Ergebnisse einer anonymen Online-Befragung zu arbeitsbezogenen Anfeindungen, Handlungssicherheit und Unterstützungsbedarfen als bagfa-Analyse erschienen.
Was berichten Mitarbeitende aus Freiwilligenagenturen über Anfeindungen, Handlungssicherheit und mögliche Unterstützungsbedarfe in ihrem Arbeitsalltag? Der Hauptbericht zur bagfa-Studie „Freiwilligenagenturen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Polarisierung“ gibt nun ein umfangsreiches Bild zur Situation vor Ort und ist neu als bagfa-Analyse erschienen. Er vertieft die Ergebnisse des bereits veröffentlichten Kurzberichts und bietet eine ausführliche Darstellung der Online-Umfrage zu arbeitsbezogenen Anfeindungen, Handlungssicherheit und Unterstützungsbedarfen in Freiwilligenagenturen. Die Studie wurde von Dr. Benjamin Haas im Rahmen des bagfa-Projekts „Schutz und Prävention in der Alltagspraxis von Freiwilligenagenturen verankern“ erarbeitet, das durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gefördert wurde.
Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Von einer flächendeckenden Eskalation von Anfeindungen kann nicht gesprochen werden. Zugleich zeigt die Befragung aber, dass Anfeindungen, Einschüchterungen oder Bedrohungen für einen relevanten Teil der Mitarbeitenden von Freiwilligenagenturen ein Thema sind. So liegt bei knapp einem Viertel der Befragten entweder eine klare Betroffenheit oder zumindest eine relevante Unsicherheit in der Einordnung von Vorkommnissen vor.
Besonders deutlich wird: Die berichteten Vorfälle zeigen sich meist nicht als extreme Übergriffe, sondern vor allem im Alltag der Agenturarbeit – etwa durch Beleidigungen und Hasskommentare, Störungen in Beratungen oder Veranstaltungen, Drohungen, symbolische Sachbeschädigungen oder belastende Kommunikation im digitalen Raum. Von körperlicher Gewalt wurde nicht berichtet. Betroffen sind damit vor allem die Kontaktflächen, an denen Freiwilligenagenturen sichtbar, offen und ansprechbar sind: Beratung, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media und der öffentliche Nahraum.
Der Hauptbericht richtet den Blick deshalb nicht nur auf einzelne Vorfälle, sondern vor allem auf Handlungssicherheit und Prävention. Besonders hilfreich erscheinen den Befragten praxisnahe Angebote: Deeskalations- und Moderationstrainings, kurze Notfallpläne, Checklisten für Veranstaltungen und Büro, Formulierungshilfen sowie Codes of Conduct.
14 % der Befragten berichten von mindestens einer Anfeindung, Einschüchterung oder Bedrohung in den letzten zwölf Monaten; weitere 9 % sind unsicher, ob sie Erlebtes so einordnen würden.
Damit unterstreicht der Bericht von Dr. Benjamin Haas: Es geht nicht um Alarmismus, sondern um strukturierte Prävention. Freiwilligenagenturen brauchen handhabbare Instrumente, klare Zuständigkeiten und alltagstaugliche Unterstützung, um auch in angespannten gesellschaftlichen Situationen offene, demokratische und vielfältige Engagementräume gestalten zu können.
Was wir Freiwilligenagenturen mitgeben möchten – in 8 Sätzen:
- Unsere Erfahrung zeigt: Es hilft, das Thema ernst zu nehmen, ohne es größer zu machen, als es ist.
- Viele Situationen sind uneindeutig – Klarheit entsteht, wenn Teams eine gemeinsame Sprache dafür finden.
- Schutz beginnt an den Kontaktflächen: Beratung, Veranstaltungen, online, öffentlicher Nahraum.
- Haltung trägt – aber Handlungssicherheit entsteht durch eingeübte, kleine Routinen.
- Die wichtigsten Kompetenzen sind kommunikativ: Deeskalation, Moderation, Umgang mit Narrativen.
- Externe Unterstützung ist ein legitimer Teil von Prävention, nicht erst „im Ernstfall“.
- Kleine, umsetzbare Schritte unter knappen Ressourcen sind oft wirksamer als große Konzepte.
- Netzwerkarbeit ist ein Potential: Erfahrungen teilen, voneinander lernen und Unterstützung im Verbund organisieren kann Handlungssicherheit oft stärker erhöhen als isolierte Einzelmaßnahmen.

Über den Autor
Dr. Benjamin Haas ist freiberuflicher Forscher und Berater u.a. im Bereich Zivilgesellschaft und Engagement (www.benhaas.de) sowie im Vorstand von Voluntaris e.V. (www.voluntaris.de). Er war als wissenschaftlicher Begleiter des Projekts „Schutz und Prävention“ für Konzeption, Durchführung und Auswertung der Studie verantwortlich und hat die Ergebnisse in enger Abstimmung mit der bagfa analytisch eingeordnet und praxisnah aufbereitet.