übersichtlich sein, vor allem gut lesbar auf allen mobilen Geräten. Bei den gängigen kommerziellen Newsletter-Anbietern gibt es meist kostenlose Templates und Vorlagen, die Sie nach Ihren Bedürfnissen anpassen können. Oder Sie lassen sich von einer Grafikerin ein eigenes Template gestalten, dass Sie dann in Ihr Newsletter-Programm importieren und mit Text befüllen können.

Einige gängige Newsletter-Tools finden Sie in unserer Toolbox. Diese ähneln sich zwar in der grundlegenden Funktionsweise, doch gibt es natürlich auch einige Unterschiede, insbesondere was die Kosten und den Datenschutz betrifft. Die meisten Anbieter können Sie bereits in der kostenlosen Variante ausführlich testen, was wir dringend empfehlen, bevor Sie sich für ein Tool entscheiden.

Auf der Seite EmailToolTester wurden viele Newsletter-Anbieter getestet und verglichen, ein genauer Blick lohnt sich.

Wenn Sie bereits einen Newsletter verschicken, aber sich nicht sicher sind, wie dieser bei ihren Zielgruppen ankommt, fragen Sie doch einfach mal nach! Mit einer kurzen digitalen Umfrage (in unserer Toolbox finden Sie Tools zur Erstellung von einfachen Umfragen) mit einigen konkreten Fragen lässt sich leicht herausfinden, was sich Ihre Empfänger:innen eigentlich von Ihrem Newsletter wünschen und wo es noch Verbesserungspotentiale gibt.

Mögliche Fragen könnten sein:

  • Wie gut gefällt Ihnen der Newsletter?
  • Lesen Sie den Newsletter regelmäßig?
  • Wie häufig sollte der Newsletter versendet werden?
  • Wie beurteilen Sie den Umfang unseres Newsletters? (zu kurz/genau richtig/zu lang)
  • Welche weiteren Inhalte wünschen Sie sich für den Newsletter?

Qualifizierungsangebote und Tipps für den Alltag

Information und Qualifikation

  • Im bagfa Leitfaden “Bekannter werden. Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligenagenturen” stecken viele Infos zur externen Kommunikation von Freiwilligenagenturen, die auch im Digitalen gelten.
  • Bei erzähl davon dreht sich alles um gute Kommunikation von Vereinen und sozialen Initiativen. Hier gibt es zum Beispiel kostenlose Online-Kurse mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten oder auch ausführliche Blogposts wie diesen: “Öffentlichkeitsarbeit mit 2h Zeit pro Woche”. Auch in einem Podcast werden hier regelmäßig interessante Aspekte der digitalen Öffentlichkeitsarbeit mit Expert:innen besprochen. Zu allen bisherigen Folgen gelangen Sie hier
  • Auf der Lernplattform “sozial lernt digital” von der betterplace academy finden sich viele verschiedenen Online-Fortbildungen und Webinare rund um Digitalisierung, darunter auch einige im Bereich Kommunikation. Hier finden Sie alle Kurse.
  • Auch auf D3 – so geht digital gibt es laufend neue Blogartikel, praktische Hacks für den ÖA-Alltag und Community-Veranstaltungen zu digitalen Themen.
  • Ausführliche Informationen, wie Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit inklusiv und barrierefrei gestalten können, finden Sie hier in unserer Themenwelt Inklusion.

Kostenlose Tools und Materialien

    • Das Online Programm Canva erfordert keine lange Einarbeitung und auch Design-Laien können relativ schnell einfache und ansprechende Grafiken erstellen. Die Nutzung ist sehr intuitiv und eine kostenlose Bilddatenbank ist praktischerweise integriert. Canva eignet sich z.B. für Social Media Posts, für Einladungen, aber auch für Flyer, Präsentationen und so weiter. Eine Einführung in das für gemeinnützige Organisationen kostenlose Tool gibt es hier.
    • Nicht immer hat man ausreichend eigenes gutes Fotomaterial zur Hand. Dafür gibt es mittlerweile viele verschiedene, oftmals sogar kostenlose Bilddatenbanken, auf deren Fotoarchive man zugreifen kann. Empfehlenswert ist insbesondere die Datenbank Gesellschaftsbilder (für inklusives Bildmaterial). Auch auf Unsplash, wo eine große Community aus Fotograf:innen aus aller Welt ihre Arbeiten zur freien Verfügung stellt, oder bei Pixabay wird man meist schnell fündig. Wichtig hier: Beachten Sie unbedingt die Lizenzierung der Fotos – oft (aber nicht immer) sind die Fotos (oder eine bestimmte Auswahl) für redaktionelle Zwecke kostenlos und ohne Nennung der Quelle nutzbar (Tipp: Nennen Sie den oder die Fotograf:in trotzdem).
    • Auch mit Icons lassen sich digitale Inhalte wie Websites oder Präsentationen visuell aufpeppen. Viele kostenlose Icons gibt es zum Beispiel bei Font Awesome, bei Flaticon oder bei Iconmonstr.

     

    Mehr dazu auch in diesem Blogartikel von youvo.org: “Kostenlose Fotos, Schriften und mehr”.

    Hinweis: Natürlich sind diese kostenlosen Ressourcen kein Ersatz für professionelle kreative Leistungen. Aber sie können helfen, wenn das notwendige Budget für eine perfekte Lösung fehlt oder kurzfristig etwas umgesetzt werden muss. Sollte Budget da sein, ist es jedoch gerade in Foto oder Design-Fragen immer lohnenswert Profis zu engagieren.