Warum wir weiter zuversichtlich Engagement gestalten: Eindrücke von der 27. Jahrestagung der Freiwilligenagenturen vom 24. bis 26. Juni in Würzburg
Alle Fotos: Daniela Hütter
Trotz heißer Temperaturen ist Austausch, Diskussion und inhaltlicher Tiefgang möglich. Das lässt sich nach der 27. Jahrestagung der Freiwilligenagenturen sicherlich festhalten. Rund 170 Kolleg:innen aus ganz Deutschland kamen vom 24. bis 26. Juni 2026 in Würzburg zusammen – eingeladen hatten die bagfa und die lagfa bayern e.V. zu einer gemeinsamen Tagung im Burkardushaus.
Im Mittelpunkt der 2 ½ Tage stand das „Erfolgsmodell Freiwilligenagentur“ und eine zentrale Frage: Wie können wir weiterhin zuversichtlich Engagement stärken? In Würzburg ging es also nicht um eine naive Selbstbeschreibung, sondern um eine genaue Analyse, denn die Stärken der Freiwilligenagenturen hatten genauso Platz wie gesellschaftliche Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Engagement und bisher nicht gehobene Potenziale. Im Vordergrund stand dabei ein klares Ziel unserer Arbeit: Mit erfolgreichen Strategien und Angeboten Veränderungen anstoßen sowie Teilhabe und Selbstwirksamkeit fördern.
Das Thema der Jahrestagung bot also einigen Gesprächsstoff: In Impulsen, Workshops, Austauschrunden und Paneldiskussionen näherten sich die Teilnehmenden dem Erfolgsmodell Freiwilligenagentur an. Hinzu kamen lockere Momente, in denen die Kolleg:innen gemeinsam Würzburg erlebten, Zeit für Gespräche hatten oder beim gemeinsamen Abendessen die Welt der Freiwilligenagenturen kurz hinter sich ließen.
Zuversicht als Begriff zog sich in den 2 ½ Tagen wie ein roter Faden durch die Diskussionen: Wie können wir Zuversicht spenden? Was stimmt uns zuversichtlich? Was bereitet Sorgen und trübt unsere Zuversicht – etwa mit Blick auf politische Unsicherheiten, finanzielle Kürzungen und gesellschaftliche Stimmungen? Somit war die Tagung eine Selbstverortung, Selbstvergewisserung und auch ein Blick in die Zukunft, in der wir Engagement für alle Menschen weiterhin mit passenden Angeboten, Kreativität und guten Ideen fördern.
Die Jahrestagung in Zahlen
170 Teilnehmende kamen in Würzburg zusammen, erkundeten 14 Praxisbeispiele aus Freiwilligenagenturen, diskutierten in 12 Sessions des Barcamps „Zukunft zuversichtlich“, lauschten 4 Impulsen mit Kennzahlen und Daten aus Engagement und Freiwilligenagenturen und folgten zwei Paneldiskussionen. Im Rahmen der Tagung wurde 6 Preise sowie 11 bagfa-Qualitätssiegel verliehen. Das Infoportal wurde dabei über 1.000 mal aufgerufen. Und so bewerteten die Kolleg:innen die Tagung: Auf einer Skala von 1 (nicht gut) bis 6 (sehr gut) vergaben die Teilnehmenden 5,4 Punkte auf die Frage, wie ihnen die Tagung gefallen hat.
Stimmen aus der Evaluation
„Die Mischung zwischen Input und Zeit für Austausch fand ich für mich ideal und in einer guten Balance. Ich kann mich nicht entscheiden, welcher Workshop oder welcher Vortrag am wichtigsten war, überall konnte ich etwas für meine Arbeit herausziehen.“
„Gerne weiter bei der Mischung zwischen Input/Vortrag und Austausch/Workshop bleiben. Das Barcamp fand ich sehr gelungen und bot Platz für Spontanes.“
„Schade, dass man keinen Zeitumkehrer hat, um in alle Workshops zu gehen.“
„Super Orga, super Räumlichkeiten, schönes Begleitprogramm – danke! Es war eine klasse Tagung und ich habe erfrischende Inspirationen mitgenommen.“
„Der Mix aus Methoden und Wissenschaft, Workshop, Praxis war genial, auch die interaktiven Formate waren toll.“
„Die Hitze machte die Tagung ein wenig anstrengender, aber nicht weniger interessant. Die Möglichkeit, immer kalte Getränke zu bekommen, und eine leichte Speisenauswahl fand ich für die Umstände perfekt. Ich freue mich auf die nächste Tagung.“
Mittwoch, Tag 1
Stimmungsvoller Auftakt trotz Hitzewelle: Tagungsstart und Begrüßungen
Die Freiwilligenagenturen zu Gast im „kühlsten Raum Würzburgs“: So nannte Tagungsmoderatorin Eva-Maria Antz den Döpfner-Saal im Burkardushaus, in dem viele der Programmpunkte stattfanden. Zum Start der Tagung bei sommerheißen Temperaturen begrüßte sie gemeinsam mit ihrer Co-Moderation Jamila Martin (bagfa e.V.) die Teilnehmenden der 27. Jahrestagung der Freiwilligenagenturen. Das „Erfolgsmodell“ bilde ein wichtiges Schlagwort für die Tagung, betonten die Moderatorinnen.
Man wisse schon viel über Freiwilligenagenturen und könne diese Erkenntnisse teilen und reflektieren. Trotzdem sei es angesichts vieler (globaler) Krisen und Herausforderungen gar nicht so leicht, zuversichtlich zu bleiben. Bei der Tagung gehe es also auch darum, sich Mut zuzusprechen und sich gegenseitig zu bestärken. Außerdem wolle man herausfinden, woraus sich Kraft schöpfen lasse und wie wir auf Zukunftsfragen eingehen können.
Die Kolleg:innen aus den Freiwilligenagenturen zeigten dann direkt, wie sehr sie sich auf den Austausch freuten: Die Frage „Wie zuversichtlich seid ihr im Hinblick auf Engagement?“ löste eine hörbar leidenschaftliche Diskussion unter den Teilnehmenden aus.
Anschließend folgte eine Begrüßung, aus der sich bereits Kraft schöpfen ließ: Der dritte, ehrenamtliche Bürgermeister von Würzburg, Joachim Spatz, hieß die Teilnehmenden in der Stadt am Main willkommen.
Dabei betonte er die Relevanz von Engagement, als „tragende Säule“ der Gesellschaft in Zeiten von multiplen Krisen. Mit Blick auf aktuelle Zahlen zum Engagement betonte er, dass es auch um die Wirkung gehe: Freiwilligenagenturen seien Orte, an denen Engagement ermöglicht wird. Auch wenn öffentliche Haushalte derzeit stark belastet seien, müsste man Engagementstrukturen fördern – denn jeder Euro lohne sich hier. Freiwilligenagenturen bildeten mit ihren Angeboten, Kooperationen und Projekten eine Grundlage für eine engagierte Zivilgesellschaft, so der Bürgermeister.
