18.11.2025

Mit Engagement Wandel gestalten: 5 Freiwilligenagenturen erhalten den bagfa-Innovationspreis 2025

Wie Freiwilligenagenturen Resilienz entfalten und stärken – Eindrücke von den Gewinner:innen und der Preisverleihung

Krisen abmildern, anpassungsfähig sein, als Organisation lernen und Wandel gestalten – Resilienz kennt viele Bedeutungen. Vor allem ist sie mehr als Durchhaltevermögen: In Freiwilligenagenturen zeigt sich Resilienz in vorausschauendem Handeln, in mutiger Gestaltung trotz Unsicherheiten, in der Besinnung auf die eigenen Stärken und Werte – und im Vertrauen darauf, dass Engagement unsere Gesellschaft und den Zusammenhalt stärkt.

Foto: Raimond Klavins via unsplash.com

Mit ihren Projekten, Aktivitäten und Ansätzen wirken sie resilient – in der eigenen Organisation oder in der lokalen Engagementlandschaft. Im Zuge des bagfa-Innovationspreises 2025 suchten wir genau hierfür innovative und kreative Beispiele. Unter dem Motto „Mit Engagement Wandel gestalten – wie Freiwilligenagenturen Resilienz entfalten und stärken“ riefen wir die Freiwilligenagenturen in Deutschland auf, Projekte, Aktivitäten und Ansätze einzureichen, die Resilienz in ihrer Freiwilligenagentur, in Netzwerken oder vor Ort entfalten und stärken.

Im Zuge der Ausschreibung erhielt die bagfa 25 Bewerbungen – sie alle füllen das Konzept der Resilienz mit Leben. Sie unterstreichen, wie vielfältig Freiwilligenagenturen wirken: Mit den Aktivitäten und Projekten zeigen die Agenturen Wege auf, mit Veränderungen und gesellschaftlichem Wandel umzugehen und zu einer resilienteren Gesellschaft vor Ort beizutragen. Sei es durch die gezielte Unterstützung von Freiwilligen, indem neue Zielgruppen für Engagement begeistert werden oder die eigene Freiwilligenagentur resilienter aufgestellt wird.

An dieser Stelle möchten wir uns außerdem herzlich bei allen Bewerber:innen für das Einreichen der zahlreichen spannenden Projekte, Aktivitäten und Ansätze bedanken!

Die Jury setzte sich in diesem Jahr aus echten Expert:innen in Sachen Resilienz zusammen, die größtenteils bereits bei der bagfa-Jahrestagung das Konzept diskutierten. Die Jury bestand in diesem Jahr aus

  • Dr. Josefa Kny (betterplace lab gGmbH)
  • André Koch-Engelmann (Geschäftsführer UPJ e.V.)
  • Caroline Kuhl (Geschäftsführerin Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V.)
  • Dr. Juliane Rapp-Lücke, LL.M. (Leitung Referat „Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement“, Abteilung Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt)

Bei einer digitalen Jurysitzung am 10. November 2025 sichteten, diskutierten und bewerteten die Juror:innen die aus ganz Deutschland eingereichten Bewerbungen. Nach intensiver und fachlicher Diskussion legte sich die Jury auf 5 Gewinneragenturen fest – eine Entscheidung, die nicht leichtfiel. Diese fünf Preisträger:innen werden mit jeweils 2.000 € ausgezeichnet.

Foto: Michael Wallmüller

Die feierliche Verkündung der Gewinner:innen fand anschließend als digitale Preisverleihung am 17. November 2025 statt: Als Abschluss des bagfa-Arbeitsforums „Wandel gestalten, Krisen begegnen: Freiwilligenagenturen als resiliente Organisationen“ an dem rund 45 Kolleg:innen teilnahmen. Tobias Kemnitzer, Co-Geschäftsführer der bagfa, sowie Dr. Josefa Kny und André Koch-Engelmann als Vertreter:innen der Jury, teilten hier ihre Eindrücke von den Bewerbungen, schilderten die Jurysitzung und unterstrichen die Relevanz des Themas Resilienz für die Freiwilligenagenturen.

Die Gewinner:innen des bagfa-Innovationspreises

Anschließend wurden die fünf Preisträger:innen feierlich verkündet. Die anwesenden Juror:innen begründeten ihre Entscheidung. Im Anschluss kamen die Gewinner:innen in einem Interview selbst zu Wort und teilten Einblicke aus den jeweiligen Projekten.

Die bagfa dankt sehr herzlich der Stiftung Apfelbaum und ihrem Stifter Dr. Hans-Martin Schmidt sowie Dr. Andreas Schmidt für die Anregung des Preises und die Bereitstellung der Preisgelder.

