Im Einklang mit Mensch und Gesellschaft Künstliche Intelligenz nutzen: 55 Minuten mit Monika Ilves über „demokratische KI“

Zwischen Hype und Skepsis eine fundierte Haltung finden: Einsichten aus dem Digitaltalk am 24. November 2025

Es ist rund zwei Jahre her: Im Jahr 2022 ging der Chatbot ChatGPT online – seitdem entwickelt sich generative Künstliche Intelligenz immer rasanter weiter. KI-Tools können bereits viele Aufgaben in unserer täglichen Arbeit übernehmen und bieten viele Möglichkeiten. Mit dem Hype kommt aber auch die Diskussion um eine verantwortungsvolle Nutzung der Künstlichen Intelligenz.

Die Unterzeichner:innen des Code of Conduct | Foto: D64 – Boris Saposchnikow

Eine Orientierung für den Umgang ChatGPT und weiteren Tools bietet der „Code of Conduct demokratische KI“, den federführend das D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V. in einem partizipativen Prozess entwickelte. Auch die bagfa unterstützt das Papier als Erstunterzeichnerin. Doch was bedeutet eigentlich eine „Demokratische KI“? Welche Abwägungen und Überlegungen sollte man bei der Nutzung von KI-Tools treffen? Und welche Folgen wird Künstliche Intelligenz für unsere Arbeit in der Zivilgesellschaft haben? Diese und viele weitere Fragen diskutierten wir am 24. November mit Monika Ilves, Vorstandsmitglied von D64, in einer weiteren Ausgabe unserer Reihe „55 Minuten mit…“.

Vor rund 50 anwesenden Teilnehmenden gab sie Einblicke in den Code of Conduct und plädierte für einen reflektierten Umgang mit KI. Dabei betonte sie: Bei der Gestaltung und dem Einsatz von KI-Tools sollte der Mensch im Vordergrund stehen. Das ist nur eine Einsicht aus dem Digitaltalk mit Monika Ilves, weitere sind in dieser Kurzdokumentation zu finden.

Der Digitaltalk ist zum Nachhören hier auf unserem YouTube-Kanal zu finden.

1. Die unreflektierte Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist problematisch – was es braucht, sind klare Leitlinien

Zum Start des Digitaltalks wurde deutlich: KI biete viele Möglichkeiten und kann Aufgaben im Arbeitsalltag übernehmen. Monika Ilves verdeutlicht hier: Wer gut delegieren könne, erzielt mit Künstlicher Intelligenz gute Ergebnisse. Als Beispiel nannte sie gemeinsames Brainstorming, etwa um verschiedene Perspektiven auf einen Sachverhalt zu beleuchten. Hier sei es aber enorm wichtig, die KI-Ergebnisse einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.

Die unreflektierte Nutzung von generierten Inhalten, Texten und Erkenntnissen stellt für das D64-Vorstandsmitglied ein großes Problem dar: Hierdurch entstünden etwa Desinformationen, falsche Erkenntnisse oder der sogenannte „AI-Slop“, der sich auch im Netz verbreite. Erforderlich seien klare Leitlinien, die verhindern, dass KI fahrlässig genutzt wird.

2. Weder Hype noch Skepsis sind angebracht, vielmehr sollten wir KI in Einklang mit den Menschen und der Gesellschaft bringen

Auch in der Zivilgesellschaft gibt es Skeptiker und Enthusiasten in der Nutzung von KI. Monika Ilves bestätigt: Damit sind gemeinnützige Organisationen repräsentativ für die gesamte Diskussion um Künstliche Intelligenz. Diese beiden Pole brauche es aber, um zu einer differenzierten Auseinandersetzung zu kommen. Der „Code of Conduct Demokratische KI“ biete hier eine erste Orientierung – als gemeinsame Leitlinie der organisierten Zivilgesellschaft. Denn für die Digitalexpertin müssten Risiken und Verantwortung für KI und deren Folgen gemeinsam getragen werden.

Doch was bedeutet eine „Demokratische KI“. Für Ilves sei es wichtig, Künstliche Intelligenz in Einklang mit dem Menschen zu bringen. Ein gerechtes KI-Ökosystem stelle einen wichtigen Faktor dar, um KI mit demokratischen Werten zu verknüpfen und zum Wohle der Gesellschaft zu gestalten. Soziale Gerechtigkeit, Teilhabe, Nachhaltigkeit und Demokratie nannte sie als wichtige Prämissen.

