Einführung in das Thema

Foto: Markus Spiske via unsplash.com

Die Transformation hin zu nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen ist notwendig, um die Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu erhalten, aber auch um jetzt allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Zu nachhaltiger Entwicklung gehört neben dem Erhalt einer gesunden Umwelt auch eine gerechte Gesellschaft. Aspekte, wie Zugang zu Bildung, Gleichberechtigung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Frieden sind also ebenfalls zentrale Elemente von Nachhaltigkeit. Diese stehen oft in engem Zusammenhang mit den ökologischen Belangen, weshalb sie als eine Einheit betrachtet werden sollten.

Es gibt viele Definitionen von Nachhaltigkeit. Eine der bekanntesten ist die sog. Brundtland Definition und stammt von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahre 1987. Sie lautet:

„Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Warum ist Nachhaltigkeit überhaupt so ein dringendes Thema?

Aktuell verbrauchen wir durch unsere Art zu leben und zu wirtschaften die natürlichen Ressourcen der Erde sehr viel schneller, als sie regeneriert werden können. Man spricht deshalb auch von einem Überschreiten der planetaren Grenzen, welche den sicheren Handlungsraum für menschliches Wohlergehen bilden. Die Erderhitzung und der damit einhergehende Klimawandel sind nur eine Dimension dieser Grenzen: Andere beziehen sich auf weitere biologische, physikalische, geologische und chemische Veränderungen, die durch menschliche Aktivitäten verursacht werden und die das Ökosystem „Erde“ so stark aus dem Gleichgewicht bringen, dass die Konsequenzen eine ernstzunehmende Gefahr für unser Wohlergehen darstellen. Diese ökologische Nachhaltigkeit hängt aber auch sehr eng mit sozialen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten zusammen.

Eine Oxfam-Studie ergab, dass das reichste 1% das Klima doppelt so stark schädigt, wie die ärmere Hälfte der Welt. Gleichzeitig sind ärmere oder gesellschaftlich benachteiligte Gruppen sehr viel stärker von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen. Soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte nachhaltiger Entwicklung sind also sehr eng verknüpft mit der Nutzung natürlicher Ressourcen und der Belastung des Ökosystems Erde durch die Art und Weise unseres Wirtschaftens.

Die wissenschaftliche Beweislage zum Thema Klimawandel ist überwältigend und in der Kernbotschaft unumstritten. Diese fasst das Deutsche Klima Konsortium (DKK) folgendermaßen zusammen:

  • Er ist real.
  • Wir sind die Ursache.
  • Er ist gefährlich.
  • Die Fachleute sind sich einig.
  • Wir können noch was tun.

Zum weiteren Lesen in der Themenwelt:

  • Ihr wollt wissen, welche Rolle Freiwilligenagenturen in der Nachhaltigkeitstransformation spielen können? Hier gehts weiter.
  • Ihr wollt direkt loslegen und eure Freiwilligenagentur nachhaltiger gestalten? Dann klickt hier.
  • Für ein tieferes Verständnis dafür, warum Nachhaltigkeit so ein dringendes Thema ist, lest einfach ab hier weiter:

Die „Große Beschleunigung“

Als “Große Beschleunigung” (Steffen et al., 2015) versteht man die rapide Zunahme menschlicher Aktivitäten seit dem späten 20. Jahrhundert, die sich in einem exponentiellen Anstieg von Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und technologischer Entwicklung manifestiert. Dieser beschleunigte Prozess hat enorme Auswirkungen auf die ökologischen Systeme der Erde, da die Ressourcenausbeutung, insbesondere fossiler Brennstoffe und anderer nicht-erneuerbaren Ressourcen, stark angestiegen ist.

Lange Zeit war dieser rasante Anstieg der Ressourcennutzung und wirtschaftlichen Aktivität eng mit einem steigenden Wohlergehen in der Bevölkerung verknüpft. Seit Ende der 1990er Jahre ist jedoch eine Entkoppelung erkennbar, die zeigt, dass trotz (oder obwohl) steigender Wirtschaftsleistung der nationale Wohlfahrtsindex stetig sinkt.