Ähnlich zuversichtlich begrüßte auch Gabi Schmidt, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt und Landtagsabgeordnete: „Mir ist nicht bange um das Ehrenamt“, betonte sie gegenüber den Teilnehmenden der Jahrestagung. Engagement finde in vielen Bereichen statt, Freiwilligenagenturen hätten die zentrale Aufgabe, „Menschen abzuholen“, die bisher nicht erreicht wurden, und ihnen Ängste zu nehmen. Gerade für potenzielle Freiwillige, die nicht durch Vereine oder etablierte Strukturen erreicht werden, seien Freiwilligenagenturen wichtig. Dabei fand die Ehrenamtsbeauftragte eine sehr wertschätzende Bezeichnung: „Die Freiwilligenagenturen sind die Perlentaucher, die wir brauchen“, sagte sie.
Die Relevanz von Freiwilligenagenturen als Infrastruktur werde gesehen, nicht zuletzt von der Politik, bescheinigte Olivia David, Co-Geschäftsführerin der bagfa, in einem Begrüßungsgespräch. Für sie stehe die Begegnung mit alten Bekannten, aber auch neuen Gesichtern im Vordergrund der Tagung, auch um die Bedarfe der Freiwilligenagenturen noch besser zu erkennen. Für bagfa-Vorsitzende Birgit Bursee seien die Ideen aus Freiwilligenagenturen eine wichtige Motivation, gerade in schwierigen Zeiten. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und unsichere politische Verhältnisse schöpft sie Zuversicht aus den Agenturen: „Irgendwie geht es immer weiter“, sagte sie im Gespräch.
Als Kooperationspartnerin lud auch die lagfa bayern e.V. zur Jahrestagung ein. Lagfa-Vorstand Sonja Geigenberger betonte in der Begrüßung die Stärken der bayrischen Freiwilligenagenturen: Diese wirken in die Fläche, zeichnen sich durch ihre Nähe zu den Bürger:innen aus und arbeiteten somit am Puls der Zeit. Dem schloss sich auch Eva Kurfer, Geschäftsführerin der lagfa Bayern, an: Die Freiwilligenagenturen sollten ihre Offenheit für Neues, ihre Begeisterung für Engagement, ihre wertschätzende Haltung und ihre Zuversicht auf jeden Fall beibehalten.
Von ländlichen Räumen, Kraftzentren und Engagementökosystemen: Eröffnungsrede von Prof. Dr. Marc Redepenning
Es gebe nicht den einen ländlichen Raum – vielmehr bestehen vielfältige, ausdifferenzierte ländliche Räume. So lautet eine zentrale These von Prof. Dr. Marc Redepenning. Mit einer Begrüßungsrede unter dem Motto „Des wird scho“ startete der Kulturgeograph von der Universität Bamberg den ersten wissenschaftlichen Impuls der Jahrestagung.
In den verschiedenen ländlichen Räumen könne man unterschiedliche Engagementökosysteme beobachten. Statt allein auf die Engagementquoten, die hier weniger eine Rolle spielten, müsse man bei der Förderung von Engagement auf dessen Gesamtbild von Formen (formalisiertes und informelles Engagement), Strukturen (wer leitet ein Engagement?) und Bereichen (Sport, Musik oder Soziales?) schauen. Zu den Aufgaben von Freiwilligenagenturen gehöre daher auch das genaue Beobachten und Kartieren, um zu erkennen, was Engagement in ländlichen Räumen genau braucht.
In seinem Impuls zeigte Prof. Redepenning anhand aktueller Forschungsdaten Besonderheiten des Engagements in ländlichen Räumen auf. Was sich in den Statistiken allerdings nicht abbilde, sei ein Phänomen, das als Stärke schwacher Beziehungen umschrieben werde. Gemeint sind damit etwa Nachbarschaften, in denen sich Menschen nicht unbedingt besonders nah und eng verbunden sind, sich aber dennoch austauschten und wechselseitig unterstützten.Für ein besseres Verständnis vom Engagement in ländlichen Regionen hilft, Vereine in ihrer „Dachfunktion“ zu betrachten: Im Fußballverein finde neben dem Sport als eigentlichem Zweck auch informelles Engagement statt, etwa wenn bei schulischen Fragen unterstützt, bei Anlässen wie Umzug geholfen und wenn gemeinsam ein vielfältiges Miteinander gestaltet wird.
Insgesamt gebe es für die Förderung von Engagement keine „one size fits it all“-Lösungen. Man müsse auf die lokalen Engagementökosysteme eingehen und die entscheidenden Parameter bedenken: Wenn die konkreten Bedingungen der räumlichen Lage, des sozialen Gefüges, der lokalen politischen Steuerung und der Art und Weise, wie Brücken zueinander gebaut werden, richtig kombiniert und genutzt werden, dann könnten Kommunen zu zivilgesellschaftlichen „Kraftzentren“ werden. Um dies zu erreichen, brauche es aber auch Unterstützung durch die öffentliche Hand: Bildungschancen müssten gesteigert und sozioökonomische Ungleichheit abgebaut werden, um Engagement für alle zu ermöglichen. Gleichzeitig seien professionelle Strukturen im Engagement notwendig, um nachhaltige Rahmenbedingungen zu schaffen.
„Des wird scho“: Ein engagementpolitischer Stammtisch diskutiert streitbare Thesen
Sollten Freiwilligenagenturen Wirthäuser betreiben? Und brauchen wir einen stärkeren Heimatbegriff in der Engagementförderung? Diese und weitere teils kontroverse Thesen diskutierte im Anschluss an die Eröffnungsrede ein engagementpolitischer Stammtisch.
Moderiert von Tobias Kemnitzer, Co-Geschäftsführer der bagfa, nahmen hier Gabi Schmidt, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt, Sonja Geigenberger, Vorstand der lagfa bayern e.V., Patrick Hoemke von der Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) und Prof. Marc Redepenning, Universität Bamberg, teil. Mit dabei waren natürlich auch die Teilnehmenden: Anhand von roten und grünen Stimmkarten bewerteten sie die engagementpolitischen Thesen und kommentierten den Stammtisch mit Wortbeiträgen.
Diese 9 engagementpolitischen Thesen diskutierten der Stammtisch und die Teilnehmenden – mit teils unterschiedlichen Ansichten:
- Wir müssen mehr von Heimat sprechen, also von Ehrenamt, Brauchtum und Tradition.
- Das Konzept des bürgerschaftlichen Engagements ist zu eng gedacht: Wir sollten auch mehr über das informelle, das unsichtbare Engagement sprechen, es stärken und sichtbar machen.
- Wir sollten auch unbequeme Wahrheiten härter und klarer aussprechen (Diskriminierung/Rassismus): Es gibt viel zu viele Schwellen und Ausgrenzungen für Zugezogene.
- Lasst uns die Freude und den Spaß im Ehrenamt in den Vordergrund rücken. Die Leute wollen einfach anpacken und nicht unbedingt gleich Demokratieretter sein.
- Freiwilligenagenturen sollten auch Wirtshäuser (Treffpunkte) betreiben, statt mehr digitale Fortbildungen anzubieten.
- Wenn die First Mover die wichtigsten Akteure sind, sollten wir weg von der breiten Gießkannen-Engagementförderung gehen.
- Wir müssen Engagement und Ehrenamt auch monetärer ausdrücken und die Leistungen für die Daseinsvorsorge klar machen. Also: was wird gespart durch den Bürgerbus?
- Lasst uns endlich einmal streiken: Ehrenamt und Engagement müssen endlich auch als kritische Infrastruktur verstanden werden. Hier muss der Staat auch verlässlich finanzieren.
- Die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts wird vor allem in den ländlichen Räumen verhandelt und entschieden werden. Das bedeutet: Mehr Provinz statt Berlin in unseren Diskursen!
