„Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“
Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo
Liebe Kolleg:innen,
wir ziehen unserer Kreise durch unwegsame Zeiten und sehen uns einer Vielzahl sozialer, gesellschaftlicher und ökonomischer Umbrüche gegenüber. Polarisierte Debatten und knappe Haushaltskassen stellen zunehmend auch den Zusammenhalt und unsere Demokratie infrage – und erhöhen damit den Druck auf uns, die Freiwilligenagenturen, sowie auf die gesamte Zivilgesellschaft.
Gleichzeitig entstehen viele Antworten auf diese Krisen im vermeintlich „Kleinen“ – dort, wo sich schon heute erahnen lässt, wie die Gesellschaft von morgen aussehen kann: In lokalen Netzwerken bilden sich zahlreiche Projekte, Initiativen und Ideen, die eine solidarische, vielfältige und resiliente Gesellschaft stärken. Wir als Freiwilligenagenturen sind ein Teil davon: Mit der Förderung von freiwilligem Engagement stärken wir Selbstwirksamkeit, Gemeinsinn und gelebte Demokratie vor Ort.
Doch was brauchen wir, um selbst beweglich und wirksam zu bleiben? Schließlich werden auch wir stetig von äußeren Entwicklungen in Bewegung versetzt – sei es durch Krisen, politische Veränderungen oder gesellschaftliche Erwartungen. Was uns hilft, sind: ein klares Profil, tragfähige Strukturen, Anpassungsfähigkeit, eine wertebasierte Haltung – und viele gute Ideen.
Das sind einige der Voraussetzungen, um den Widrigkeiten unserer Zeit trotzen zu können – um also resilienter zu werden. Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang auch: auf plötzliche Anforderungen reagieren, mit Veränderungen umgehen, Belastungen standhalten – und dabei handlungsfähig, kreativ und agil zu bleiben.
Nicht ohne Grund bescheinigen aktuelle Studien der Zivilgesellschaft eine „grundsätzliche Unabhängigkeit und Stärke, die sie von […] anderen Sektoren unterscheidet“. Organisationen, Initiativen und Vereine können zu einem „Inkubator gesellschaftlicher Resilienz“ werden.
Resilienz zeigt sich auf vielen Ebenen unserer Arbeit: wenn Freiwillige qualifiziert und anerkannt werden, wenn Teams gemeinsam lernen, wenn Leitungskräfte Strukturen überdenken und das Leitbild weiterentwickeln. In all diesen Prozessen wird Resilienz gestärkt – und es entstehen Spielräume, um auf Neues zu reagieren und handlungsfähig zu bleiben. Dabei ist Resilienz kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Damit es nicht bei einem schönen Modewort bleibt, muss Resilienz inhaltlich geschärft und praktisch erfahrbar werden. Raum dafür soll unsere Jahrestagung bieten.
In Isernhagen bei Hannover wollen wir die Ruhe abseits der Großstadt nutzen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei auch um uns zu kreisen: Was gelingt uns als Freiwilligenagenturen bereits gut – und wo müssen wir besser werden? Wie können wir unsere Handlungs- und Widerstandskraft weiterentwickeln? Was brauchen wir dafür?
Und vor allem: Wie können wir so stark werden, dass wir als stabile Infrastruktur und verlässlicher Ort des Austauschs wirken – nicht nur für uns, sondern auch für andere, die Schutz, Orientierung und Resilienz benötigen?
Neben Impulsen aus Wissenschaft und Praxis möchten wir vor allem den Austausch ermöglichen, gemeinsam diskutieren und erste Werkzeuge für eine resilientere Agentur entwickeln. Und nicht zuletzt: Gelegenheit bieten, neue Kräfte zu sammeln – damit wir die Herausforderungen unserer Zeit gestärkt angehen können.
Dazu laden wir Freiwilligenagenturen und Interessierte herzlich ein!
Tobias Kemnitzer
bagfa e.V.
Das vollständige Programm zur Jahrestagung ist hier zu finden. Es wird fortlaufend aktualisiert.