Starke und schwache Nachhaltigkeit

Es existieren zwei grundlegende Konzepte in Bezug auf Nachhaltigkeit (Ott, 2021): starke Nachhaltigkeit und schwache Nachhaltigkeit. Bei der starken Nachhaltigkeit wird davon ausgegangen, dass es bestimmte natürliche Ressourcen gibt, die nicht austauschbar sind und die daher in ihrer Existenz und Integrität geschützt werden müssen. Diese Perspektive betont die Notwendigkeit, ökologische Grenzen zu respektieren und zu bewahren.

Quelle: www.klimapsychologie.com

Im Gegensatz dazu bezieht sich die schwache Nachhaltigkeit auf eine Ersetzbarkeit von Ressourcen, es wird also angenommen, dass man eine Ressource gegen eine andere austauschen kann. So wird etwa argumentiert, dass der Verlust an natürlichem Kapital durch den Zugewinn an menschengemachtem Kapital oder sozialem Kapital ausgeglichen werden kann. Diese Perspektive betont die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Kapitalarten zu wechseln und so ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen zu erreichen. Schwache Nachhaltigkeit setzt dabei stark auf Effizienzsteigerung und technische Innovation, also darauf, entweder mit weniger Material gleich viel zu produzieren oder durch technischen Fortschritt neue Rohmaterialien nutzbar zu machen.

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht wird das schwache Verständnis von Nachhaltigkeit kritisch gesehen, da Studien immer wieder zeigen, dass z.B. Einsparungen oder Effizienzsteigerungen durch einen darauffolgenden Mehrverbrauch wieder zunichte gemacht werden. Eine gute Erläuterung dieses als Rebound-Effekt oder auch als Effizienz- und Jevons-Paradox bekannten Phänomens findet sich in D’Alisa et al. (2020). Beispiele dafür sind z.B. die Tatsache, dass moderne Autos zwar weniger Treibstoff verbrauchen als früher, dafür aber auch nicht nur deutlich mehr PKW zugelassen sind und diese auch sehr viel größer sind als frühere Modelle.

Der Rebound-Effekt tritt auf, wenn Effizienzsteigerungen oder Einsparungen bei der Ressourcennutzung durch gesteigerten Verbrauch wieder kompensiert werden. Hier sind fünf Beispiele dafür:

1. Energieeffiziente Fahrzeuge: Autos mit einem geringeren Treibstoffverbrauch können dazu führen, dass Fahrer mehr fahren oder größere Fahrzeuge kaufen, was den Einspareffekt verringert oder sogar zunichte macht.

2. LED-Beleuchtung: Obwohl LED-Lampen weniger Strom verbrauchen als herkömmliche Glühlampen, könnte der niedrigere Betriebskostenanreiz dazu führen, dass Verbraucher mehr Licht nutzen und mehr Lampen installieren.

3. Energieeffiziente Geräte: Der Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen kann dazu führen, dass Verbraucher diese häufiger nutzen oder größere Modelle wählen, was den Gesamtenergieverbrauch erhöht.

4. Telekommunikation: Fortschritte in der Technologie führen zu geringeren Kosten für Telefonie und Internetnutzung. Dies kann dazu führen, dass Menschen mehr Zeit online verbringen oder größere Datenmengen herunterladen, was den Energieverbrauch für die Datenübertragung erhöht.

5. Flugreisen: Treibstoffeffiziente Flugzeuge könnten zu niedrigeren Kosten pro Passagierkilometer führen, was wiederum dazu führen könnte, dass Menschen häufiger fliegen oder längere Strecken zurücklegen, was den positiven Umwelteffekt verringert.

Die “Sustainable Development Goals”

Die Sustainable Development Goals (SDGs), zu Deutsch “Ziele für nachhaltige Entwicklung”, sind eine Reihe von 17 globalen Zielen, die von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet wurden. Sie stellen einen universellen Aufruf zur Handlung dar, um bis 2030 eine nachhaltige, sozial gerechte und ökologisch verträgliche Entwicklung auf globaler Ebene zu erreichen. Die SDGs decken eine breite Palette von Dimensionen ab und umfassen nicht nur ökologische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte von Nachhaltigkeit. Die SDGs reflektieren diese breite Perspektive, indem sie Ziele für Armutsbekämpfung, Geschlechtergleichstellung, sauberes Wasser, bezahlbare und saubere Energie, nachhaltigen Konsum und Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz und vieles mehr definieren.