Besonders kontrovers diskutierte der Stammtisch und das Publikum die These zum Heimatbegriff. Während das Publikum Heimat als wenig relevant in der Engagementförderung betrachtet, stellte Ehrenamtsbeauftragte Schmidt ein Detail heraus: Heimat sei auch immer ein Ort, an dem man mitgestalten könne. Unterschiedliche Meinungen gab es auch zum Thema „Spaß im Engagement“. Prof. Redepenning betonte, dass es bei Engagement um mehr als Spaß gehe. Demokratie, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung seien zentrale Aufgaben zivilgesellschaftlichen Engagements. Verschiedene Wortbeiträge sehen Spaß aber auch als wichtiges Narrativ, um Menschen für Engagement zu gewinnen.
Mehr Provinz statt Berlin – zu dieser These nahm auch Patrick Hoemke Stellung: Engagementdiskurse würden zu häufig über Städte geführt. Er führt aus, dass die DSEE in ihrer Arbeit die ländlichen Räume stark in den Blick nimmt, um Engagement hier zielgerichtet zu stärken Sonja Geigenberger plädierte daher für einen differenzierten Blick auf die jeweiligen Sozialräume: Auf dem Land sei wenigen mit einem Lastenrad geholfen, während es in der Stadt einen Unterschied machen könne.
Hilft es uns, so eine weitere These, die Wirkung von Engagement stärker monetär zu beziffern? Der Stammtisch war sich hier nicht einig. Die Bezifferung der Wirkung in Geldwerten kann für die Relevanz von Engagement nützlich sein, gegenüber Fördergeber:innen oder zur Anerkennung. Jedoch können man Engagement nicht nur an einer reinen Zahl messen – sein in unterschiedlichen Dimensionen zu findender qualitativer Mehrwert müsse im Vordergrund stehen.
Ausklang: Zu Gast in der Weinmetropole Würzburg
Was braucht es nach einem langen, inhaltsvollen, und vor allem heißen, ersten Tagungstag? Richtig: einen gemütlichen Abendausklang in einer fränkischen Weinstube. Als Teil der Netzwerkpartnertagung rund um die Engagement-Plattform endete der Tag im Würzburger Bürgerspital mit einem gemeinsamen Abendessen – gefördert durch die Aktion Mensch.


Donnerstag, Tag 2
Der zweite Tag der Jahrestagung hatte einiges zu bieten: Einblicke in aktuelle Zahlen von Freiwilligenagenturen und in den sechsten Freiwilligensurvey standen auf dem Programm. Hinzu kamen Workshops zu erfolgreichen Projekten aus Freiwilligenagenturen und ein neues Format: Im Barcamp „Zukunft zuversichtlich“ diskutierten die Teilnehmenden das Engagement Generationen. Abgerundet wurde der Tag mit der Verleihung des „Wünsch Dir was Preis“ und der bagfa-Qualitätssiegel.
Geblieben war die Hitze: Um zumindest mental einen kühlen Kopf zu bewahren, simulierten die Kolleg:innen zum Start des Tages einen Regenschauer, der durch den Döpfner-Saal des Burkardushaus wehte. Vorgestellt wurde von den Moderatorinnen auch eine interaktive Landkarte, auf der sich die Teilnehmenden zwischen den Programmpunkten verorten konnten.
Wo wir stehen, was wir können und was uns gefährdet: Einblicke in aktuelle Zahlen zu Freiwilligenagenturen
Zum zweiten Mal nach 2024 führte die bagfa in diesem Jahr eine Kennziffernabfrage unter den rund 480 Freiwilligenagenturen durch. 256 Agenturen antworteten und gaben damit einen Einblick, wie es um die Freiwilligenagenturen in Deutschland steht und was sie ausmacht. Anton Haffner von der bagfa präsentierte die aktuellen Kennziffern und erläuterte Entwicklungen, Trends und Dynamiken. Dabei stellte er drei zentrale Beobachtungen heraus. Zum einen haben sich Freiwilligenagenturen in der Fläche etabliert: Fast 300 Landkreise und Städte verfügen über eine solche Einrichtung. Dabei zeigt sich ein Trend zur kommunalen Trägerschaft.
Außerdem steigt mit Blick auf die Kennziffern die Zahl von „kleinen“ Freiwilligenagenturen, mit meist einer Personalstelle. Dies macht sich auch bei dem durchschnittlichen Jahresbudget und weiteren Kennzahlen bemerkbar. Eine weitere Beobachtung: Trotz Entwicklungen in der Struktur der Agenturen zeigt sich eine thematische Konstanz und eine klare Kernaufgabe. Information, Beratung und Vermittlung von Freiwilligen gehören weiterhin zum Angebotsportfolio der Kolleg:innen. Auch die Themen Freiwilligenmanagement, Einsamkeit oder Demokratiestärkung beschäftigen viele Agenturen.
Zu einem weiteren Thema gaben Mitarbeiter:innen aus Freiwilligenagenturen Auskunft: Im Zuge einer anonymen Online-Befragung wurde die Situation rund um arbeitsbezogene Anfeindungen, Handlungssicherheit und Unterstützungsbedarfen erhoben. Auf der Jahrestagung fasste Bernd Schüler von der bagfa die zentralen Ergebnisse der Befragung zusammen, die Dr. Benjamin Haas analysiert und auswertete. Rund 900 Mitarbeiter:innen aus Freiwilligenagenturen hatten dafür von der bagfa im Winter 2025 einen Fragebogen erhalten – 180 vollständige Antworten waren eingegangen. Aus diesen lassen sich einige Beobachtungen ableiten.
Anton Haffner und Bernd Schüler von der bagfa stellen aktuelle Zahlen der bagfa vor und beantworten Fragen der Teilnehmenden
Eine zentrale Erkenntnis lautet: Anfeindungen in Freiwilligenagenturen sind nicht flächendeckend, aber für eine relevante Minderheit real. Immerhin 14 % der befragten Mitarbeiter:innen erlebten einen Übergriff, Einschüchterung oder Bedrohung, weitere rund 9 % sind sich unsicher, ob sie das Erlebte so einordnen würden. Besonders betroffen sind dabei größere, städtische und öffentlich positionierte Freiwilligenagenturen – aus einem einfachen Grund: Sie bieten mehr „Kontaktflächen“ und sind stärker sichtbar. Die Anfeindungen, Störungen oder Bedrohungen sind vor allem im Alltag einer Freiwilligenagentur zu finden.
Daher erwähnte Bernd Schüler drei Maßnahmen, die für Entlastung sorgen können: einen Notfallplan für alle Fälle, Checklisten für Kontaktflächen, wie z.B. Veranstaltungen, und kurze Übungsszenarien im Team. Denn auch die Studie zur Befragung empfiehlt: Es geht nicht um Alarmismus, sondern darum, frühzeitig kleine Routinen für mehr Schutz und Handlungssicherheit zu entwickeln.
Der Kurz- und Hauptbericht zur anonymen Online-Umfrage mit dem Titel „Freiwilligenagenturen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Polarisierung“ ist hier auf der bagfa-Website zu finden.
