Dokumentation des digitalen bagfa-Arbeitsforums „Überholt Künstliche Intelligenz die Digitalisierung? Wie Freiwilligenagenturen KI-gestützte Technologien nutzen“ am 21. Mai 2026

Viele Freiwilligenagenturen haben in den letzten Jahren Digitalisierungsprozesse umgesetzt und -strategien erarbeitet. Seit 2022 wurde durch KI-Tools der digitalisierte Arbeitsalltag noch mal beschleunigt. Ein guter Zeitpunkt also zu schauen, wie KI bereits unsere Arbeit beeinflusst und wie wir uns strategisch mit ihr auseinandersetzen können.
Bei unserem digitalen bagfa-Arbeitsforum unter dem Titel „Überholt Künstliche Intelligenz die Digitalisierung? Wie Freiwilligenagenturen KI-gestützte Technologien nutzen“ trafen sich hierfür mehr als 50 Kolleg:innen aus Freiwilligenagenturen.
Neben praktischen Einblicken in die Arbeit in Freiwilligenagenturen stellte Henrik Flor von der Stiftung Bürgermut in einem Impuls den Prozess hinter der Entstehung des Code of Conduct Künstliche Intelligenz bei der Stiftung vor.
Eine kurze Geschichte der KI
Zum Start blickten wir aber zuerst zurück auf die noch recht kurze Geschichte KI-gestützter Technologien in der Zivilgesellschaft und den vorhergehenden Digitalisierungsdiskurs der letzten Jahrzehnte. Während zivilgesellschaftliche Organisationen vielfach eher vorsichtig und aufgrund knapper Ressourcen langsamer in die Digitalisierung gestartet sind, beträgt die Verbreitung von KI-gestützten Tools laut einer Studie der ZiviZ weniger als drei Jahre nach dem Start von ChatGPT im letzten Sommer bereits 73% in der Zivilgesellschaft.
Diese Zahlen wurden in einer kurzen Menti-Umfrage unter den Teilnehmenden sogar noch übertroffen. 30 von 33 Befragten gaben an, jeden Tag oder jede Woche KI-gestützte Tools zu nutzen:
Ein Code of Conduct als lebendes Dokument – Impuls von Henrik Flor

Praxiswissen ist also da, stellt sich die Frage nach der Strategie: Wie und für welche Aufgaben wird KI eingesetzt und nach welchen Grundsätzen? In einem spannenden Einblick stellte Henrik Flor von der Stiftung Bürgermut die Entstehung und den Prozess hinter dem Code of Conduct der Stiftung vor. Dabei betonte er, dass es sich ein Leitungsthema handelt. In Hinblick auf schnelle Weiterentwicklungen der technologischen Möglichkeiten funktioniere der Code of Conduct als lebendes Dokument. Es muss also regelmäßig überprüft und an aktuelle Anforderungen angepasst werden. Einen tieferen Einblick in den Prozess bietet dieser Bericht bei so-geht-digital.de.
Aber wo fängt man am besten an? Anton Haffner aus der bagfa-Geschäftstelle gab im Anschluss einen kleinen Einblick in den bisherigen Prozess im bagfa-Team, der Mut zum Anfangen machen sollte. Es lohnt sich, zuerst miteinander ins Gespräch zur individuellen KI-Nutzung zu kommen, bevor gemeinsam Leitplanken dafür entwickelt werden.
Anwendungsfälle und Haltungsfragen: Fünf Themenräume und zwei Fishbowls
So ermutigt, starteten die Teilnehmenden für intensiveren Austausch in fünf Themenräume. In zwei Runden gab es die Möglichkeit, entweder ganz praxisnah Erfahrungen über Anwendungsfelder von KI im Arbeitsalltag einer Freiwilligenagentur auszutauschen oder sich gemeinsam über die eigene Haltung und Strategien im Bezug zu KI Gedanken zu machen.
In zwei anschließenden digitalen Fishbowls berichteten die Themenpat:innen über die jeweiligen Diskussionen mit Ergänzungen aus dem Publikum. Hier wurde deutlich, dass besonders im Hinblick auf eine klare Haltung noch einige Fragen offen sind: Wie können wir die potenzielle Effizienzsteigerung durch den Einsatz von KI reflektiert nutzen, ohne uns in Abhängigkeiten zu begeben? Ein Vorschlag kam von Katharina Schön aus Mainz, die darauf aufmerksam macht, dass gewonnene Zeit für eine gesündere Work-Life-Balance verwendet werden kann.
In der zweiten Fishbowl wurde deutlich, dass die KI zahlreiche Potenziale im Alltag einer Freiwilligenagentur bildet und auch Automatisierungen von Abläufen vielversprechend wirken. Allerdings plädierte Hendrik Rathmann aus Essen dafür, dass die Ziele klar sein sollten, bevor man Schritte in diese Richtung unternimmt. Wie so oft sind auch hier knappe Ressourcen ein Hinderungsgrund, denn DSGVO-konforme Lösungen werden schnell kostenintensiv.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass KI-gestützte Technologien in Freiwilligenagenturen vielfältig im Einsatz sind. Mit Blick nach vorn geht es jetzt zunehmend darum, ein strategisches und im Team abgestimmtes Vorgehen zu erarbeiteten.