Übersicht und weitere Grafiken zu finden auf: 17ziele.de

Als politischer Minimalkonsens integrieren die SDGs Elemente schwacher und starker Nachhaltigkeit, da sie die Bedeutung von Umweltschutz und der natürlichen Ressourcen betonen, aber auch die Notwendigkeit einer sozial gerechten Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritts berücksichtigen. So sollen die SDGs als umfassendes Rahmenwerk dazu dienen, eine ausgewogene und integrative Entwicklung zu fördern, die die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Wichtig ist dabei auch, dass es zwischen den Zielen sowohl Spannungen als auch Synergieeffekte geben kann. So kann etwa das Ziel 8 zu Wirtschaftswachstum im Konflikt mit den Umwelt- und Klimazielen stehen oder das Ziel 4 zu hochwertiger Bildung ebenso zur Erreichung der anderen sozialen Ziele wie z.B. „keine Armut“ und „kein Hunger“ beitragen.

Auch wenn nicht jedes der 17 Ziele für Freiwilligenagenturen relevant sein mag, so bieten die SDGs dennoch einen guten Einblick in die Vielfalt des Themas und spielen eine große Rolle im Nachhaltigkeitsdiskurs. Für Freiwilligenagenturen sind sie aus zwei Gründen besonders relevant:

1. Relevanz für lokale Gemeinschaften: Viele der SDGs haben direkte Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften, da sie sich mit Themen befassen, die auf kommunaler Ebene angegangen werden können. Dazu gehören z.B. Zugang zu Bildung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, nachhaltiger Stadtentwicklung und Armutsbekämpfung. Lokale Freiwilligenagenturen sind daher gut positioniert, um zur Umsetzung der SDGs auf lokaler Ebene beizutragen.

2. Partnerschaften und Vernetzung: Die SDGs fördern die Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und anderen Akteuren. Indem sie sich an den SDGs orientieren, können Freiwilligenagenturen vor Ort Partnerschaften mit anderen Organisationen, Unternehmen und staatlichen Stellen eingehen, um gemeinsam an der Verwirklichung der Ziele zu arbeiten und Synergien zu schaffen.

Die im Kapitel “Nachhaltigkeit in der Praxis” aufgeführten Handlungsvorschläge beinhalten zwar Aspekte einiger SDGs, orientieren sich in erster Linie aber an den alltäglichen Praktiken der Freiwilligenagenturen.

Auch die Themenwelt Unternehmensengagement thematisiert die SDGs als Anknüpfungspunkt für die Zusammenarbeit mit Unternehmen.

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Nachhaltigkeit, Demokratie & Engagement

Was Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft mit nachhaltiger Entwicklung zu tun haben

Nachhaltigkeit und Demokratie sind eng miteinander verbunden, da beide Konzepte auf Prinzipien wie Transparenz, Partizipation, Gleichberechtigung und Verantwortlichkeit beruhen. Eine nachhaltige Entwicklung erfordert demokratische Prozesse, um die Bedürfnisse und Interessen aller Stakeholder (Interessensgruppe) angemessen zu berücksichtigen und gerechte Entscheidungen zu treffen.

Demokratische Prinzipien ermöglichen es den Menschen, an Entscheidungen teilzuhaben, die ihr Leben und ihre Umwelt betreffen. Bürger:innen können durch politische Teilhabe Einfluss nehmen, um sicherzustellen, dass Maßnahmen zur Förderung der Nachhaltigkeit tatsächlich umgesetzt werden und die Bedürfnisse der Gesellschaft insgesamt berücksichtigen.

Freiwilligenagenturen spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, da sie einen Ort für bürgerschaftliches Engagement und partizipative Prozesse bieten. Sie ermöglichen es den Menschen, sich aktiv an Projekten und Initiativen zur Förderung von Nachhaltigkeit zu beteiligen. Durch freiwilliges Engagement können Bürger:innen nicht nur direkte Beiträge zum Umweltschutz leisten, sondern auch ihre Stimme in öffentlichen Diskussionen und Entscheidungsprozessen erheben.

