Perspektiven
Wo lassen sich Anknüpfungspunkte für eine künftige Zusammenarbeit von Freiwilligenagenturen und Unternehmen erkennen?
Lokale und regionale Perspektiven
Für Unternehmen spielt das Thema „Standortfaktoren“ eine Rolle. Im “Monitor Unternehmensengagement” gaben sie an, sich zu 74 Prozent lokal vor Ort zu engagieren und benannten als Motivation zu 50 Prozent die „Attraktivität des Unternehmensstandorts erhöhen“.
Zum aktuellen Monitor Unternehmensengagement 2025 mit dem Titel „Farbe bekennen, in Notlagen helfen, Mehrwerte generieren: Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen im Wandel“ gelangen Sie hier (PDF)
In Ostdeutschland engagieren sich fast alle Unternehmen (97 Prozent) in der ein oder anderen Form für gesellschaftliche Belange. Dies ist ein Befund der Studie “Vielfältig. Lokal. Vernetzt. – Unternehmerisches und zivilgesellschaftliches Engagement in Ostdeutschland“.
Gesellschaftliche Herausforderungen wie z.B. den demografischen Wandel oder eine bessere Integration zu gewährleisten, benötigen zur Bewältigung eine gute Kooperation von Politik, Verwaltung, zivilgesellschaftlichen Organisationen und (nicht zuletzt) der Wirtschaft. Freiwilligenagenturen mit ihrem guten Überblick über die lokale Engagementlandschaft können hier eine Orientierungs-, Lotsen- und Vermittlungsfunktion übernehmen.
Die globalen Entwicklungsziele (SDGs)
2015 wurde von den Vereinten Nationen die Agenda 2030 verabschiedet: mit 17 globalen Entwicklungszielen, den SDGs (Sustainable Development Goals). Thematisch geht es dabei um die Bekämpfung von Hunger, Armut und Diskriminierung. Aber auch bessere Bildung oder Gesundheit für alle, der Schutz des Klimas und der Biodiversität, mehr Engagement für Frieden und Rechtsstaatlichkeit sind enthalten. Zur Erreichung der Ziele sind alle gefordert: die Regierungen weltweit, die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft, die Wissenschaft – und jede:r Einzelne. Eine Übersicht der 17 SDGs finden Sie hier als PDF.
Um die Agenda 2030 umzusetzen, haben die Bundes- und die Landesregierungen Nachhaltigkeitsstrategien verabschiedet, aus denen Maßnahmen abgeleitet werden, die gemeinsam mit den genannten Akteuren zur Zielerreichung beitragen sollen. Für Freiwilligenagenturen finden sich Praxisbeispiele, Anregungen und jede Menge weiterführende Informationen im bagfa-Wissenspool in der „Themenwelt Nachhaltigkeit“.
Zahlreiche Unternehmen haben ihre CSR-Aktivitäten an den SDGs ausgerichtet. Hier lassen sich möglicherweise Anknüpfungspunkte für Kooperationsprojekte identifizieren – ganz im Sinne von Ziel 17: “Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“.
Übersicht und weitere Grafiken zu finden auf: 17ziele.de
SDG 13: Maßnahmen und Klimaschutz
Im Themenfeld Klima gibt es bereits einige gute Beispiele von Freiwilligenagenturen in der Kooperation mit Unternehmen:
- Einsätze von Gruppen, bei denen Umwelt-, Natur- und Klimaschutz im Mittelpunkt stehen werden von „tatkräftig“ in Hamburg organisiert.
- Das Projekt „Gießkannenheld:innen“ der Ehrenamt Agentur Essen, bei dem es um die Wasserversorgung der von Trockenheit bedrohten Stadtbäume geht.
- Der Marktplatz „Gute Geschäfte fürs Klima!“ der Kölner Freiwilligenagentur, der zum Ziel hat, Kontakte zu knüpfen und nachhaltige Engagement-Kooperationen für den guten Zweck zu vereinbaren. Weitere „Klima-Marktplätze“ wurden 2025 an vier weiteren Standorten in Deutschland umgesetzt. Für 2026 sind drei Klima-Marktplätze in Nürnberg, Bochum und Krefeld geplant.
- Im Projekt „Gemeinsam engagiert fürs Klima“ von UPJ wurden Mittlerorganisationen (u.a. das Freiwilligen-Zentrum Augsburg oder die Freiwilligen-Agentur Halle (Saale)) für das Thema qualifiziert, um Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen anzuregen und gemeinsam aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Die Ergebnisse wurden in einer Handreichung zusammengefasst.
