25.11.2025

Mit Kollaborationen zukunftsfeste Engagementstrukturen gestalten: Dokumentation des bagfa-Arbeitsforums „Freiwilligenagenturen als resiliente Organisationen“

Wie wir mit Zusammenarbeit und gemeinsamen Zielen Wandel gestalten und Krisen begegnen – Einblicke in das Arbeitsforum vom 17. November

Foto: Michael Wallmüller

Sei es in der Unterstützung von geflüchteten Menschen, bei Naturkatastrophen oder während der Corona-Pandemie: Die Zivilgesellschaft mildert Krisen ab und findet kreative Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen. Gleichzeitig setzen diese die Zivilgesellschaft unter Druck.

Eine Antwort auf diese Entwicklungen ist das Konzept der Resilienz: Es beschreibt, wie Menschen und Organisationen mit Krisen umgehen, sich an Veränderungen anpassen, handlungsfähig bleiben und wie sie lernend Wandel entgegenblicken (mehr dazu in der Studie „Nicht kleinzukrisen“).

Bereits bei der bagfa-Jahrestagung 2025 in Isernhagen beschäftigten sich die Kolleg:innen aus den Freiwilligenagenturen mit dem Resilienz-Konzept. Rund 45 Teilnehmende vertieften diese Diskussion beim digitalen bagfa-Arbeitsforum „Wandel gestalten, Krisen begegnen: Freiwilligenagenturen als resiliente Organisationen“ am 17. November. Der Fokus diesmal: Kollaborationen als Zukunftskompetenz, um vor Ort Resilienz zu entfalten.

Blick zurück: Das Konzept Resilienz bei der bagfa-Jahrestagung 2025

Zum Start des Arbeitsforums ließen die Teilnehmenden die bagfa-Jahrestagung im Juni 2025 Revue passieren: Im niedersächsischen Isernhagen widmeten sich die Kolleg:innen einen kompletten Nachmittag dem Konzept der Resilienz: Dr. Josefa Kny vom betterplace lab stellte hier aktuelle Studien zum Thema vor, anschließend diskutierten die Teilnehmenden in zwei Gruppenarbeiten fünf Resilienzcluster. So verknüpften sie die Theorie und Erkenntnisse aus der Forschung mit der Praxis vor Ort.

Im digitalen Arbeitsforum beantworteten die Kolleg:innen auch die Abschlussfrage der Jahrestagung erneut: Welches Gefühl verbindet ihr mit Resilienz? Antworten im Chat lauteten unter anderem „Zuversicht“, „Gelassenheit“ oder „Widerstandsfähigkeit“.

Kollaboration ist eine Zukunftskompetenz – Impulsvortrag von Dr. Josefa Kny

Um eine gemeinsame Basis zu schaffen, führte Dr. Josefa Kny beim Arbeitsforum kurz in das Konzept der Resilienz ein. Die Zukunftsforscherin des betterplace lab betonte in ihrem Impuls: Resilienz sei nicht bloß die Bewältigung von Krisen, sondern umfasse auch die Vorbereitung und Aufbereitung dieser. Organisationale Resilienz sei hierbei nicht die Summe individueller Widerstandskraft, sondern die Gesamtheit der erlernbaren Fähigkeiten, einen Umgang mit Krisen zu finden, um langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Auf Grundlage von Studien des betterplace lab (mehr dazu hier und hier) sieht Kny die Zivilgesellschaft in einer doppelten Rolle: Zum einen mildere sie Krisen ab, gerate durch diese aber auch unter Druck.

Eine wichtige Resilienzressource stellt die Vernetzung mit anderen Organisationen dar: Hierzu veröffentlichte das betterplace lab kürzlich unter dem Schlagwort Kollaboration einen eigenen Leitfaden mit dem Titel „Gemeinsam wirksam“. In ihrem Impuls verdeutlichte die Wissenschaftlerin, dass Kollaboration nicht nur eine Methode, sondern eine Haltung sei. Hierzu heißt es in dem Leitfaden: „Kollaboration bezieht sich allgemein auf die Zusammenarbeit zwischen Organisationen, um in einem ko-kreativen Prozess gemeinsame Ziele zu erreichen“.

Dr. Josefa Kny | Foto: Michael Wallmüller

Doch wie kann eine resilienzstärkende Kollaboration gelingen? Josefa Kny stellte hierzu verschiedene Merkmale fest und betonte: Kollaborationen seien keine Selbstläufer, sie benötigten Aufmerksamkeit sowie Einverständnis. Diese gemeinsame Arbeit lohne sich aber, denn in Kollaborationen steckt viel Potenzial: Zusammenwirken könne Vielfalt, Innovation, Legitimität, Wirksamkeit und vieles mehr entfalten. Daher richtete die Forscherin eine klare Botschaft an die Teilnehmenden: Kollaboration ist eine Zukunftskompetenz!

Die Präsentation zum Impulsvortrag von Josefa Kny ist hier als PDF zum Download verfügbar.