3. Die Nutzung von KI-Tools sollte klar abgewogen werden, hier spielen unterschiedliche Perspektiven eine wichtige Rolle

Die Digitalexpertin teilte mit den anwesenden Kolleg:innen einen Eindruck: Bisher halte sich die Arbeitszeit, die KI einspart, stark in Grenzen, was sich natürlich noch ändern könne. Insgesamt plädierte Monika Ilves für eine klare Abwägung bei der Nutzung von KI. Hier spielten – je nach Organisation – unterschiedliche Perspektiven eine Rolle: In der Pflege oder dem sozialen Bereich lege der Fokus auf Transparenz, Datenschutz und soziale Ungleichheit, ökologische Akteure setzten ihn stärker auf Nachhaltigkeit und den immensen Energieverbrauch von Künstlicher Intelligenz. Diese Abwägungen des Nutzens sei auch ein wichtiger Baustein im kürzlich erschienenen Code of Conduct.

In dem Digitaltalk empfiehl sie, sich klare Ziele im Einsatz von KI zu setzen: Welche Prozesse möchte ich durch Tools verbessern? Braucht es hierfür wirklich Künstliche Intelligenz oder eigentlich eine gängige Prozessoptimierung? Diese und weitere Fragen sollten geklärt werden, bevor man eine „KI-Workflow“ starte. Sie rät davon ab, nur auf die schnellen Gewinne zu schauen, sondern auch die problematischen Seiten – Stichwort Desinformationen, fehlende Regularien etc. – nicht aus den Augen verlieren. Der Mensch müsse bei generativer KI im Vordergrund stehen.

4. Um als Organisation gut auf den Wandel durch Künstliche Intelligenz vorbereitet zu sein, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand

Besonders wenn verschiedene Technologien ineinandergreifen, entstehe großes Potenzial, erklärt Ilves. Wenn etwa KI mit Robotik und weiteren technischen Neuerungen zusammenwirken, könnten große Veränderungen entstehen. Hieraus leitet sie auch eine Botschaft für die Zivilgesellschaft ab: Man solle das große Ganze im Blick behalten und sich weniger auf den KI-Hype und einzelne technische Neuerungen fokussieren. Als Organisation sei man breiter aufgestellt und besser auf Wandel vorbereitet, wenn man verschiedene technische Entwicklungen beobachtet. Sie betonte außerdem, dass Wissen rund um die KI eine wichtige Basis sei, um überhaupt anzufangen.

5. Suchmaschinen verändern sich derzeit grundlegend, Freiwilligenagenturen können trotzdem sichtbar bleiben

Mit der „Übersicht mit KI“ (AI-Overview) von Google ändert sich auch das Nutzungsverhalten mit der Suchmaschine: Statt einzelne Websites zu besuchen, lesen sich Nutzer:innen eher die Zusammenfassung des Overviews durch. Dies ändert auch die Sichtbarkeit im digitalen Raum. Für Monika Ilves kein Grund zur Panik: Freiwilligenagenturen könnten weiterhin über Suchmaschinen auffindbar sein, wenn sie die Funktionslogik von Künstlicher Intelligenz berücksichtigen. Klare Aussagen, verständliche Struktur und gute Zitierfähigkeit helfen, dass maschinelle Modelle die Texte auf der eigenen Webseite gut auswerten können.

Zum Abschluss formulierte Ilves einige wichtige „Do’s“ im Umgang mit KI: Die Technologie hat sich schnell entwickelt und wird in unserer Welt bleiben. Daher solle man gemeinsam mit der KI wachsen und einen reflektierten Umgang mit ihr finden. Hier helfe es auch, Erfahrungen auszutauschen: Für die Vorständin sei es wichtig, sich zusammenschließen und in den Dialog zu treten – etwa mit anderen Vereinen oder Organisationen. Nachhaltigkeit bedeute auch, neben der bloßen Nutzung, auch strategische Überlegungen über Künstliche Intelligenz anzustellen.

Zur Person

Monika Ilves, Vorstandsmitglied bei D64 und Co-Direktorin des Institute of Electronic Business (IEB), ist systemische Business Coach und ausgewiesene Expertin für digitale Transformation. Mit einem Master in Online-Kommunikation und Entrepreneurship widmet sie sich u.a. der Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse über Zukunftstechnologien anwenderorientiert zu vermitteln. Sie betreut Change-Management-Projekte im Bereich der Digitalisierung, Mitarbeiterentwicklung und strategische Unternehmensentwicklung.

Foto: D64/Fionn Große