Die Gewinner:innen des bagfa-Innovationspreises 2025

1. Freiwilligenagentur Landkreis Regensburg
Engagement ist bunt – Verwaltung auch! Initiative für den Ausbau des Miteinanders zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft

Wie kann kommunale Engagementförderung wirkungsvoll gestaltet werden? Indem so viele Ämter und Abteilungen wie möglich involviert sind – und das am besten mit der kommunalen Freiwilligenagentur als zentralem Knotenpunkt für Engagement. Mit dieser Prämisse startete die Freiwilligenagentur im Landkreis Regensburg 2024 den Runden Tisch „Ehrenamt“ im Landratsamt. Ziel ist es, die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement zu einer gemeinsamen kommunalen Aufgabe zu machen. Und die ersten Schritte zeigen bereits Erfolg: Durch den runden Tisch findet ein lebendiger Informationsfluss, Wissenstransfer und Kooperationen zwischen Gesundheitsamt, Jobcenter, Naturschutzbehörde, weiteren Ämtern und natürlich der Freiwilligenagentur als Organisator:in und Knotenpunkt statt.

Das gefiel der Jury:

  • Der Runde Tisch „Ehrenamt“ setzt selbstbewusst freiwilliges Engagement als Querschnittsthema im Landratsamt. So wird es sichtbar und seine Notwendigkeit gezeigt.
  • Die Freiwilligenagentur nutzt hierbei hervorragend ihre Position als „Spinne im Netz“, da viele Abteilungen mit Engagement zu tun haben. Sie zeigt hier echte „Versammlungsmacht“ innerhalb der Verwaltung.
  • Die transsektorale Vernetzung und Institutionalisierung führen zu einer resilienten Struktur, um Engagement wirkungsvoll zu fördern und zu stärken.

2. Freiwilligen-Agentur Osnabrück
Stadtteilnetze Osnabrück – Resilienz im Quartier gestalten

Eine Idee, entsprungen aus einem Vereins- und Initiativenforum in Osnabrück: Gemeinsam mit der Quartierskoordination rief die Freiwilligen-Agentur Osnabrück verschiedene „Stadtteilnetze“ ins Leben. In diesen kommen Menschen zusammen, um Wissen auszutauschen, gemeinsam Projekte umzusetzen oder das Lebensumfeld zu gestalten. Diese Netze haben einen sozialräumlichen oder thematischen Bezug, etwa das „Netzwerk Gute Nachbarschaft“ oder „Klima im Quartier“. Die Freiwilligenagentur und Quartierskoordination moderiert hier Prozesse, bietet Beratung und Infrastruktur an und schafft Sichtbarkeit für die Stadtteilnetze – mit dem Ziel dauerhafte Strukturen zu schaffen, die über Einzelaktionen hinauswirken.

Das gefiel der Jury:

  • Es finden keine Konkurrenzen zwischen Engagementfeldern statt, vielmehr wird versucht, sektorenübergreifend Gemeinsamkeiten zu finden und resiliente Strukturen zu schaffen.
  • Der Nachhaltigkeitsgedanke, denn nicht Projekte stehen im Fokus der Stadtteilnetze. Wichtig sind vielmehr das vertrauensbasierte Zusammenwirken und gemeinsame Handeln.
  • Der Gedanke, dass die Stadtteilnetze als „Frühwarnsysteme“ für Probleme in der Gesellschaft fungieren, überzeugt: So kann durch Engagement Nachbarschaft gestärkt und Resilienz entfaltet werden.

3. ePunkt e.V. – Bürgerkraftwerk und Freiwilligenagentur für Lübeck
Stiftungs- und Fördermittelabend – Resilienz durch Beziehung

April 2025: 120 Engagierte aus Vereinen und Initiativen sowie 12 Fördermittelgeber:innen  kamen zum Stiftungs- und Fördermittelabend in Lübeck zusammen. Nach Impulsen und Workshops zu Antragstellung und Fundraising stellten die Organisationen hier ihre Ideen für Projekte gegenüber potenziellen Geldgeber:innen vor. Durch persönliches Kennenlernen entstanden neue Partnerschaften und ein starkes Netzwerk – denn der Austausch fand zwischen Vereinen und Fördergeber:innen, aber auch untereinander statt. Wissensvermittlung, Dialog und Beziehungsarbeit standen im Vordergrund. Bereits in der Planungsphase band die Lübecker Freiwilligenagentur vier große Stiftungen als Kooperationspartner:innen ein – um bestmöglich Bedarfe beider Seiten in den Fördermittelabend einfließen zu lassen.