Wie gestalten Freiwilligenagenturen Kollaboration? Einblicke aus dem Austausch

Nach einem kurzen Austausch, um Verständnisfragen zu klären, diskutierten die anwesenden Kolleg:innen anschließend in Kleingruppen. Im Fokus hierbei die Frage: Wie gestalten Freiwilligenagenturen Kollaborationen in der Praxis? Im Austausch wurde deutlich, dass bereits einige nachhaltige Formen der Zusammenarbeit existieren: Etwa mit der Verwaltung oder Volkshochschulen. Dabei schaffen die Freiwilligenagenturen auch themenspezifische Netzwerke, um unterschiedliche Akteure zusammenzubringen.

Die Notizen aus dem Gruppenaustausch sind hier als PDF zum Download verfügbar.

Mit geteiltem Verständnis und gemeinsamen Zielen zu gelungenen Kollaborationen: Einblicke aus der Praxis

Wie können gelungene Kollaborationen zwischen Zivilgesellschaft und der Verwaltung aussehen? Einblicke und Antworten hierzu gab Dr. Jochen Gollbach in einem digitalen Interview. Er ist bagfa-Vorstand und Koordinator für Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt der Stadt Kassel. Im Gespräch plädierte er für eine Zusammenarbeit zwischen der engagierten Zivilgesellschaft und der Verwaltung. Denn in dieser stecke viel Potenzial. Stadt- und Kreisverwaltungen sollten nicht als Verhinderer, sondern als Partner zur Stärkung von Engagement betrachtet werden. Das bedeute auch ein gemeinsames Verständnis: Laut Gollbach dauern beispielweise Abläufe in der Verwaltung meist länger, was zivilgesellschaftliche Organisationen in ihren Planungen berücksichtigen sollten.

Dr. Jochen Gollbach | Foto: Kurt U. Heldmann

In verschiedenen Formaten, etwa ein Vereinsforum oder einem Runden Tisch zu Flucht und Migration, habe der Koordinator der Stadt Kassel gute Erfahrungen gemacht: Verwaltung könne Strukturen stellen, aber auch verschiedene Akteure zusammenbringen. Wichtig sei ein klares Ziel und ein geteiltes Verständnis– der Mehrwert solle im Fokus stehen. Aus seiner Sicht gelinge es der Zivilgesellschaft immer besser, mit Partner:innen zusammenzuarbeiten, weil die positiven Effekte überwiegen und Konkurrenzdenken abnehme.

Mit dem nächsten Gesprächspartner rückte der Fokus auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: André Koch-Engelmann, Geschäftsführer von UPJ e.V., teilte Eindrücke aus seiner Arbeit und dem Projekt „resiliente Netzwerke“, ein gemeinsames Projekt von UPJ und der bagfa. Mit Blick auf gelungene Kollaborationen, Kooperationen oder Formate der Zusammenarbeit formulierte er einige Do’s and Don’ts: Wichtig sei, einige grundlegende Fragen in der eigenen Organisation zu klären: Was ist mein Anliegen, meine Motivation und mein Ziel? Hier ergeben sich laut Koch-Engelmann große Schnittmengen mit der Wirtschaft, die ebenfalls ein Interesse an der Stärkung etwa von Zusammenhalt und Demokratie hätte. Diese gemeinsamen Interessen sollten bei der Zusammenarbeit im Fokus stehen.

Auf der anderen Seite einige Merkmale, die es zu vermeiden gilt: In der Zusammenarbeit sollte man nicht allein von den eigenen Bedürfnissen der Organisation ausgehen und sich auf falsche Gewissheiten berufen. Vielmehr sei es wichtig, das Gegenüber zu verstehen und nicht nur in einem instrumentellen Verhältnis zu sehen: Etwa als Geldgeber, um eine Förderlücke zu schließen. Mit guter Vorbereitung könne die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Resilienz entfalten: Zum Mitmachen einladen und ein klares Konzept seien für den UPJ-Geschäftsführer Erfolgsindikatoren – zu sehen etwa bei dem Format „Marktplatz gute Geschäfte“. Mit Blick auf das gemeinsame bagfa- und UPJ-Projekt betonte Koch-Engelmann: Es ist wichtig, mit niedrigschwelligen Formaten, bereits vor der Krise, vor dem Problem oder vor der Herausforderung, Beziehungen zu Unternehmen zu pflegen, um resiliente Netzwerke zu schaffen.

André Koch-Engelmann | Foto: UPJ e.V.

Wie Freiwilligenagenturen Resilienz entfalten und stärken: Verleihung des bagfa-Innovationspreises 2025

Zum Abschluss des Arbeitsforums gab es noch Grund zu feiern: Die bagfa verkündete die Gewinner:innen des bagfa-Innovationspreises 2025. Unter dem Motto „Mit Engagement Wandel gestalten – wie Freiwilligenagenturen Resilienz entfalten und stärken“ suchte die bagfa in diesem Jahr Projekte, Aktivitäten und Ansätze von Freiwilligenagenturen, die Wege aufzeigen, mit Veränderungen, Krisen und gesellschaftlichen Wandel umzugehen, oder zu einer resilienten Gesellschaft vor Ort beitragen.

Bei der digitalen Preisverleihung verkündete die bagfa fünf Gewinner:innen, die sich aus insgesamt 25 Bewerbungen durchsetzten. Als Vetreter:innen der Jury begründeten Dr. Josefa Kny und André Koch-Engelmann die Entscheidung der Juror:innen.

Weitere Informationen zur Preisverleihung, den Gewinner:innen und zum bagfa-Innovationspreis sind in diesem Beitrag zu finden.