Erfolgsmodell Freiwilligenagentur in Aktion: Workshops zu gelungenen Ansätzen und Projekten I
Was machen Freiwilligenagenturen gut? Und wie können möglichst viele Kolleg:innen von diesen Erfahrungen lernen? In zwei Workshophasen stellten Mitarbeiter:innen aus den Agenturen ihre Erfolgsprojekte vor und öffneten den Raum für Austausch. Die Vielfalt an Themen, Projekten und Zielgruppen ist groß: Da geht es um kommunale Freiwilligenagenturen als Themenanwältinnen für Engagement, um Macht, Rollen und Teilhabe bei der Tafel, um digitale Marktplätze für Corporate Volunteering oder Freiwilligenagenturen und Demokratieförderung.
Zwischen Rathaus und Zivilgesellschaft: Wie kommunale Freiwilligenagenturen als Themenanwältinnen für Engagement wirken können
Raphael Dombrowski, Freiwilligen-Agentur Osnabrück
Kommunale Freiwilligenagenturen haben besondere Möglichkeiten, freiwilliges Engagement innerhalb von Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft sichtbar zu machen und strategisch zu stärken. Doch wie gelingt wirksame Themenanwaltschaft, ohne klassische Lobbyarbeit zu betreiben? Der Workshop beleuchtete die besonderen Chancen kommunaler Trägerschaft, stellte konkrete Praxisansätze vor und bot Raum für kollegialen Austausch über erfolgreiche Strategien und Herausforderungen.
Krisenengagement und Krisenresilienz – ein Feld für Freiwilligenagenturen?!
Wolfgang Krell, Freiwilligen-Zentrum Augsburg
Das Feld „Krisenengagement“ gewann in den letzten Jahren deutlich an Relevanz – etwa durch die Corona-Pandemie, Flutkatastrophen oder zuletzt Stromausfälle. Aber wie kann dieses Feld von Freiwilligenagenturen im Zusammenspiel zum Beispiel mit Spontanhelfenden, dem Katastrophenschutz und der Verwaltung gut und vor allem präventiv eingespielt werden? In den Workshop wurden erste Erfahrungen auch aus einem EU-ERASMUS+ Projekt zu „Community Resilience“ (Krisenresilienz von lokalen Gemeinschaften) vorgestellt und im Anschluss diskutiert.
Diversitätssensibles Freiwilligenmanagement: z’sam für Vielfalt
Sabine Bankauf, Freiwilligenzentrum z’sam München
Das Projekt „z’sam für Vielfalt“ setzt sich für mehr Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe im Ehrenamt ein. Das Freiwilligenzentrum „z’sam München“ unterstützt Organisationen dabei, freiwilliges Engagement für unterschiedliche Menschen zugänglicher zu machen und Diskriminierung abzubauen. Gleichzeitig schafft das Projekt Räume für Austausch, Sensibilisierung und Vernetzung, um eine offene und inklusive Engagementkultur zu stärken.
Wer hilft hier wem? Macht, Rollen und Teilhabe im Ehrenamt am Beispiel der Deutzer Tafel für Rentner:innen
Sarah Est, Ceno & Die Paten e.V., Köln
In diesem Workshop wurde die Tafel für Senior:innen in Köln-Deutz als Praxisbeispiel vorgestellt. Das Projekt verbindet konkrete Unterstützung mit sozialer Teilhabe und nachbarschaftlicher Begegnung. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden, wie klassische Vorstellungen von „Helfenden“ und „Hilfenehmenden“ aufgebrochen und marginalisierte ältere Menschen stärker mitgestalten und dabei in lokale Netzwerke eingebunden werden können. Zudem reflektierte der Workshop Strategien für ein solidarisches Ehrenamt auf Augenhöhe und fragte danach, wie Engagement zur Demokratieförderung beitragen kann, ohne bestehende Ungleichheiten zu verstärken.
Wie kann ein digitaler Marktplatz für Corporate Volunteering erfolgreich funktionieren und Spaß machen?
Anke Haberstroh, Annette Woithon und Beate Ebeling, FreiwilligenAgentur Heidelberg
Seit 2021 organisiert die FreiwilligenAgentur Heidelberg mit Kooperationspartner:innen einen digitalen Mitmachmarkt für ein Unternehmen. Dabei entstehen über eine interaktive virtuelle Begegnungsplattform und mit Hilfe von freinet-online vielfältige Kooperationen zwischen Unternehmensteams und gemeinnützigen Organisationen. In dem Workshop berichteten die Heidelberger Kolleginnen von ihren Erfahrungen und von der Weiterentwicklung des Formats.
Wenn Einsamkeit im Alter unsichtbar wird – Wege zu Begegnung und Teilhabe im Privathaushalt
Glenn Reich, Ehrenamt Agentur Essen e.V.
Das Projekt „Senior:innen im Mittelpunkt“ der Ehrenamt Agentur Essen e. V. und der Contigo-Ruhr gGmbH richtet sich an ältere Menschen, die soziale Isolation erleben und oft kaum noch von bestehenden Angeboten erreicht werden. Durch aufsuchende Beratung im häuslichen Umfeld sowie ehrenamtliche Begleitungen entstehen neue Wege zu Begegnung, Beziehung und gesellschaftlicher Teilhabe zuhause. Der Workshop griff praktische Erfahrungen auf, die sich beim Aufbau dieser niedrigschwelligen und generationenübergreifenden Unterstützungsstrukturen im Sozialraum ergaben.
Freiwilligenagenturen und Demokratieförderung: Welche Rolle wollen wir spielen?
Lena Blum, Freiwilligenagentur Bremen
Freiwilligenagenturen wirken nicht nur unterstützend, sondern agieren vielfach auch innovativ, kritisch und eigensinnig. Gleichzeitig werden sie angesichts autoritär-populistischer Entwicklungen zunehmend als Stützen von Zusammenhalt und Demokratie adressiert. Wie können Freiwilligenagenturen ihre Rolle im Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft definieren? Was können sie beitragen, um demokratische Kultur zu stärken? Die Session bot hierfür Praxisbeispiele und Erfahrungsaustausch und widmete sich der Diskussion der Frage: Wie sich konkret verhalten?
Engagement verstehen und mit Daten arbeiten: Sabine Wolfert zu zentralen Erkenntnissen des 6. Freiwilligensurveys
Spätestens im September ist es soweit: Bei einer Fachtagung in Berlin werden die zentralen Erkenntnisse des 6. Freiwilligensurveys vorgestellt. Der Bericht liefert damit wichtige Zahlen und Daten zum freiwilligen Engagement in Deutschland. Um die Neugier etwas zu stillen, gab Sabine Wolfert von Verian Deutschland (ehemals Infratest) bei der Jahrestagung einige exklusive Einblicke in den Survey. Grundlage für den Bericht bildet eine groß angelegte Befragung von mehr als 27.000 Personen im Jahr 2024. Mit sechs Erhebungswellen in 25 Jahren ließen sich Trendverläufe im Engagement erkennen, so Wolfert.
Zu den zentralen Ergebnissen gehört etwa folgender Befund: Die Engagementquote ist im Vergleich zu 2019 leicht rückläufig und liegt derzeit bei 36,7 %. Ein überproportionaler Rückgang zeigt sich besonders bei Frauen zwischen 30 bis 49 Jahren, Frauen mit Kindern unter 14 Jahren und bei Frauen in Teilzeit. Ein Befund, der sich aus den reinen Zahlen schwer erklären lasse, wie Sabine Wolfert erläutert. Insgesamt zeigten sich aber geschlechtsspezifische Muster in den Engagementbereichen, Männern seien etwa häufiger in Leitungsrollen aktiv. Dieser „Gender Gap“ sei seit 1999 stabil zu beobachten.
