Angebote und Formate von Freiwilligenagenturen

Foto: Jo Szczepanska via Unsplash

In den letzten zwanzig Jahren haben sich zahlreiche Freiwilligenagenturen das Arbeitsfeld Unternehmenskooperationen erschlossen. Die Bandbreite der dabei entstandenen Aktivitäten ist groß und reicht von der gelegentlichen Beteiligung einzelner Unternehmen an ohnehin stattfindenden Projekten wie z.B. einem lokalen Freiwilligentag auf der einen Seite, bis hin zu spezialisierten Dienstleistungen in der Personalentwicklung oder Unternehmensberatung. 

Freiwilligenagenturen haben in der Kooperation mit Unternehmen viel zu bieten 

Sieht man sich an, mit welchen Angeboten Freiwilligenagenturen im Kontext von Kooperationen mit Unternehmen aktiv sind, ergibt sich ein breites, vielfältiges Spektrum, dass sich sich in folgende  Bereiche unterteilen lässt: 

  • Information, Beratung, Netzwerk- und Lobbyarbeit in Unternehmen, Nonprofit-Organisationen, öffentlicher Verwaltung und Politik zu Unternehmenskooperationen.  
  • Entwicklung, Organisation, Vermittlung und Begleitung von Projekten zum Engagement von Unternehmensmitarbeiter:innen (Corporate Volunteering) in unterschiedlichster Form (in und außerhalb der Arbeitszeit). 
  • Planung und Durchführung von Veranstaltungsformaten zur Anbahnung von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Non-Profit-Organisationen wie dem „Marktplatz Gute Geschäfte“ oder der „Nachtschicht“ (mehr Informationen zu beiden Formaten unten auf dieser Seite). 
  • Qualifizierungsangebote (Vorträge, Workshops) zur Vorbereitung von gemeinnützigen Organisationen für die Kooperation mit Unternehmen (Gute SacheGute Sache KOMPAKT) (mehr dazu auf der Seite Qualifizieren und Wissen weitergeben in dieser Themenwelt).
  • Individuelle Angebote für einzelne Unternehmen: von der Engagementsuchmaschine für die firmeneigene Website oder das Intranet über die Inhouse-Engagementberatung für Unternehmensmitarbeiter:innen bis zur Qualifizierung, Begleitung und Vernetzung von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Corporate Social Responsibility (CSR). Gute Beispiele hierfür bieten das CSR Kompetenzzentrum Ruhr oder das Corporate Volunteering Netzwerk Nürnberg.
  • Gewinnung von Unternehmen zur Mitwirkung in Netzwerken wie „engagierte stadt“ oder bei der Saarbrücker-Herausforderung um „neue Kooperationen für eine lebens- und liebenswerte Stadt“ zu schaffen oder in quartiersbezogenen Projekten wie hier im Centrum für Bürgerschaftliches Engagement Mülheim oder hier in der Kölner Freiwilligen Agentur.

Nicht jede Freiwilligenagentur kann alle diese Leistungen anbieten. Das individuelle Portfolio hängt von verschiedenen internen und externen Faktoren ab: von den eigenen Ressourcen und dem eigenen Profil bis zur Landschaft weiterer (auch gewerblicher) Akteure im Feld. 

Engagement von Mitarbeiter:innen fördern (Corporate Volunteering)  

Corporate Volunteering ist ein weites Feld. Es reicht von der Förderung des Mitarbeiter:innenengagements über den durch das Unternehmen organisierten und geförderten Volunteer-Tag bis hin zu Angeboten, die den Einsatz im Gemeinwesen (für unterschiedliche Gruppen der Mitarbeiter:innen) mit sozialem Lernen verbinden. 

Corporate Volunteering kann für Unternehmen eine strategische CSR-Maßnahme an der Schnittstelle der Handlungsfelder Arbeitsplatz und Gemeinwesen sein. Sie stellen dabei Zeit, Know-how und Wissen ihrer Mitarbeiter:innen zur Verfügung. Sogenanntes Skills-Based-Volunteering setzt beim Fachwissen und den Kernkompetenzen der Mitarbeiter:innen an. Beim Hands-On-Volunteering geht es um praktisches Tun und handwerkliche Tätigkeiten – hier steht die Begegnung zwischen den Mitarbeiter:innen aus dem Unternehmen und den Nutzer:innen der gemeinnützigen Organisationen im Vordergrund. 