Darüber hinaus fördern Freiwilligenagenturen soziale Integration und Zusammenhalt, indem sie Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Meinungen zusammenbringen, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Dies stärkt demokratische Grundwerte und trägt dazu bei, eine aktive und engagierte Zivilgesellschaft aufzubauen, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt.

Der Zusammenhang zwischen Demokratie, einer starken Zivilgesellschaft und Nachhaltigkeit ist tiefgreifend und wechselseitig. Diese Elemente beeinflussen sich gegenseitig positiv und schaffen gemeinsam eine Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung:

1. Partizipation und Entscheidungsfindung

In einer demokratischen Gesellschaft haben Bürger:innen das Recht, an politischen Prozessen teilzunehmen und Entscheidungen zu beeinflussen. Eine starke Zivilgesellschaft fördert die Partizipation, indem sie Bürger:innen ermutigt, sich aktiv an lokalen, nationalen und globalen Angelegenheiten zu beteiligen. Diese Beteiligung ermöglicht eine umfassendere und nachhaltigere Entscheidungsfindung, da verschiedene Perspektiven und Interessen berücksichtigt werden.

2. Transparenz und Rechenschaftspflicht

Eine demokratische Regierung ist darauf angewiesen, transparent und rechenschaftspflichtig zu handeln, um das Vertrauen der Bürger:innen zu gewinnen und zu erhalten. Eine starke Zivilgesellschaft spielt dabei eine kritische Rolle, indem sie als Überwachungsinstanz fungiert und die Einhaltung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards überwacht. Die Offenlegung von Informationen und die Verantwortlichkeit fördern nachhaltiges Handeln auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

3. Zivilgesellschaft als Akteur des Wandels

Eine starke Zivilgesellschaft, bestehend aus NGOs, Bürger:inneninitiativen und anderen Gruppen, kann eine treibende Kraft für nachhaltige Veränderungen sein. Diese Organisationen können Umweltprobleme ansprechen, Bewusstsein schaffen, Bildung fördern und alternative nachhaltige Praktiken vorantreiben. In demokratischen Systemen haben sie die Möglichkeit, durch Lobbying und Advocacy (Interessensvertretung) Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse zu nehmen.

4. Bürger:innenbeteiligung und Eigenverantwortung

Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft fördern die Eigenverantwortung der Bürger:innen für ihre Gemeinschaft. Dies schließt die Verantwortung für nachhaltiges Verhalten und die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte in ihren Entscheidungen ein. Durch Bildung und Sensibilisierung können Bürger:innen dazu befähigt werden, bewusste und nachhaltige Entscheidungen in ihrem täglichen Leben zu treffen.

5. Langfristige Stabilität und Gerechtigkeit

Eine demokratische Ordnung und eine starke Zivilgesellschaft tragen zur langfristigen Stabilität bei, indem sie Mechanismen schaffen, um Konflikte zu lösen und die Grundrechte der Menschen zu schützen. Langfristige Stabilität ist wiederum eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung, da sie den Raum für langfristige Planung und Investitionen schafft. Diese sind notwendig, um Umwelt- und Sozialziele zu erreichen.

Insgesamt fördern Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft eine umfassende, integrative Sichtweise auf nachhaltige Entwicklung, bei der ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Freiwilligenagenturen unterstützen diese Prozesse, indem sie freiwilliges Engagement ermöglichen, Menschen Selbstwirksamkeit erleben lassen, und gesellschaftliche Partizipation ermutigen.

Nachhaltigkeit & Rechtsextremismus

Die Debatte über Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Während viele Menschen und Organisationen sich für umweltfreundliche Praktiken und den Schutz der Ressourcen einsetzen, gibt es auch Fälle, in denen rechtsextreme Akteure versuchen, den Nachhaltigkeitsdiskurs für ihre eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Die rechtsextreme Szene hat erkannt, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft finden. Indem sie sich in diese Diskussionen einschleichen, versuchen sie, ihre Ideologien zu verschleiern und sich ein grünes Image anzueignen. Diese Taktik ermöglicht es ihnen, potenziell neue Anhänger zu gewinnen und den Eindruck zu erwecken, dass ihre Agenda im Einklang mit den Anliegen der Umweltschützer steht.