Zudem zeigt sich in den Zahlen des Freiwilligensurvey eine große Engagementbereitschaft. 41 % der Menschen könnten sich vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten freiwillig aktiv zu werden. Wie Sabine Wolfert betont, kommen auch die Freiwilligenagenturen in der Befragung vor – als sogenannte Informations- oder Kontaktstellen für Engagement. 4 % der Befragten gaben an, ihr Engagement über eine solche Stelle gefunden zu haben. Dieser Wert ist aufgrund methodischer Anpassungen nur eingeschränkt mit früheren Ergebnissen vergleichbar. Besonders relevant sind die Freiwilligenagenturen für Engagementinteressierte mit eigener Zuwanderungserfahrung oder gesundheitlichen Einschränkungen. Aus diesem Grund hielt Wolfert auch eine klare Botschaft für die Kolleg:innen bereit: Freiwilligenagenturen könnten dazu beitragen, den Zugang zum freiwilligen Engagement inklusiver und gerechter zu gestalten.
Was bedeutet der Freiwilligensurvey fürs Engagement und die Freiwilligenagenturen? Im Gespräch mit Tobias Kemnitzer, Prof. Dr. Rosenkranz und den Teilnehmenden
Der Freiwilligensurvey bietet einiges an Gesprächsstoff – im Anschluss des Vortrags fand daher eine Einordnung der Ergebnisse aus der Praxis und der Wissenschaft statt. Auch die teilnehmenden Kolleg:innen hatten hier die Möglichkeit, Gedanken, Ideen und Erfahrungen zu teilen. Eva-Maria Antz und Bernd Schüler (bagfa e.V.) moderierten die Diskussion.
Vier Dinge hätten sie überrascht, erläuterte Prof. Dr. Rosenkranz im Gespräch. Sie lehrt mit dem Forschungsschwerpunkt Bürgerschaftliches Engagement an der Technischen Hochschule Nürnberg. Der hohe Anteil des Engagements von Jugendlichen und jungen Erwachsenen widerspreche klar dem Mythos, der aktuell oft über das „Desinteresse“ junger Menschen kursiere, so die Professorin. Der Survey zeige außerdem noch einmal deutlich, dass Engagement natürlich Teil des eigenen Lebens und Teil der spezifischen Lebenssituation sei. Familie, wirtschaftliche Unsicherheit und andere Faktoren mehr seien oft limitierende Faktoren, um sich in einem Ehrenamt zu engagieren.
Wichtig für die künftige Gestaltung des Engagements: das Mittun von Frauen oder auch migrantischen Zielgruppen im Ehrenamt hat laut dem Freiwilligensurvey noch Potential, z.B. könne man künftig in vielen Freiwilligen Feuerwehren viel stärker als bisher Frauen als Aktive gewinnen, wie Rosenkranz herausstellt. Eine künftige Aufgabe strategischen Freiwilligenmanagements sei es zudem, junge Menschen und auch Frauen stärker und gezielt für Führungsaufgaben im Ehrenamt zu gewinnen.
Der Kurzbericht zum 6. Freiwilligensurvey ist hier zu finden.
Die Professorin betont: Insgesamt zeigt der Freiwilligensurvey ein recht hohes Potential für Engagement in Deutschland und verweise darauf, dass künftig vor allem Informationen zum Ehrenamt und zu Engagement-Möglichkeiten bestmöglich den Weg zu Interessierten finden sollten. Dies sei ein „Auftrag an uns alle“. Dazu gehöre vor allem die Vermittlung und Beratung von Interessierten, aber auch die aktive Ansprache potenzieller Freiwilliger sowie die Förderung von strategischen Rahmenbedingungen. „Das Engagement passiert nicht einfach. Es braucht einen Rahmen, Begleitung und Vermittlung“, so die Engagement-Forscherin. Die Freiwilligenagenturen sieht Prof. Dr. Rosenkranz deshalb als wichtige Akteure der Engagement-Förderung in Deutschland.
„Wir müssen als Freiwilligenagenturen zu den Menschen gehen“, so eine zentrale Botschaft von Tobias Kemnitzer in der Diskussion des Surveys. Hierfür sei es wichtig, über Ungerechtigkeiten in den Zugängen zu einem Engagement ins Gespräch zu gehen. Man habe als engagementfördernde Einrichtung jedenfalls auch einen gesellschaftlichen Auftrag, Teilhabe zu ermöglichen. Weiterhin sollten die Freiwilligenagenturen ihre Marke, als „Freiwilligenagenturen Deutschlands“ stärken. Dazu gehöre selbstbewusst immer wieder aufzeigen, was sie alles konkret vor Ort leisten. Auch die vielen positive „Nebeneffekte“, wie Sichtbarkeit von Engagement in der Stadtgesellschaft, sollten dabei immer wieder benannt werden.
Und was sagen die Teilnehmenden? Besonders das Engagement junger Menschen bewegt die Kolleg:innen. Dabei steht eine Frage im Raum: Wie können wir das Bild von uninteressierten oder „faulen“ Jugendlichen korrigieren? Auch die Sichtbarkeit von informellem Engagement und dessen Anerkennung zeigte sich in den Beiträgen der Kolleg:innen.
bagfa-Vorsitzende Birgit Bursee war Teil des Beirats, der die Entstehung des 6. Freiwilligensurveys begleitete. In der Tagungsdiskussion gab sie Einblick in die Arbeit des Gremiums: Man habe viel über Konkretisierungen und Begrifflichkeiten diskutiert, die für eine zeitgemäße Erneuerung der Befragung nötig waren. Sie betonte, dass die oben genannte Frage nach der Informations- und Kontaktstelle als Weg in ein Engagement mit Vorsicht zu genießen sei. In Zeiten digitaler Plattformen sei oftmals gar nicht ersichtlich, dass die Vermittlung „de facto“ über eine Freiwilligenagentur stattfinde. Die Zahlen des Surveys unterstützten einen wichtigen Aufgabenbereich von Freiwilligenagenturen: insbesondere Menschen mit schwierigen Zugängen in ein Engagement zu begleiten und zu unterstützen.
Mit dem Fokus auf Zukunft und nächste Generationen: Barcamp „Zukunft Zuversichtlich“
Insgesamt drei Zeitslots und zwölf Sessions – so lauten die Zahlen rund um das Barcamp „Zukunft zuversichtlich“. Teilnehmende hatten hier die Möglichkeit, Sessions einzureichen, um aktuelle Themen, Ideen und Herausforderungen zu diskutieren. Das Engagement nächster Generationen stand hier im Fokus. Also weniger ein Workshop-Format, sondern eine Methode für spontanen Austausch mit viel Raum für kreative Gedanken. Und das Prinzip ging auf: So wurden Themen wie „junge Menschen für Demokratie begeistern“, „Menschen mit geringen Deutschkenntnissen ins Engagement bringen“ oder Nachwuchsgewinnung behandelt.
Sicherlich ein Highlight des Barcamps waren Jugendliche aus dem Kasseler Projekt „Next.Gen – Netzwerk junges Engagement“, die in Panelgesprächen ihre Perspektive auf Engagement und Social Media teilten. So wurde deutlich, was für sie beim Weg in eine freiwillige Tätigkeit wichtig ist. Das Barcamp wurde in Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum Kassel und Region und der Akademie für Ehrenamtlichkeit durchgeführt und durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gefördert.