Das gefiel der Jury:

  • Die Veranstaltung bedient verschiedene Resilienzfaktoren: Innovatives „trust based funding“, materielle Ressourcen und Vernetzung untereinander stärken die Engagementstrukturen vor Ort mit der Freiwilligenagentur in einer zentralen Rolle.
  • Das Format folgt einer neuen Logik: Statt als „Bittsteller und Gönner“, kommen Organisationen und Fördermittelgeber:innen auf Augenhöhe zusammen. Geldgeber:innen können sich hier untereinander vernetzen, besser abstimmen und effektiv fördern.
  • Konkrete Ideen und gegenseitiges Verständnis, statt unverfänglichem Networking, stehen im Mittelpunkt – so ist tiefgehende Beziehungsarbeit möglich.

4. Freiwilligenzentrum Region Kassel
Resilienz als Haltung. Gemeinsam stark im Freiwilligenzentrum Kassel

Nicht als einzelnes Projekt, sondern als ein breit angelegter Prozess der Organisationsentwicklung: So arbeitet das Freiwilligenzentrum der Region Kassel zum Thema Resilienz. Dabei verbindet es Strukturarbeit mit persönlicher Entwicklung von Hauptamtlichen und Freiwilligen. Es kommen moderne Methoden und Prinzipien zum Einsatz: Strategietage, Magic Mondays, das Feiern von Erfolgen in fünf Minuten oder eine „EngagierBAR“. So entsteht eine Kultur von Vertrauen, Offenheit und Lernen, die das Freiwilligenzentrum in Bewegung hält. Diese Atmosphäre stärkt nicht nur das Zentrum selbst, sondern inspiriert auch Vereine und Engagierte in der Stadt, Resilienz als Haltung zu leben.

Das gefiel der Jury:

  • Der Blick auf die eigene Organisation und deren Entwicklung überzeugte: So wird Fehlerkultur und Selbstwirksamkeit im Sinne einer lernenden Organisation verankert.
  • Verschiedene Ebenen werden in einem gemeinsamen Prozess betrachtet und greifen ineinander. So überzeugte etwa die Stärkung der individuellen Resilienz von hauptamtlichen Mitarbeiter:innen und Freiwilligen: Sie ist ein Schlüssel für eine resiliente Organisation.
  • Die zahlreichen Aktivitäten, Formate und Ideen zeugen von innovativen und modernen Ansätzen.

5. WinWin Freiwilligenzentrum Nürnberger Land
Handbuch für die Vereinsarbeit: Teamvorstand – Schritt für Schritt ans Ziel

Die Nachwuchssuche beschäftigt viele Vereine – besonders für Vorstände fehlen oft Nachfolger:innen. Im Zuge einer Bedarfsabfrage unter lokalen Vereinen wurde das auch im Nürnberger Land deutlich. Gemeinsam mit zwei weiteren Koordinierungsstellen für bürgerschaftliches Engagement (KoBEs), der Ehrenamtsförderung ARBERLAND im Landkreis Regen und der Servicestelle für Vereine im Landkreis Lindau, entwickelte das WinWin Freiwilligenzentrum im Nürnberger Land daraufhin das Handbuch „Teamvorstand – Schritt für Schritt ans Ziel“. Hier fließt die gesammelte Expertise der drei Kooperationspartner:innen zusammen. Es lädt dazu ein, Vereinsarbeit neu zu denken: Denn im Team geht vieles besser, indem Verantwortung geteilt und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Das Handbuch steht für gemeinnützige Organisationen kostenlos digital zur Verfügung .

Das gefiel der Jury:

  • Das Handbuch geht auf eine große Herausforderung der Zivilgesellschaft ein – mit dem „Teamvorstand“ als einer zukunftsfähigen und resilienten Antwort auf Nachwuchsprobleme von Vereinen.
  • Der kollaborative Ansatz überzeugte: Drei engagementfördernde Einrichtungen bündeln ihr Wissen, um es Vereinen vor Ort – aber auch darüber hinaus – zur Verfügung zu stellen.
  • Das Projekt unterstützt konkret Engagierte in ihrem Handeln vor Ort.

Ein Preis für Freiwilligenagenturen
Mit dem Innovationspreis zeichnet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa) seit nunmehr 20 Jahren Freiwilligenagenturen aus. Angeregt wurde der Innovationspreis durch die Stiftung Apfelbaum, die seither die Preisgelder ermöglicht. Ausgezeichnet werden Ansätze und Projekte von Freiwilligenagenturen, die in ungewöhnlicher und beispielgebender Weise zum Engagement der Bürger:innen vor Ort motivieren, es entwickeln, stärken und ausbauen. Durch jährlich wechselnde Themensetzungen beleuchtet der Innovationspreis die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und zeigt das Panorama des kreativen Schaffens von Freiwilligenagenturen.