Foto: Rachel Forrez via Unsplash
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Hintergründe, Definition, Felder

Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ist nicht neu

Bereits die Fugger, ein Handelshaus aus Augsburg, baute im 16. Jahrhundert dort die älteste Sozialsiedlung der Welt. Robert Bosch initiierte 1915 die Gründung des nach ihm benannten Krankenhauses in Stuttgart.  

Auch in unserer Zeit gibt es nach wie vor zahlreiche Beispiele des finanziellen Engagements von Unternehmen in unterschiedlichsten Dimensionen für die verschiedensten Zwecke: vom Sponsoring der regionalen Bank für den örtlichen Sportverein bis hin zur Spende für eine kulturelle Einrichtung. Aber auch bei aktuellen Herausforderungen der letzten Jahre (geflüchtete Menschen, Corona-Pandemie, Krieg gegen die Ukraine) waren und sind zahlreiche (kleine und große) Unternehmen unterstützend aktiv. 

Corporate Social Responsibility – als „neues“ Thema und großes Missverständnis

In den letzten Jahren ist die Rolle von Unternehmen und ihre Verantwortung für die Gesellschaft stärker unter dem englischen Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) zum Thema in der Wirtschaft und der Öffentlichkeit geworden. Für einen Teil der Unternehmen aufgrund gesetzlicher Vorschriften, für andere aufgrund veränderter Anforderungen und Erwartungen von Kund:innen und (potentiellen) Mitarbeiter:innen. Für wieder andere als Reaktion auf Entwicklungen wie zum Beispiel dem demografischen Wandel. 

Im deutschen Sprachgebrauch wird das „social“ häufig mit „sozial“ übersetzt, was allerdings ein Missverständnis ist. Im eigentlichen Sinn ist mit „social“ aber „gesellschaftlich“ gemeint und CSR steht damit für die Verantwortung von Unternehmen, für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft – also um einen umfassenderen Anspruch, als sich „nur“ sozial zu engagieren. 

Neben CSR verwenden Unternehmen häufig weitere Begriffe und Abkürzungen wie CR (Corporate Responsibility) und ESG (Environmental – Social – Governance), welche als Leitprinzipien für ein verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Unternehmertum dienen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden sie oft gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit verwendet, da sie alle darauf abzielen, Unternehmen dazu zu bewegen, neben ihren ökonomischen Interessen auch ökologische, soziale und Aspekte guter Unternehmensführung in ihre Entscheidungen einzubeziehen.

2022 hat das EU-Parlament die „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“ beschlossen, um deutlich mehr Unternehmen zu verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichten heranzuziehen; durch verschiedene Änderungen wurden diese Pläne jedoch spürbar abgeschwächt, indem Berichtspflichten zeitlich verschoben, Anforderungen vereinfacht und viele kleinere und mittlere Unternehmen vorerst von der Pflicht ausgenommen wurden. Die Hoffnung, dass die Einführung der CSRD auch zu mehr gesellschaftlichem Engagement führen wird, besteht weiterhin, wird durch die aktuellen Anpassungen jedoch relativiert.

Das Gemeinwesen als Teil einer Unternehmensstrategie…

„Corporate Social Responsibility (CSR) […] bezeichnet die Integration von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren in die Unternehmenstätigkeit auf freiwilliger und manchmal auch rechtlicher Basis. Die Aktivitäten der Unternehmen werden hier im weitesten Sinne verstanden: wirtschaftliche Aktivitäten, interne Interaktionen (Arbeitnehmer, Manager, Aktionäre) und externe Interaktionen (Lieferanten, Kunden etc.).“

Quelle: Wikipedia “Corporate Social Responsibility”

… oder weitergehender interpretiert: Interaktionen mit dem Gemeinwesen. CSR-Aktivitäten werden daher nicht altruistischer Natur sein können, sondern im besten Fall nachhaltiges Wirtschaften bedeuten – mit einem Nutzen für das Unternehmen und sein Umfeld.  

Abzugrenzen ist der ebenfalls häufig genutzte Begriff Corporate Citizenship (CC), der das bürgerschaftliche Engagement („citizenship“) von Unternehmen für die lokale Zivilgesellschaft beschreibt.  

… und Brücke zur Arbeit der Freiwilligenagenturen

Freiwilligenagenturen sind Expertinnen für das lokale Gemeinwesen bzw. die Engagementlandschaft einer Region und damit ideale Wegweiser:innen und Lots:innen für Unternehmen, die sich an ihrem Standort engagieren wollen. An dieser Stelle einige Zahlen, Daten und Fakten aus dem „Monitor Unternehmensengagement 2025“: 

  • Firmen in Deutschland spenden regelmäßig: Im Jahr 2025 haben 88 Prozent der Unternehmen angegeben, Geldspenden getätigt zu haben, Sachspenden gaben 75 Prozent, Nutzungsüberlassungen 55 Prozent.
  • Corporate Volunteering, also die Freistellung von Mitarbeiter:innen spielt im Unternehmensengagement eine besondere Rolle, da sich Menschen persönlich einbringen können. 2025 gaben 63 Prozent der Unternehmen an, sich auf diese Weise zu engagieren.
  • Sport ist der am häufigsten genannte Engagement-Bereich (61 Prozent) von Unternehmen in Deutschland. Weitere Themen sind: Bildung und Erziehung (43 Prozent), Soziales (38 Prozent), Freizeit und Geselligkeit (35 Prozent), Kunst und Kultur (28 Prozent) sowie Klima- (16 Prozent) und Umweltschutz (17 Prozent). Der Bereich „Bevölkerungs- und Katastrophenschutz“ verzeichnete ein massives Wachstum auf 28 Prozent (gegenüber 15 % im Jahr 2018), getrieben durch die Nothilfe für die Ukraine und andere Krisen.
  • Kinder und Jugendliche sind die am häufigsten adressierte Zielgruppe, gefolgt von Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung und finanziell schlechter gestellten Personen. Ein beachtlicher Anteil von mehr als einem Drittel der Unternehmen gibt an, sich an keine spezielle Gruppe zu richten, sondern engagiert sich eher allgemein.
  • 77 Prozent der Unternehmen organisieren ihr Engagement über zivilgesellschaftliche Partnerorganisationen – am meisten über Vereine oder Wohlfahrtsverbände.

Wenn Zeitspenden zwar einen großen (aber möglicherweise ausbaufähigen?) Anteil des Engagements von Unternehmen darstellen und der überwiegende Teil von ihnen sich lokal und über Partner engagieren, liegen die möglichen Anknüpfungspunkte für Freiwilligenagenturen auf der Hand: lokale Zeitspenden sind ihr „Kerngeschäft“.

Wichtig zu wissen: Unternehmen sind in Deutschland zu 99 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU – bis zu 249 Mitarbeiter:innen) – Quelle: Wikipedia.

Bundesweite Studie zu Unternehmensengagement:

Mit dem „Monitor Unternehmensengagement“ führte der Stifterverband zuletzt 2025 eine Unternehmensbefragung zum gesellschaftlichen Engagement der deutschen Wirtschaft – vom Kleinstbetrieb bis zum Großkonzern – durch, um sowohl Diskussionen als auch die praktische Entwicklung des Unternehmensengagements voranzutreiben. Mehr dazu unter www.stifterverband.org/medien/monitor-unternehmensengagement-2025.