Einblicke in das Barcamp bietet auch die Website des Freiwilligenzentrums der Region Kassel hier.
Zuversicht auf der Bühne: Gewinner:innen des „Wünsch Dir was“-Preises und Träger:innen des bagfa-Qualitätssiegels 2026
Sie gehört fest zum Programm einer Jahrestagung: die Verleihung des „Wünsch Dir was“-Preises und der bagfa-Qualitätssiegel. Bevor der Tag mit einem gemütlichen Ausklang im Biergarten endete, kamen die Kolleg:innen aus den Freiwilligenagenturen nochmal im Saal des Burkardushaus zusammen, um gute Ideen und „QMS-Heroes“ zu feiern.
Und darum ging es beim diesjährigen Engagementförderpreis der Dr. Jürgen Rembold Stiftung: Unter dem Motto „Freiwilligenagenturen: sichtbar, engagiert, resilient und wirkungsvoll“ wurden in diesem Jahr Ideen gesucht, um Freiwilligenagenturen breiter aufzustellen, sichtbarer zu machen und Engagement vor Ort zu stärken. Denn was die Agenturen auszeichnet, ist ihr großer Ideenschatz – das zeigten die 29 Bewerbungen von bagfa-Mitgliedern mit kreativen Wünschen eindrücklich. Bei der feierlichen Preisverleihung wurden insgesamt sechs Gewinner:innen verkündet. Anwesend war auch der Stifter, Dr. Jürgen Rembold, der die Preisträger:innen persönlich auswählte. Zum Start begrüßte er die anwesenden Kolleg:innen und dankte ihnen für die vielen eingereichten Bewerbungen.
„Seit über zehn Jahren fördere ich jetzt Preise für die Freiwilligenagenturen und das immer wieder gerne, weil die Ziele meiner Stiftung und die der Freiwilligenagenturen sehr ähnlich sind: Engagement zu fördern und zu vermitteln, wo dies möglich ist“, betonte Stifter Dr. Jürgen Rembold in Würzburg. Anschließend verkündete er die Preisträger:innen und überreichte ihnen eine Urkunde. Die Kolleg:innen der Agenturen stellten hierbei in kurzen Interviews ihre Projektidee vor – auch als Inspiration für die anwesenden Teilnehmenden der Jahrestagung.
Die Preisträger:innen und ihre Ideen im Überblick:
Weitere Einblicke zur Preisverleihung und Infos zu den Gewinner:innen sind in diesem Beitrag zu finden.
Was macht das „Erfolgsmodell Freiwilligenagentur“ noch aus? Neben guten Ideen ist es sicherlich strukturierte und erfolgreiche Arbeit. Das zeigten jedenfalls die 14 Freiwilligenagenturen, die im ersten Halbjahr 2026 das bagfa-Qualitätssiegel erhielten. Sie alle haben erfolgreich den (Re-)Zertifizierungsprozess im QualtitätsManagementSystem durchlaufen. In Würzburg überreichte die bagfa das Siegel an der neuen und alten QMS-Agenturen. Neben der begehrten Siegelplakette erhielten sie auch ein typisch fränkisches Lebkuchenherz, das sie als „QMS-Hero“ auszeichnete. In kurzen Interviews mit den Kolleg:innen wurde deutlich: Die Zertifizierung ist ein Aufwand, der sich lohnt, denn die Arbeit mit dem bagfa-QMS und dem dazugehörigen Handbuch schafft Struktur im Agenturalltag. Zugleich merkte man den Kolleg:innen der Siegelagenturen ihre Erleichterung und Freude an, auch in den kommenden drei Jahren das bagfa-Siegel tragen zu dürfen.

Weitere Infos zu den 14 Siegelagenturen sind hier in einem Beitrag auf der bagfa-Website zu finden.
Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu: Zahlen und Daten, eine Gesprächsrunde, Workshops, ein Barcamp und 20 ausgezeichnete Freiwilligenagenturen zeugen von einem bewegten Tag in Würzburg. Zum Abschluss kam ein lauschiger Sommerabend im Biergarten am Main daher gelegen. Neben der 2:1 Niederlage der DFB-Männer bei der Fußballweltmeisterschaft und lockerem Austausch stand dann noch das obligatorische „Abtanzen“ auf dem Programm.
Freitag, Tag 3
Die Freiwilligenagentur freue sich, dass ihre Stadt für die Jahrestagung gewählt wurde. Mit diesen wertschätzenden Worten begrüßte Cyana Pompeo Schuster aus dem Team der Würzburger Agentur die Teilnehmenden zum dritten Tag der Jahrestagung. In einem kurzen Impuls stellte sie die Arbeit der Freiwilligenagentur vor. Das Team versuche mit verschiedenen Projekten und Beratungsangeboten alle Menschen in Würzburg zu erreichen.
Würzburg im Sommer: Stadtführungen durch die Tagungsstadt
Die Einblicke in die Arbeit der Freiwilligenagentur haben Neugierde auf die Stadt geweckt: In verschiedenen Führungen lernten die Teilnehmenden die Weinmetropole am Main näher kennen – trotz stabil hohen Temperaturen. Ein Ausflug, der sich gelohnt hat: Würzburg überzeugt mit interessanten Bauwerken, einem lebendigen Stadtleben und tollem Blick auf die umliegenden Weinberge.
Einige Impressionen von den Stadtführungen finden sich in dieser Fotostrecke:
Erfolgsmodell Freiwilligenagentur in Aktion: Workshops zu gelungenen Ansätzen und Projekten II
Inspiriert von der Würzburger Geschichte ging es nun wieder in den Austausch: Zum zweiten Mal standen Erfolgsprojekte aus Freiwilligenagenturen auf dem Programm. In der zweiten Workshopphase blickten die Teilnehmenden auf einen Inklusionspodcast, Tandem-Modelle, wirkungsvolle Netzwerkarbeit, Matching von Freiwilligen und viele weitere Themen.
Digitalstrategie in NGOs: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
Sebastian Honert, lagfa bayern e.V.
Zivilgesellschaftliche Organisationen stehen zunehmend vor der Herausforderung, mit geringen Mitteln viel leisten zu müssen. Digitale Werkzeuge aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz schaffen Abhilfe, indem sie Tätigkeiten und Prozesse einfacher und effektiver gestalten – so lautet zumindest das Werbeversprechen. Im Workshop diskutierten die Teilnehmenden welche Rolle KI-Tools in der eigenen Digitalstrategie spielen können und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Bei Interesse an der Präsentation bitte Kontakt mit Sebastian Honert von der lagfa bayern e.V. aufnehmen.
Simply Mixed – Ehrenamt trifft Podcast trifft Inklusion
Perdita Wingerter, Gemeinsam leben & lernen in Europa (Passau)
Wie gelingt ein Podcast-Projekt, das Menschen mit Behinderung nicht nur beteiligt, sondern ihnen wirklich eine Stimme gibt? Im Workshop stellte die Freiwilligenagentur aus Passau den inklusiven Podcast „Simply Mixed“ vor, der im Rahmen des Erasmus+-Projekts „All Inclusive – Der Podcast für alle“ entstanden ist. Menschen mit Behinderung produzieren gemeinsam einen Podcast über Themen, die uns alle bewegen – von Liebe und Reisen bis mentale Gesundheit und Filme. Das Projekt zeigt praxisnah, wie freiwilliges Engagement, Empowerment und echte Inklusion im Ehrenamt auch mit wenig Geld möglich werden.
