21.12.2021

Vielbeachtete Engagementorganisation mit großen Potenzialen: Ermutigende Befunde der dritten Wiederholungsbefragung von Freiwilligenagenturen in Deutschland

Was leisten Freiwilligenagenturen, wie arbeiten sie, wohin wollen sie sich entwickeln?

Bereits in zwei Erhebungswellen wurde diesen Fragen nachgegangen, zuerst im Jahr 2001 in einer explorativen Untersuchung, dann 2009 in einer umfassenden qualitativen und quantitativen Erhebung. Jetzt kann die bagfa neue Ergebnisse vorlegen: Wiederum ein Jahrzehnt später wurde 2020 eine quantitative Wiederholungsbefragung durchgeführt. Dabei befragten Wissenschaftler:innen von den Universitäten Oldenburg und Halle Freiwilligenagenturen in Deutschland zu ihrem Selbstverständnis, den aktuellen Aufgaben und Leistungen sowie Organisationsstrukturen. Die nunmehr dritte Wiederholungsbefragung gibt profunde Einblicke in die Entwicklung von Freiwilligenagenturen und die Bedeutung kommunaler Engagementförderung.

Speck, Karsten, Backhaus-Maul, Holger und Krohn, Maud (2021): Freiwilligenagenturen in Deutschland. Die Befunde der dritten quantitativen Wiederholungsbefragung, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V., Berlin. 

Die Druckversion zum Download finden Sie hier. (Das PDF haben wir der Druckfassung angepasst.)

Hinweis: Ab 15. Januar 2022 kann der Bericht auch als Druckversion, mit einer formlosen E-Mail an bagfa@bagfa.de, bestellt werden.

Aus dem Bericht: „Überblick über wesentliche Ergebnisse der Studie“

1. Positive Entwicklung der Landschaft der Freiwilligenagenturen:

Die Anzahl der Freiwilligenagenturen hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen: Während es im Jahr 2009 bundesweit 360 Freiwilligenagenturen waren, gab es im Jahr 2019 bereits 406 Freiwilligenagenturen. Im Vergleich zu 2009 zeigen sich leichte Veränderungen. Entgegen des bundesweiten Ausbaus von Freiwilligenagenturen ist in Ostdeutschland – bei einer insgesamt geringeren Verbreitung – eine rückläufige Entwicklung zu beobachten.

2. Große organisationale Heterogenität von Freiwilligenagenturen:

Die Landschaft der befragten Freiwilligenagenturen zeichnet sich durch eine große Heterogenität aus. Die eine Hälfte der Freiwilligenagenturen wurde bis 2007 und die andere Hälfte danach gegründet. Die befragten Freiwilligenagenturen agieren zudem in verschiedenen Wirkungsumfeldern, die von ländlichen Regionen und Kleinstädten über mittelgroße Städte bis hin zu Großstädten reichen. Eine große Heterogenität gibt es auch bei der Trägerschaft. Etwa ein Drittel der befragten Freiwilligenagenturen wird in Trägerschaft eines eigenständigen Vereins oder in kommunaler Trägerschaft, ein Viertel in Trägerschaft eines Wohlfahrtsverbandes und ein Zehntel in Trägerschaft eines Verbundes mehrerer Organisationen betrieben. Andere Trägerschaften sind die Ausnahme. Auffällig ist, dass sich in den letzten zehn Jahren der Anteil der Organisationen, die sich in kommunaler Trägerschaft befinden, deutlich erhöht hat.