Rechtsextreme Gruppierungen nutzen verschiedene Narrative und Framings im Kontext von Nachhaltigkeit und Klimaschutz, um ihre ideologischen Ziele zu fördern. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Strategien oft darauf abzielen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und sich als Teil eines breiteren Diskurses zu präsentieren.

Hier sind einige der gängigsten Narrative und Framings in Kombination mit einem jeweils passenden Gegenargument:

Insgesamt ist es wichtig zu betonen, dass die Strategien rechtsextremer Akteure nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich sind, da sie den eigentlichen Zweck des Umweltschutzes untergraben und potenziell zu politischen Spaltungen führen können.

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Freiwilligenagenturen als Akteure der Nachhaltigkeit

Freiwilligenagenturen können auf drei unterschiedlichen Wegen einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten. Der erste Weg ist ihre indirekte Wirkung durch die Stärkung der Zivilgesellschaft und demokratischer Prozesse. Denn, wie oben beschrieben, sind Engagement, Demokratie und Nachhaltigkeit eng miteinander verzahnt.

Der zweite Weg besteht darin, gezielt Engagement für Nachhaltigkeit zu fördern, z.B. mit eigenen Projekten oder Veranstaltungen, die interessierte Ehrenamtliche mit Nachhaltigkeitsinitiativen in Kontakt bringen. Zusätzlich spielt in diesem Zusammenhang auch das Thema BNE: Bildung für Nachhaltige Entwicklung eine Rolle. Themenspezifische Bildungsangebote stärken das Bewusstsein der Menschen für Nachhaltigkeit und befähigen sie, nachhaltiger zu handeln.

Weitere Beispiele, wie Freiwilligenagenturen nach „außen“ wirken können, sind:

  • Freiwilligenagenturen sind Akteure im kommunalpolitischen System und können darin eine Fürsprecherinnenrolle für Nachhaltigkeitsbemühungen einnehmen
  • Freiwilligenagenturen können lokale Akteure vernetzen und Nachhaltigkeitsallianzen schmieden und für Nachhaltigkeitsthemen in Organisationen werben (z.B. durch Qualifikation)
  • Freiwilligenagenturen sind (über-)regional vernetzt, wodurch sie Best-Practices weiterverbreiten und voneinander lernen können
  • FWAs können als gutes Beispiel voran gehen und andere Akteure inspirieren und motivieren, ebenfalls für Nachhaltigkeit aktiv zu werden

Die dritte Art, auf die Freiwilligenagenturen als Nachhaltigkeits-Akteure agieren, besteht aus den Bestrebungen, als Organisation und als Arbeitgeberin selbst nachhaltiger zu werden. Auch Projekte, die inhaltlich nicht direkt etwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben, können in der Durchführung Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Zu dieser „inneren“ Nachhaltigkeit gehören insbesondere die Themenbereiche, die im Kapitel „Nachhaltigkeit in der Praxis“ eingehender behandelt werden.

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Klimakommunikation & Klimapsychologie

Oder: Wie wir in einem polarisierten Themenfeld souverän kommunizieren und uns selbst und andere besser verstehen.

Warum fällt es uns so schwer, nachhaltig(er) zu handeln? Und wie können wir bei einem derart polarisierenden und gleichzeitig komplexen Thema trotzdem gut miteinander im Gespräch bleiben? Um einerseits die eigenen Beweggründe und Kommunikationsmuster zu verstehen, andererseits sich aber auch als Organisation souverän im Nachhaltigkeitsdiskurs bewegen zu können, ist es hilfreich, einige Grundlagen der Klimapsychologie und -Kommunikation zu kennen.

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Darüber hinaus können Freiwilligenagenturen durch gezielte Kommunikationsstrategien, Schulungen und Bildungsprogramme dazu beitragen, Klima- und Umweltbewusstsein in der Gemeinschaft zu stärken. Ein Verständnis für Klimapsychologie ermöglicht es den Agenturen, Botschaften effektiver zu gestalten und Menschen zu motivieren, nachhaltige Entscheidungen zu treffen – sowohl in ihrem persönlichen Leben als auch als Freiwillige.