Es war einmal Funambulus… Ansätze zur Vermittlung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung
Angela Mirbach, Freiwilligen Zentrum Mönchengladbach
Der Workshop widmete sich der Frage: Wie kann die Vermittlung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung in ein Ehrenamt gut gelingen? Teil des Workshops waren Impulse für die Praxis aus dem Projekt „Funambulus“ sowie die gemeinsame Diskussion von Hürden und Chancen für Freiwilligenagenturen.
Die Freiwilligenagentur als Impulsgeberin für Demokratieförderung und politische Teilhabe
Dieter Schöffmann und Karolin Hüner, Kölner Freiwilligen Agentur e.V.
2012 hat die Kölner Freiwilligen Agentur wesentliche Impulse für die Entwicklung kommunaler Beteiligungs-Leitlinien gesetzt. Seit 2019 trägt sie in Kooperation mit der Stadtverwaltung das kooperative Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung. Mit dem Programmbereich „Politische Partizipation“ unterstützt sie städtische Beteiligungsverfahren und gibt darüber hinaus Impulse für politische Teilhabe. Wie kam es dazu? Welche spezifischen Potenziale einer Freiwilligenagentur kommen hier zum Tragen? Welche Empfehlungen lassen sich hieraus für andere, große wie kleine, Agenturen ableiten? Diese und viele weitere Fragen thematisierte dieser Workshop.
Doppelt geht besser? Wie vielfältig Freiwilligenagenturen Tandem-Modelle einsetzen können
Bernd Schüler, bagfa e.V.
Menschen zusammenzubringen, damit sie sich unterstützen, voneinander lernen und Neues bewegen: eine zentrale Aufgabe für Freiwilligenagenturen. Viele arbeiten deshalb bereits mit Patenschafts-, Mentoring- und Tandem-Modellen. Der Workshop gab Einblicke in diese Vielfalt und zeigte neue Entwicklungen der Angebote. Und es wurde gemeinsam erkundet: Geht es immer um Bildung, Integration, Teilhabe – oder lässt sich damit auch das Engagement selbst stärken? Was können hier neue Wege sein?
Wirkungsvolle Netzwerkarbeit am Beispiel des Runden Tischs Ehrenamt im Landkreis Kelheim
Julia Körndl, Ehrenamtsstelle Landkreis Kelheim
Eine Aufgabe von Freiwilligenagenturen ist es, Teil von lokalen Netzwerken zur Stärkung und Weiterentwicklung des bürgerschaftlichen Engagements zu sein. Bei der Initiierung neuer Netzwerke gilt es – allerdings oft mit knappen Ressourcen – einen Mehrwert für unterschiedlichste Beteiligte zu schaffen. Der Runde Tisch Ehrenamt im Landkreis Kelheim ist ein Beispiel, wie Netzwerkarbeit mit diversen Akteuren der Engagementlandschaft auch in einem Flächenlandkreis gut gelingt. Durch den Runden Tisch wurde vor Ort eine wertvolle Möglichkeit zur Information, zum Austausch und zur Vernetzung geschaffen. Neben den Einblicken in die Planung, Erkenntnisse und Fallstricke blieb bei dem Workshops Raum zum Austausch über Ideen rund um die Netzwerkarbeit vor Ort.
Kompetent und sicher im Freiwilligenmanagement: Matching von Ehrenamtlichen als Teil des Engagementzyklus
Renate Volk, Freiwilligen-Agentur Tatendrang, und Wolfgang Krell, Freiwilligen-Zentrum Augsburg
In diesem Workshop stellten die Freiwilligenagentur TATENDRANG in München und das Freiwilligenzentrum Augsburg das Handbuch „Kompetent und sicher im Freiwilligenmanagement“ der lagfa bayern e.V. vor und diskutieren darüber. Das Handbuch orientiert sich am Engagementzyklus als zentralem Instrument des Freiwilligenmanagements. Im Workshop stellten die Kolleg:innen die Phasen Erstgespräch und Matching vor. Sie zeigten praxisnah auf, wie Erstgespräche gelingen und Engagierte passend an Einsatzstellen vermittelt werden können.
Wie zuversichtlich bleiben? Feministische Impulse von Idil Efe
„Den Feminismus gibt es nicht. Es gibt feministische Erfahrungen“, so lautet eine wichtige Aussage von Idil Efe. Anhand von Geschichten dreier Frauen verdeutlichte sie, wo die Stärke von Feminismus liegt: Dass er Fragen stellt, etwa über Strukturen und Teilhabe. Zum Abschluss der Tagung hielt die Organisationsentwicklerin und Diversitätsexpertin eine ermutigende Rede über Feminismus, Empowerment und Engagement. Dabei betonte Efe, dass patriarchale Strukturen gewachsen sind und verändert werden können. Sie kritisierte die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern im Engagement und plädierte dafür, Fürsorge stärker als Fähigkeit der Gesellschaft zu begreifen, statt sie auf Rollenerwartungen zu reduzieren.
So hielt Idil Efe auch eine Einladung bereit: Viele Freiwilligenagenturen leisteten täglich feministische und emanzipatorische Arbeit, indem sie Räume öffnen und Gehör schenken. Mit Neugier und Selbstkritik lasse sich darauf aufbauen: Etwa sich zu fragen, wer fehle und die Bedürfnisse und Lebensbedingungen verschiedener Menschen im Blick zu haben. Wichtig sind für sie dabei „demokratische Fähigkeiten“, wie Empathie, Fürsorge und Zuhören. Zum Abschluss teilte sie eine Botschaft, die sich an viele Impulse der bisherigen Tagung anschließen lässt:
„Eine solidarische Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass wir alle gleich werden. Sondern dadurch, dass mehr Menschen dazugehören können. Und genau deshalb lohnt es sich, zuversichtlich zu bleiben.“
Die Abschlussrede von Idel Efe ist hier im Wortlaut als Download verfügbar.
Vielfalt, Empowerment und feministische Engagementförderung: Panelgespräch zum Abschluss der Tagung
Die Abschlussrede hielt einige Anknüpfungspunkte bereit, um noch tiefer ins Thema einzusteigen. Moderiert von Eva Kurfer, Geschäftsführerin der lagfa bayern e.V., gab es noch eine (überfällige) Premiere in der Geschichte der Jahrestagungen: Erstmals kam ein komplett weibliches Panel zusammen, um über Vielfalt, Feminismus und Empowerment in der Engagementförderung zu diskutieren.
Die direktgewählte Abgeordnete der CSU für Würzburg im Bayrischen Landtag, Dr. Andrea Behr, gab zum Start des Gesprächs Einblicke in das Engagement der Stadt. Man sei in Würzburg verwöhnt, denn es gebe hier eine vielfältige Engagementszene. Sie selbst sei etwa in der Zahnversorgung obdachloser Menschen engagiert. Trotzdem müsse man dafür sorgen, dass „Zahnräder“ und Strukturen ineinandergreifen. So sollte Engagement inklusiv gestaltet oder auch an die Lebensrealität vieler Frauen angepasst werden. Dazu gehöre für Dr. Behr, die Aufteilung von Care-Arbeit gerechter zu gestalten und Frauen zu bestärken, Verantwortung in Vereinen und im Engagement zu übernehmen.