3. Verbesserte Ressourcenausstattung von Freiwilligenagenturen:

Die personelle und finanzielle Ausstattung der Freiwilligenagenturen hat sich in den letzten zehn Jahren spürbar verbessert: Über die Hälfte der Freiwilligenagenturen beschäftigt ein bis zwei Mitarbeiter*innen. Nur ein kleiner Teil der befragten Freiwilligenagenturen gibt einen Personalrückgang an bzw. hat gar kein hauptamtliches Personal. Hinsichtlich der Finanzierung verfügt etwa die Hälfte der Freiwilligenagenturen über einen Jahresetat von bis zu 50.000 Euro, während die andere Hälfte einen Jahresetat von über 50.000 EUR aufweist. Zugenommen hat der Anteil der kommunalen Finanzierung für Freiwilligenagenturen. Insgesamt ist die Spannweite der Finanzierungsquellen von Freiwilligenagenturen allerdings sehr groß. Beachtung verdienen dabei die oftmals notwendigen, sachlich nicht aber immer sinnvollen Mischfinanzierungen und die nach wie vor ausstehende dauerhafte Finanzierung von Freiwilligenagenturen.

4. Kernprofil wird von vielen Freiwilligenagenturen abgedeckt:

Etwa vier Fünftel der Freiwilligenagenturen decken die Arbeitsbereiche

a) Information und Beratung von Freiwilligen,
b) Zusammenarbeit mit Organisationen,
c) Vermittlung von Freiwilligen sowie
d) Öffentlichkeitsarbeit für freiwilliges Engagement und damit ein Kernprofil von Freiwilligenagenturen im Bereich der Vermittlung ab.

Darüber hinaus bieten sehr viele Freiwilligenagenturen weitere Arbeitsbereiche an, wie z. B. Vernetzungsarbeit, Projektentwicklung und Qualifizierungsangebote, jedoch in sehr unterschiedlicher Intensität und abhängig von der Personal- und Finanzausstattung.

5. Verstärkte kommunale Aktivitäten und Akzeptanz von Freiwilligenagenturen:

Die befragten Freiwilligenagenturen zeichnen sich im Vergleich zur Situation vor zehn Jahren über eine stärkere Verankerung und Akzeptanz in ihren Kommunen aus. So sind Freiwilligenagenturen häufiger in lokale Netzwerke eingebunden, kooperieren mit mehr lokalen Akteuren und Organisationen, agieren häufiger als lokale Akteure, haben häufiger Ansprechpersonen in der Kommunalverwaltung und fühlen sich besser in ihrer Kommune wahrgenommen. Dabei hängen sowohl die eigenen Aktivitäten als auch die kommunale Akzeptanz stark von der Personal- und Finanzausstattung von Freiwilligenagenturen ab.

6. Selbstverständnis von Freiwilligenagenturen als gemeinnütziger lokaler Akteur, als Projektentwickler*innen und Berater*innen in gesellschaftlich relevanten Themen:

Die große Mehrzahl der Freiwilligenagenturen versteht sich selbst als gemeinnütziger lokaler Akteur. Als politischer oder wirtschaftlicher Akteur sieht sich nur ein kleiner Teil der Freiwilligenagenturen. Als künftige Arbeitsfelder werden von Freiwilligenagenturen

  1. die Entwicklung und Umsetzung von Projekten,
  2. die Beratung von Organisationen, Vereinen und Initiativen sowie
  3. die lokale Vernetzung für freiwilliges Engagement benannt.

Als Zukunftsthemen für die eigene Arbeit geben über die Hälfte der Freiwilligenagenturen Digitalisierung, Integration (bezogen auf Menschen mit Migrationsgeschichte), Demokratiestärkung, Inklusion (bezogen auf Menschen mit Behinderungen) und Klimaschutz an.

7. Hohe Zufriedenheit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft (bagfa) und den Landesarbeitsgemeinschaften (lagfa) der Freiwilligenagenturen:

Die große Mehrheit der Freiwilligenagenturen fühlt sich durch die Bundesarbeitsgemeinschaft und die Landesarbeitsgemeinschaften gut informiert und ist mit deren Arbeit zufrieden.


Vgl.: Speck, Karsten, Backhaus-Maul, Holger und Krohn, Maud (2021): Freiwilligenagenturen in Deutschland. Die Befunde der dritten quantitativen Wiederholungsbefragung, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V., Berlin, S.4/5.