Und falls ihr lieber ein Video schaut, anstatt zu lesen, gibt es alles Wichtige zu beiden Themen auch in diesem Video der Wissen4Future Serie der Scientists for Future Östereich

Klimapsychologie

Wenn es um nachhaltige Verhaltensweisen und Entscheidungen geht, sind wir Meister:innen der Selbsttäuschung. Dabei ist das keine böse Absicht. Kaum jemand WILL sich klimaschädlich oder un-nachhaltig verhalten. Doch unsere Gehirne sind sehr gut darin, uns selbst auszutricksen und Rechtfertigungen dafür zu finden, in konkreten Situationen eben doch nicht die nachhaltigere Variante zu wählen. In ihrem Buch „Die Kunst der Ausrede“ erklären Annechien Hoeben und Thomas Brudermann von der Universität Graz, warum es uns so schwerfällt, umweltfreundliche Entscheidungen zu treffen, obwohl die meisten von uns Nachhaltigkeitsziele für durchaus erstrebenswert halten. In ihrem Comic „Eine kurze Geschichte über Klimapsychologie“ sind die Kernaussagen treffend dargestellt.

Übrigens: Das Autorenteam steht für gemeinnützige Organisationen sogar pro bono für Workshops und Vorträge zur Verfügung.

Und kennt ihr schon Aber-Hans oder Gewohnheits-Hannah? In der Rubrik „Klimaausreden mit Hans und Hannah“ findet ihr Erklärungen dazu, was es mit gängigen Ausreden wie z.B. „Aber China stößt doch viel mehr CO2 aus“ auf sich hat, und wie ihr diesen souverän und faktenbasiert begegnet.

Klimakommunikation

Bei komplexen und durchaus polarisierenden Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit fühlt man sich schnell hilflos. Vor allem wenn die weitere Person anderer Meinung ist als man selber. Doch für alle, denen es auch so geht, gibt es gleich zwei gute Nachrichten:

1.

Die erste gute Nachricht: Der Anteil an überzeugten Klimawandelleugner:innen ist sehr viel geringer, als man vielleicht denkt. Verschiedene Studien kommen je nach Differenzierung zu Ergebnissen zwischen 6 bis 16% (Metag et al., 2017, Steentjes et al., 2017). Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr eine:n waschechte:n Klimaleugner:in vor euch habt, ist relativ gering. Viel wahrscheinlicher ist es, dass eurem Gegenüber andere Aspekte wichtig sind und er: sie einfach eine andere Perspektive auf das Thema hat. Mit ein bisschen Detektivarbeit und geschickten Fragen könnt ihr sicher einen gemeinsamen Nenner finden und gemeinsam euer Verständnis für die jeweilig andere Position vertiefen.

2.

Die zweite gute Nachricht: Ob Energiewende, Mobilität, grüner Wasserstoff oder Kreislaufwirtschaft – in allen Bereichen der Nachhaltigkeitsdebatte bieten wissenschaftliche Erkenntnisse ein Fundament für sachliche und geerdete Diskussionen. Sowohl zur wissenschaftlichen Faktenlage als auch zu Best-Practices der Klimakommunikation gibt es viele hilfreiche Materialien, die euch als Werkzeug für gute Gespräche über Nachhaltigkeit dienen können. Die Einführung in Teil I liefert euch bereits einen ersten Einstieg, aber auch das Wissenszentrum der Scientists for Future oder renommierte Forschungseinrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) oder die Helmholtz Klimainitiative stellen aufbereitete Materialien zum aktuellen wissenschaftlichen Sachstand zur Verfügung. Und die hier folgenden Ausführungen bieten euch Handreichungen zur Praxis guter Nachhaltigkeitskommunikation.

Ein guter Ausgangspunkt, sich mit nachhaltigkeits-relevanten Kommunikationsmustern vertraut zu machen, sind die folgenden, vom Forschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) identifizierten, 4 Argumentationslinien:

1. Verantwortung weitergeben: „Die anderen zuerst“

Beispiele sind Variationen des „Aber China stößt doch viel mehr CO2 aus…-Arguments“ welches ihr bereits vom Aber-Hans aus dem Abschnitt Klimapsychologie kennt.

Gegenargument: Globale Probleme erfordern gemeinsame Anstrengungen. Während es wichtig ist, dass alle Nationen beitragen, sollte dies nicht als Entschuldigung dienen, um selbst untätig zu bleiben. Jeder muss Verantwortung übernehmen.