Für sie lautet ein wichtiges gesellschaftliches Credo, dass alle dabei sind. Um das zu erreichen, brauche es auch Unterstützung durch hauptamtliche Strukturen – denn für die Landtagsabgeordnete ist klar: „Ohne Ehrenamt wird es bei uns düster.“
Auch Eva Lettenbauer, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Bayern, plädierte für starke Strukturen, um Zivilgesellschaft und Engagement zu unterstützen. Mit öffentlicher Förderung könne man einiges erreichen, es brauche aber auch weniger Projektorientierung, ausreichende Finanzierung, mehr Wertschätzung und bessere Sichtbarkeit. Es gelte auch, sichere Jobs in der bislang meist prekären Zivilgesellschaft zu schaffen, die häufig von Frauen übernommen würden.
Mit Blick auf feministische Fragestellungen sei es wichtig, gute Rahmenbedingungen im Engagement zu schaffen. Frauen mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen solle etwa durch eine gute Daseinsvorsorge der nötige Freiraum für eine freiwillige Tätigkeit ermöglicht werden. Hier reiche nicht allein guter Wille, Offenheit für verschiedene Lebensrealitäten müsse praktisch umgesetzt werden. So könnten auch Nachwuchsprobleme im Engagement gelöst werden.
Mit einem strukturell-organisatorischen Blick schaute Lisa Dürer auf das Thema. Die Geschäftsführerin der Akademie für Ehrenamtlichkeit betonte, wie wichtig der Blick in die eigene Organisation sei. Um etwa Nachwuchs zu gewinnen, müssten die eigenen Strukturen hinterfragt werden: Sind wir wirklich einladend? Wie nehmen wir Menschen auf? Manchmal bewusst, oftmals unbewusst finden hier Ausschlussmomente statt – auch weil vielfältige Stimmen und Perspektiven fehlen. Hier liege auch der Mehrwert davon, Vielfalt in der Organisation stärker zu leben, etwa durch gemischte Leitungsteams.
Um sich weiterzuentwickeln, brauche es nicht zwingend einen „Dreijahresplan“, so Dürer. Viele kleine Schritte unterstützten eine Öffnung der Strukturen, etwa im Beratungssetting oder in der Gestaltung der Angebote. Auszuprobieren, Räume zu öffnen und Vorbilder zu schaffen sei hier enorm wichtig. Zuzuhören und in den Dialog zu treten stellen für Lisa Dürer wichtige Kompetenzen dar. Ihr Motto lautet dabei: „Vielfalt stärkt Organisationen – Mischwald statt Monokultur“.
Wie sieht eine feministische Engagementpolitik aus? Stefanie Lenz, Geschäftsführung der lagfa Brandenburg und Leitung der Freiwilligenagenturen in Bernau, Ahrensfelde und Werneuchen, hat hier einige Ideen: Etwa Rentenpunkte für Engagement einzuführen, um Altersarmut vorzubeugen. Denn gerade Frauen übernehmen informelle Engagementformen und Aufgaben in der Care-Arbeit. Insgesamt fehle ihr ein Austausch über genau diese engagementpolitischen und feministischen Ideen.
Auch in den Strukturen von Freiwilligenagenturen findet laut Lenz strukturelle Benachteiligung statt. Oftmals arbeiten Frauen hier in prekären Situationen, mit projektgebundenen Befristungen. Sie plädiert für ein Engagement, in dem Schwellen klar abgebaut werden. Mehrfachdiskriminierungen sollten hierbei erkannt und potentielle Freiwillige bestärkt und zu Empowerment ermutigt werden. Dazu gehöre auch, die eigene Organisation zu reflektieren – etwa gemeinsam im Team.
Auf Wiedersehen Würzburg: Hallo Weimar!
Zuversicht spenden, Zukunft gestalten und Herausforderungen aktiv angehen – die 27. Jahrestagung der Freiwilligenagenturen hielt viele Botschaften bereit. Nicht zuletzt wurde deutlich, wie wichtig der Abbau von Zugangsschwellen ist. Verschiedene Zielgruppen müssen aktiv angesprochen und begeistert werden, damit das Engagement der Zukunft vielseitig ist: Weiblich, vielfältig sowie auf dem Land und in der Stadt. Freiwilligenagenturen haben hierfür bereits viele Angebote parat und sich flächendeckend etabliert. Mit erprobten Rezepten und guten Ideen können sie so auch in Zukunft Teilhabe und Engagement ermöglichen und Gestaltungskraft entfalten.
Zuversicht entsteht dort, wo Selbstwirksamkeit möglich ist. Das betonten die Moderatorinnen Jamila Martin und Eva-Maria Antz zum Abschluss der Tagung. Damit sich die Kolleg:innen auch in einigen Monaten an prägende Erkenntnisse aus Würzburg erinnern, boten sie noch eine Abschlussmethode an: Die Teilnehmenden konnten sich Briefe an sich selbst schreiben, die in einigen Wochen an sie geschickt werden.
Am Ende bleibt auch die Vorfreude: Nämlich auf ein großes Wiedersehen in Weimar, zur 28. bagfa-Jahrestagung vom 2. bis zum 4. Juni 2027.
Zum Abschluss zehn kleine und große Einsichten aus der 27. Jahrestagung der Freiwilligenagenturen in Würzburg
1.
“Erfolgsmodell Freiwilligenagentur“ ist nicht bloß ein Motto oder ein Wunsch, sondern zeigt sich in der Realität guter Projekte, breiter Angebote und einem guten Standing in den Kommunen.
2.
Flächendeckend, breit aufgestellt und ansprechbar für unterschiedliche Gruppen – so lautet ein Fazit über Freiwilligenagenturen, ausgehend von aktuellen Zahlen und Daten.
3.
Herausforderungen, Kürzungen und Krisen erschweren einen zuversichtlichen Blick – doch wir können Veränderungen anstoßen und Zukunftskraft entfalten.
4.
Zuversicht spenden gehört zu einer Kernkompetenz von Freiwilligenagenturen, indem sie Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Engagement ermöglichen. Sie gilt es auch weiter auszubauen.
5.
Mischwald statt Monokultur: Der Weg zum vielfältigen und gleichberechtigten Engagement ist noch lang, dabei müssen Frauen aktiv gestärkt und Zugangshürden abgebaut werden.
6.
Am Stammtisch kann hervorragend diskutiert werden, auch zu engagementpolitischen Themen und kontroversen Thesen.
7.
Junge Menschen haben klare Ideen vom Engagement. Neue Generationen können Gesellschaft mitgestalten – und sollten es auch.
8.
Mitarbeitende in Freiwilligenagenturen haben Durchhaltevermögen: Nicht zuletzt zeigt sich das bei aktiver Beteiligung während der ganzen Tagung trotz Temperaturen von bis zu über 35 Grad.
9.
Franken ist gastfreundlich: Ob am Tagungsort, im Biergarten, der Weinstube oder durch die Freiwilligenagentur vor Ort: Wir haben uns in Würzburg sehr wohl gefühlt.
10.
Freiwilligenagenturen zeigen und leben Qualität und Kreativität, das verdeutlichten die sechs Gewinner:innen des „Wünsch Dir was“-Preises und die 14 „QMS-Heroes“ eindrücklich.