Freiwilligenagenturen haben eine Vielzahl an Projektansätzen zu Corporate Volunteering entwickelt 

  • Organisation von Patenschafts- und Mentoringprojekten für bestimmte Zielgruppen (z.B. Lesepatenschaften für Kinder im Grundschulalter) oder Themen (Kultur), wie zum Beispiel hier bei der Kölner Freiwilligen Agentur.
  • Patenschaften mit wiederkehrenden gleichen oder unterschiedlichen Tätigkeiten für eine Einrichtung (z.B. Geflüchteten-Heim).
  • Pro-Bono-Aktivitäten (professionelle Unterstützung einer Einrichtung ohne Bezahlung).  
  • Kompetenz-Spende: Einzelne Mitarbeiter:innen oder ganze Teams geben für eine Stunde, einen Tag oder mehrere Tage ihr Wissen weiter. Beispiele sind: Bewerbungstrainings, Computer-Schulungen, Management-Beratung u.v.m., wie zum Beispiel hier im ISKA Nürnberg.
  • Verschiedene Freiwilligenagenturen bieten Corporate Volunteering Projekte für mehrere Unternehmen an einem besonderen Tag an (wie zum Beispiel hier im Freiwilligenzentrum Hannover) oder organisieren diese in einem größeren Netzwerk (wie zum Beispiel hier im ISKA Nürnberg).

Kompetenzen von Freiwilligenagenturen nutzen 

Freiwilligenagenturen als Mittlerorganisationen sind erfahren in der Konzeption entsprechender Projekte und können von der operativen Vorbereitung über die Durchführungsbegleitung bis hin zur Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit verschiedene Aufgaben übernehmen. Gute Beispiele dafür, was es in diesem Zusammenhang alles zu bedenken gibt, haben einzelne Freiwilligenagenturen als Checklisten/Anforderungskataloge auf ihren Webseiten dargestellt:

  • tatendrang München hier.
  • tatkräftig Hamburg hier.

Eine Erfahrung aus zahlreichen Unternehmenskooperationen ist die: Wenn eine Zusammenarbeit nicht erst mit der Anfrage nach der Vermittlung eines möglichen gemeinnützigen Partners einsetzt, sondern die Kompetenzen als Mittler bereits frühzeitig in der strategischen Entwicklung angefragt werden, dann entstehen nicht nur Volunteering-Aktivitäten, bei denen sich „alle ausnahmslos gut fühlen“, sondern auch solche, die einen hohen Nutzen für alle Partner aufweisen.  

Angebote für einzelne Gruppen von Mitarbeiter:innen aus Unternehmen 

Verschiedene Freiwilligenagenturen haben Angebote und Projekte entwickelt, die sich nicht an die Gesamtheit der Mitarbeiter:innen in einem Unternehmen richten, sondern die bestimmte Personengruppen in besonderen Phasen ihres Berufslebens adressieren: 

  • Konzeption und Durchführung von Personal-Teamentwicklungsmaßnahmen im sozialen Feld nach dem Konzept “Lernen in fremden Lebenswelten”, wie hier im Centrum für Bürgerschaftliches Engagement Mülheim, oder hier in der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis.
  • Zusammenarbeit mit Unternehmen zur Unterstützung der Mitarbeiter:innen beim aktiven Übergang in den Ruhestand, wie hier im Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER in Berlin Treptow Köpenick.
  • Corporate Volunteering Projekte speziell für Auszubildende von Unternehmen, Nonprofit-Organisationen, Verwaltung.

Das sind Personalentwicklungsmaßnahmen, die aber nicht im Hochseilgarten oder in der Wildnis stattfinden, sondern im lokalen Gemeinwesen. Sie ermöglichen damit nicht nur Begegnungen mit Menschen in besonderen Lebenssituationen, die man ansonsten vielleicht nicht im Blick hat oder auch in die Arbeits- und Sichtweisen gemeinnütziger Organisationen und tragen somit zu einem besseren Verständnis vom „Leben der Anderen“ und gesellschaftlicher Zusammenhänge bei.  

Zum Weiterlesen und Schauen:

Leitfaden:

Leitfaden der „Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA)“ mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE): “Zusammenarbeit gemeinnütziger Organisationen mit kleinen und mittleren Unternehmen in der Region – Leitfaden zur Förderung der Synergien

Sie können den Leitfaden hier herunterladen oder bestellen.