2. Zu schwache Maßnahmen propagieren: „Einschneidender Wandel ist nicht nötig“ 

Typische Beispiele sind die Hoffnung auf technologische Lösungen wie z.B. Wasserstoff als Energiequelle oder CO2-Abscheidung aus der Luft oder auch der Umstieg auf elektrische PKW ohne das aktuelle Mobilitätssystem grundlegend zu verändern.

Gegenargument: Die Dringlichkeit des Klimawandels erfordert einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel. Technologische Lösungen allein reichen nicht aus, sondern es braucht strukturelle Veränderungen, die auch individuelle Verhaltensänderungen hin zu einem nachhaltigen Lebensstil unterstützen bzw. ermöglichen.


3. Die Nachteile betonen: „Veränderung wird uns schaden”

Beispiele sind der Verweis auf soziale Folgen oder den internationalen Wettbewerb.

Gegenargument: Langfristige Vorteile überwiegen die kurzfristigen Nachteile. Eine nachhaltige Transformation schafft nicht nur Umweltgewinne, sondern fördert auch Innovation, schafft neue Arbeitsplätze und stärkt die internationale Position.


4. Vorschnell kapitulieren: „Wir können eh nichts mehr tun“

Ein typisches Beispiel ist der ausschließliche Fokus auf Klimawandelanpassung anstatt Klimaschutzmaßnahmen.

Gegenargument: Es ist nie zu spät, Maßnahmen zu ergreifen. Auch wenn Anpassung wichtig ist, müssen wir gleichzeitig entschlossen handeln, um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Gemeinsame Anstrengungen können positive Veränderungen bewirken.


Bei allen vier Strategien handelt es sich um Verzögerungstaktiken, die dazu dienen sollen, den wissenschaftlich erwiesenen Handlungsbedarf zu umgehen. Das ist aus psychologischer Sicht nachvollziehbar, angesichts der physikalischen Gesetzmäßigkeiten des Klimasystems jedoch nicht zielführend. Diese Argumentationsmuster zu (er-)kennen, bedeutet auch, dass man sich auf gängige Gegenargumente vorbereiten kann und so mehr Sicherheit im Klima- und Nachhaltigkeitsdiskurs erlangt.

Könnt ihr typische Verzögerungstaktiken erkennen? Probiert doch mal das Quiz „Nicht ich. Nicht jetzt. Nicht so. Zu spät“ aus.
Übrigens, das dazugehörige Poster macht sich auch gut an Bürotüren oder in der Teeküche.

Zu guter Klima- und Nachhaltigkeitskommunikation gehört jedoch nicht nur, die Argumentationsmuster des jeweiligen Gegenübers zu erkennen, sondern auch, die eigenen Botschaften verständlich und zielgruppengerecht aufzubereiten. Wie das geht, erklärt das Handbuch „Über Klima sprechen“. Neben der klassischen Buch-Variante sind alle Kapitel auch kostenfrei digital verfügbar, sowohl in praxis-orientierter Kurzform mit Tipps und Übungen als auch in Langversion zum Herunterladen. Darüber hinaus werden alle Kapitel auch als Videos und Podcastfolgen präsentiert. Das Handbuch ist eine fundierte, praxis-orientierte Einführung in das Thema.

Für ganz Eilige gibt es alternativ den knackigen Leitfaden des One Planet Labs, der auf zehn Seiten eine erste Orientierung bietet.

Merkmale guter Klimakommunikation

Gute Kommunikation ist entscheidend, um das Bewusstsein für den Klimawandel zu schärfen, Menschen zu motivieren und Veränderungen im Verhalten herbeizuführen. Hier sind einige wichtige Aspekte guter Klimakommunikation:

1. Klarheit und Verständlichkeit

Kommunikation sollte klar, einfach und verständlich sein, ohne den wissenschaftlichen Kontext zu vernachlässigen. Vermeiden Sie Fachbegriffe, erklären Sie komplexe Zusammenhänge und verwenden Sie anschauliche Beispiele, um sicherzustellen, dass die Botschaft bei einem breiten Publikum ankommt.

2. Relevanz für die Zielgruppe

Die Botschaft muss für die Zielgruppe relevant sein. Identifizieren Sie die spezifischen Interessen, Bedenken und Werte Ihrer Zielgruppe und betonen Sie, wie der Klimawandel diese direkt beeinflussen kann. Personalisierte Geschichten und lokale Beispiele können die Relevanz erhöhen.