Unternehmensengagement für Klima- und Umweltschutz
Klimakrise und Biodiversitätskrise haben das Potenzial, die Menschheit existenziell zu bedrohen und sind schon jetzt massiv spürbar. Um dagegen anzukommen, sind einerseits globale politische Lösungen, internationale Vereinbarungen und Gesetze, die die notwendigen Rahmenbedingungen setzen. Und andererseits lokales Engagement im Kampf gegen den Klimawandel. Neben dem umwelt- und klimapolitischen Handeln von Städten und Gemeinden spielt hier vor allem das bürgerschaftliche Engagement eine bedeutende Rolle.
Dabei gilt: Weder staatliche Akteure noch Zivilgesellschaft oder Wirtschaft können die Klima- und Biodiversitätskrise allein lösen. Es braucht neue Allianzen von gemeinnützigen Organisationen, Initiativen der Bürgergesellschaft, Unternehmen und der öffentlichen Hand. Die Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg ist jedoch weder alltäglich, noch stellt sie sich von selbst her. Sie muss im praktischen Tun Schritt für Schritt eingeübt werden. Und sie braucht Akteure vor Ort, die Brücken zwischen den Sektoren bauen und konkrete Anlässe für gemeinsames Engagement und Kooperation schaffen.
Der Schwerpunkt von Freiwilligenagenturen und der durch sie initiierten Kooperationsprojekte lag bisher überwiegend in den Bereichen Soziales, Bildung und Integration. Aktivitäten im Bereich Klima- und Umweltschutz sind aktuell noch deutlich unterrepräsentiert. Um diese Lücke zu schließen und Klima- und Umweltschutz zum Thema für Freiwilligenagenturen und für zukünftige Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen zu machen, werden im Folgenden mögliche Ideen, übertragbare Konzepte und praktische Erfahrungen dargestellt und thematisch geclustert. Diese vielfältigen Beispiele sind das Ergebnis von gemeinsamen Workshops mit Freiwilligenagenturen und anderen Mittlerorganisationen und können gemeinsam mit Unternehmen umgesetzt werden.
1. Erneuerbare Energien & Nachhaltige Technik
- Photovoltaik-Module für Nonprofit-Organisationen – Strom für z. B. einen Springbrunnen
- Bau kleiner Solar-/Photovoltaik-Module mit Jugendlichen – Handys aufladen, Stromverbrauch erleben
- Stromzähler: Stromverbrauch in Nonprofit-Organisationen sichtbar machen
- Bau eines Windrads – Nutzung von Windkraft in Jugendzentren oder Kitas
- …
2. Begrünung & Biodiversität
- Urban Gardening – Unterstützung für Bürger:innengärten
- Kräuterschnecke – Kräuteranbau an Schulen
- Anlegen einer insektenfreundlichen Wiese und einer Totholzhecke
- Bau und Anbringung von Nistkästen für Gebäudebrüter
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3. Upcycling, Müllvermeidung & Nachhaltiger Konsum
- No-Waste-Kitchen – Workshop zur Müllvermeidung
- Müll-Kreativworkshop – Müll als Ressource nutzen
- Upcycling – Möbel für Altenwohnanlagen aus recyceltem Material
- Müll-Sammel-Aktion / Clean-Up-Day
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4. Bildung & Bewusstseinsbildung
- Plogging-Events (Joggen in Verbindung mit Müllsammeln)
- Umweltworkshops – In Schulen, mit Eltern, in Unternehmen
- Energieberatung: Energetische Beratung
- Fahrradparcours
- …
5. Klimaanpassung
- Schaffung von Schattenspendern in öffentlichen Parks oder in Nonprofitorganisationen
- Bau von grünen Dächern und Fassaden
- Pflanzen von resilienten Pflanzenarten in öffentlichen Grünanlagen
- Errichtung von Wasserspendern im Stadtgebiet
- …
6. Landwirtschaft, Ernährung & Regionale Kreisläufe
- Streuobstwiesen-Patenschaften
- Gemüsegarten in der Schule
- Gemüseanbau-Aktion
- Bau von Hochbeeten
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Diese beispielhaften Maßnahmen zeigen die Vielzahl an Möglichkeiten für Unternehmen und gemeinnützige Organisationen auf, um Klima- und Umweltschutz effektiv zu fördern. Konkrete Beispiele für bereits umgesetzte Projekte finden sich zudem in der UPJ-Handreichung zum Projekt „Gemeinsam engagiert fürs Klima“.
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