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Personalentwicklung durch Engagement – Die MitWirkung!-Lernwoche, Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis

Gemeinnützige Organisationen und Unternehmen zusammenbringen: Vermittlungsformate  

Wenn es über die gelegentliche Einbeziehung von zum Beispiel einzelnen Unternehmensteams in ohnehin stattfindenden Formaten wie einem Freiwilligentag hinausgeht, stellt sich für jede Freiwilligenagentur die Frage: wie können wir den Bedarf von gemeinnützigen Organisationen und die Angebote von Unternehmen überhaupt sichtbar machen und zusammenbringen? Da hier unterschiedliche „Welten“ aufeinandertreffen, haben sich verschiedene Veranstaltungsformate sehr bewährt, die ein persönliches Kennenlernen und eine direkte Begegnung in größerem Rahmen und mit vielen Beteiligten ermöglichen. 

Marktplatz Gute Geschäfte 

Seit 2006 hat die Idee der Marktplätze für „Gute Geschäfte“ in Deutschland große Verbreitung gefunden: in über 100 Kommunen konnten damit bei einer Art „Speed-Dating für Gemeinnützige und Unternehmen“ unzählige Kooperationen vermittelt werden.

Wie auf einem Markt treffen hier unter klaren Spieregeln Angebot und Nachfrage aufeinander.

Einen guten Überblick über die Methode, Standorte von Marktplätzen, eine Toolbox mit zahlreiche Materialien und Vorlagen zum Projekttransfer bietet die Seite Gute Geschäfte.

Viele Freiwilligenagenturen gehören zu den Marktplatz Pionieren und organisieren in größeren Abständen zum Beispiel jährlich das Format – häufig gemeinsam mit weiteren Partnern wie der Kommune, Kammern o.ä.

Marktplätze sind nicht nur ein Format für Großstädte – ein gutes Beispiel zeigt die Seite Gute Geschäfte Bocholt.

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Ein weiteres Beispiel: Video zum Kölner Marktplatz “Gute Geschäfte”, organisiert von der Kölner Freiwilligen Agentur

Inzwischen hat die Methode auch Weiterentwicklungen und Modifikationen erfahren: 

  • Das Netzwerk Ruhrgebiet ist eine überregionale Marktplatzinitiative, die unter dem Namen Ruhrdax jährlich an wechselnden Standorten einen lokalen Marktplatz organisiert.
  • Einzelne Standorte haben einen Marktplatz als themenbezogenes Vermittlungsformat genutzt,  zum Beispiel im Kontext des Themas „Integration“ oder „Bildung“. 
  • Unter der Überschrift “Mitmacher – Handelsplatz für soziale Teamevents der BASF” organisiert die FreiwilligenAgentur Heidelberg unternehmensinterne Marktplätze zum Matching für Corporate Volunteering Projekte. Hier ein YouTube Video dazu.

Nachtschicht – Kompetenzmarathon für den guten Zweck 

Ein weiteres, noch nicht ganz so verbreitetes Format wie der Marktplatz ist die Nachtschicht. Sie hat einen besonderen Fokus:

a) Kooperationspartner sind ausschließlich Unternehmen der Kreativbranche und
b) vermittelt werden ausschließlich Kompetenzspenden.  

Der Bedarf von gemeinnützigen Organisationen an der Entwicklung von Kommunikationsmaßnahmen (wie zum Beispiel Broschüren, Flyer, Plakate, Info- oder Schulungsmaterialien), einer maßgeschneiderten Corporate Identity, kreativer IT-Konzepte etc. ist riesig. Für die Nachtschicht werden entsprechende Projektvorschläge gesammelt und durch Teams von Kreativen bearbeitet. Da das Ganze in einer 8-stündigen „Extra-Schicht“ stattfindet, außerhalb der regulären Arbeitszeit – oft im Anschluss daran und bis in die Nacht – heißt das Format im Original Nachtschicht. Dank dem kreativen Potential und der  professionelle Erfahrung entstehen so „über Nacht“ sofort nutzbare Ergebnisse für die teilnehmenden Organisationen.  

Basierend auf einem niederländischen Konzept gibt es die Nachtschicht seit 2014 in Deutschland an verschiedenen Standorten unter zum Teil anderen Namen oder modifizierter Veranstaltungskonzeption unter Beteiligung von Freiwilligenagenturen. Eine Übersicht dazu und eine „Step-by-Step-Anleitung“ für Nachahmer:innen findet man hier.