3. Positiver Fokus und Handlungsmöglichkeiten

Stellen Sie nicht nur die Probleme dar, sondern betonen Sie auch positive Entwicklungen und Lösungsansätze. Bieten Sie konkrete Handlungsmöglichkeiten an, damit die Menschen das Gefühl haben, etwas tun zu können. Positive Geschichten können Motivation und Engagement fördern.

4. Vertrauenswürdige Quellen und Expertise

Nutzen Sie vertrauenswürdige Quellen und Expert:innen, um die Glaubwürdigkeit Ihrer Botschaft zu stärken. Zeigen Sie wissenschaftliche Konsenspunkte auf und vermeiden Sie Fehlinformationen. Transparente Kommunikation über Unsicherheiten und Risiken ist ebenfalls wichtig.

5. Emotionale Verbindung

Emotionen spielen eine entscheidende Rolle in der Kommunikation. Geschichten, Bilder und Videos können eine emotionale Verbindung herstellen und Empathie erzeugen. Der Fokus sollte darauf liegen, wie der Klimawandel das Leben der Menschen beeinflusst, um eine persönliche Resonanz zu schaffen.

6. Langfristige Perspektive

Betonen Sie die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels und wie heutige Entscheidungen die Zukunft gestalten. Dies fördert ein Gefühl der Verantwortung und den Wunsch, nachhaltigere Praktiken zu unterstützen.

7. Vielfältige Kommunikationskanäle

Nutzen Sie eine Vielzahl von Kommunikationskanälen, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Soziale und traditionelle Medien, Veranstaltungen, Schulungen und andere Formate ermöglichen eine breite Streuung der Botschaft.

8. Konsistenz und Wiederholung

Wiederholen Sie Schlüsselbotschaften, um sicherzustellen, dass sie sich im Gedächtnis verankern. Konsistenz in der Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg stärkt die Wirkung.

9. Partizipation und Dialog

Schaffen Sie Raum für Dialog und Partizipation. Ermöglichen Sie einen offenen Austausch von Ideen und Meinungen, um eine aktive Beteiligung und Identifikation mit den Zielen der Klimakommunikation zu fördern.

10. Anpassung an kulturelle Kontexte

Berücksichtigen Sie kulturelle Unterschiede und Kontexte, um sicherzustellen, dass die Botschaft respektvoll und effektiv an unterschiedliche Gemeinschaften angepasst ist.

Weiterführende Links:

Eine Einladung zum Nach- und Weiterdenken: Kann man sich „unpolitisch“ für Nachhaltigkeit einsetzen? Und wenn nein, ist das ein Problem?

  • Individuelles nachhaltiges Handeln ist zwar sehr wichtig, aber nicht ausreichend, um die systemische Veränderung hervorzurufen, die es insbesondere für ökologische Nachhaltigkeit braucht. Gesellschaftliche Gestaltung braucht auch kollektives Handeln und Beteiligung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen.
  • Viele Aspekte nachhaltiger Entwicklung sind bereits im Grundgesetz oder anderen Gesetzestexten enthalten (z.B. keine Diskriminierung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, etc.).
  • Klima-Kleber versus Bauernproteste? Aktionsformen des zivilen Ungehorsams können schnell polarisieren, haben aber historisch in vielen sozialen Bewegungen eine große Rolle gespielt (wie z.B. bei der Abschaffung der Sklaverei und der Rassentrennung oder bei der Einführung des Frauenwahlrechts). Wichtig ist, dass Engagement viele verschiedene Formen annehmen kann und dies gilt auch für das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit.
  • Wo sich Freiwilligenagenturen in diesem Spektrum verorten, bedarf eines kritischen Reflexionsprozesses. In welchem Bereich kann oder möchte eine FWA stärker auftreten? Wo liegen Grenzen?
  • „Es ist sehr schwer, nach Feierabend ehrenamtlich die Welt zu retten, wenn andere sie hauptamtlich zerstören.“ (Zitat Eckart von Hirschhausen)
    Muss Engagement für nachhaltige Entwicklung dann nicht geradezu politisch sein?